Fernsehsender und Agenturen sehen die Formel 1 weiterhin im Aufwärtstrend – RTL und DSF weiten ihre Sendezeiten aus
Das Juwel der Werbebranche

Bernie Ecclestone, der Chef des Millionengeschäfts Formel 1, spricht vom Sparen. "Wir müssen an der Kostenschraube drehen. Wir müssen einen Weg finden, der die Wahnsinnssummen, die die Topteams investieren, unnötig macht", sagte der 73-Jährige kürzlich. Ob große Sparanstrengungen überhaupt notwendig sind, ist allerdings offen.

DÜSSELDORF. Denn das Werbe- und TV-Geschäft mit der Formel 1 läuft gut. Nach Einschätzung des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) wird der Umsatz mit Sportsponsoring auf 1,9 Mrd. Euro steigen. Für kommendes Jahr wird bereits mit 2,2 Mrd. Euro und für 2005 mit 2,6 Mrd. Euro gerechnet. "Die Formel 1 rechnet sich für uns", bestätigt auch ein Sprecher derRTL-Werbetochter IP Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung bei den Zuschauerzahlen weiter aufwärts geht."

Für Deutschlands größten Sender spielt die Berichterstattung von den Rennen deshalb eine große Rolle. Die Bertelsmann-Tochter vergrößert zum Saisonauftakt am Sonntag in Melbourne ihre Sendezeit um mehr als ein Drittel auf rund 162 Sendestunden. Zusätzlich wird das so genannte freie Training am Freitag erstmals vom Nachrichtenkanal N-TV, der zur Hälfte RTL und dem amerikanischen Medienkonzern Time Warner gehört, übertragen. Auch der Sportkanal DSF weitet seine Zusammenfassung von vier Stunden auf fünf Stunden pro Rennwochenende in dieser Saison aus.

In der Werbebranche gilt die Formel 1 als Juwel. "Die Formel 1 steht für competition, fascination, high-tech und glamour. Das ist eine Werbeumfeld, das zunehmend auch für Frauen als Zielgruppe interessant wird", sagt André Kemper, Chef des größten deutschen Werbekonzerns BBDO. An Zuspruch bei den Werbekunden kann sich die Formel 1 nicht beklagen. In der Regel geben Sponsoren wie Allianz oder Marlboro jährlich Beträge zwischen 30 und 120 Mill. Euro aus, berichten Insider. Wie viel Geld tatsächlich in die Formel 1 fließt, weiß allerdings nur Bernie Ecclestone ganz genau. "Es gibt traditionell keine verlässliche Zahlen", weiß der ZAW-Sprecher Volker Nickel.

Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Werbewirtschaft sitzt bei der Formel 1 das Geld weiter locker. Werbemanager Kemper hat dafür eine einfache Erklärung: "Das Geld wird ähnlich wie in der klassischen Werbung nicht mehr mit der Gießkanne verteilt, sondern in erstklassige Sportevents gegeben. Davon profitiert die Formel 1." Viele Marken bauen daher sogar ihre Präsenz aus. So wirbt Bierhersteller Krombacher in dieser Saison nicht nur auf RTL, sondern auch auf N-TV.

Die Gefahr, ähnlich wie der Tennissport nach dem Abgang von Boris Becker und Steffi Graf, ins Abseits zu geraten, wird in der Marketingbranche als gering angesehen. "Die Faszination Formel 1 machen natürlich die Fahrer - aber in einem zunehmenden Maße auch die Automobilmarken", sagt BBDO-Chef Kemper. Nicht Schumacher zählt, sondern Ferrari.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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