Fernsehvertrag steht noch aus
Bundesliga stößt an ihre Grenzen

Der Rekordetat der Handball-Bundesliga überdeckt die wirtschaftlich kritische Situation der Vereine. Mit geschätzten 43,5 Millionen Euro und damit rund 2,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr wollen die 18 Clubs trotz eines (noch) fehlenden Fernsehvertrages Haus halten und sind damit vorerst an die Grenze des Machbaren gestoßen.

HB/dpa LEIPZIG. "Ich weiß, dass die Etats zum Teil restlos ausgereizt sind. Die meisten Vereine sind nicht auf Rosen gebettet. Es werden alle hart daran zu arbeiten haben, dass es keine Einbrüche gibt", mahnte der Vorsitzende des neu gegründeten Liga-Verbandes, Heinz Jacobsen, vor dem Saisonstart am Freitag.

Die größte Steigerung verzeichnet der HSV Hamburg. Mit 4,5 Millionen Euro gegenüber 3,8 Millionen in der vorigen Saison rückte das Team von der Alster dicht an Finanzkrösus THW Kiel heran, der seinen Etat mit 4,8 Millionen Euro angibt. "Ich gehe davon aus, dass der HSV das ordentlich geplant hat", sagte Jacobsen. Durch die Neuzugänge Torsten Jansen (HSG Nordhorn), Morten Bjerre (THW Kiel) und Rückraum-Nationalspieler Pascal Hens (SG Wallau-Massenheim), der 35 000 Euro aus eigener Tasche zu seiner Ablösesumme beisteuerte, hat sich das Team von Trainer Bob Hanning punktuell exquisit verstärkt.

Damit wollen die Hamburger zwei Jahre nach ihrem Umzug aus Bad Schwartau nach der Meisterschale greifen. Auch der THW Kiel strebt nach der verkorksten vorigen Saison wieder den Titel an. Die sieben Abgänge sollen die Schweden Marcus Ahlm (IFK Ystad) und Martin Boquist (Redbergslids) sowie Adrian Wagner (Hamburg), Christian Zeitz (SG Kronau-Östringen) und der Slowene Roman Pungartnik (Wilhelmshavener HV) kompensieren.

Gleich acht neue Spieler präsentiert DHB-Pokalsieger SG Flensburg- Handewitt, mit denen der "Ewige Zweite" endlich auch einmal die Meisterschaft gewinnen möchte. Mit seinem Etat von 3,4 Millionen Euro liegt der nördlichste Bundesligist fast gleichauf mit dem deutschen Rekordmeister VfL Gummersbach. Das einstige Sorgenkind hat sich auch dank seines wiederum 3,5-Millionen-Euro-Haushalts nicht nur finanziell in die Spitzengruppe der Liga vorgearbeitet. Auch die Verpflichtungen der deutschen Nationalspieler Mark Dragunski (Flensburg-Handewitt) und Frank von Behren (GWD Minden) sowie des französischen Abwehrspezialisten Cedric Burdet vom Champions-League- Sieger HB Montpellier stellen einen Qualitätszuwachs dar.

Bedeckt über ihre finanziellen Möglichkeiten halten sich schon traditionell Titelverteidiger TBV Lemgo und der TuSEM Essen, die sich mit ihren Etats jedoch auf dem Niveau von Gummersbach bewegen dürften. Den schmalsten Geldbeutel der Meisterschaftsanwärter hat nach eigenen Angaben der SC Magdeburg mit 3,0 Millionen Euro (Vorjahr: 2,56 Millionen). Für den nach Spanien abgewanderten Ausnahmespieler Olafur Stefansson holte der Champions-League-Sieger von 2002 den vor fünf Jahren ausgemusterten Rumänen Robert-Ioan Licu (SV Post Schwerin) zurück.

Gesenkt haben die Etats nur der ThSV Eisenach nach überstandenem Insolvenzverfahren von 1,8 Millionen auf 1,5 Millionen Euro und die HSG Nordhorn, die in der vergangenen Saison ebenfalls in schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten war. Noch sieht Jacobsen "keine Anzeichen", dass es in der neuen Saison zu ähnlichen Situationen kommt. "Aber ich kann es nicht ausschließen", urteilte er. Am Ende der Geldrangliste steht der VfL Pfullingen, der mit 950 000 Euro noch nicht einmal die Millionen-Grenze überschreitet. Rund 150 000 Euro mehr hat der Stralsunder HV für seine erste Spielzeit in der "stärksten Liga der Welt" zur Verfügung. Die SG Kronau-Östringen als zweiter Aufsteiger verdoppelte ihren Zweitliga- Etat nahezu auf 1,5 Millionen Euro.

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