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Fernweh: Judith Herzbergs «Vielleicht Reisen» in Düsseldorf

Düsseldorf (dpa) - Kurz vor Beginn der Sommerurlaubszeit war das Stück «Vielleicht Reisen» der niederländischen Autorin Judith Herzberg perfekt platziert. Bei der Uraufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus am Donnerstagabend erntete die gut 90-minütige Inszenierung in der Regie von Peter Hailer herzlichen Applaus.

Düsseldorf (dpa) - Kurz vor Beginn der Sommerurlaubszeit war das Stück «Vielleicht Reisen» der niederländischen Autorin Judith Herzberg perfekt platziert. Bei der Uraufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus am Donnerstagabend erntete die gut 90-minütige Inszenierung in der Regie von Peter Hailer herzlichen Applaus.

Doch es geht bei Herzberg, die im traditionsreichen Haus am Gustav-Gründgens-Platz bereits «Heftgarn» und «Simon» mit großem Erfolg auf die Bühne brachte, nur vordergründig ums Verreisen. Die insgesamt fünf Figuren auf der von Hank Irwin Kittel als abgehobenes Dreieck konzipierten Bühne sind allesamt auf der Suche nach Menschlichkeit. Gleichzeitig scheitern sie alle an der Vergeblichkeit gut gemeinten Helfens. «Es gibt keine Teufel, nur Engel. Aber die machen die Welt auch nicht besser», sagte die 1934 in Amsterdam geborene Autorin nach der Premiere im ausverkauften Kleinen Haus.

Es geht um drei Frauen, zwei Männer und einen Todesfall. Madeleine, eine Sängerin und ihre Freundin Hilde bekommen Besuch von Gwen, Madeleines Tochter. Doch die Mutter beginnt sofort, ihre Tochter zu kritisieren. Vielleicht ist Gwens neuer Freund, ein Mann Mitte 50 ja wirklich zu alt für sie? Und da sind Ricky und Arthur, zwei angejahrte Männer. Arthur ist ein ziemlich erfolgloser Prinzipienreiter, den der erfolgreiche Ricky mit auf eine Autofahrt durch Rumänien nimmt. Der Freund soll Abstand gewinnen vom Selbstmord seines Zwillingsbruders. Doch tatsächlich ist das Verreisen für ihn in dieser Zeit der Trauer eher Horror.

«Du kapierst nicht, was diese Reise mich kostet. Immer so tun, als ob ich genieße. Wo ich gar nicht weg wollte», beschwert sich Arthur, bevor ihn der Freund irgendwo in einen Flieger setzt, damit er nach Hause kommt. Und die drei Frauen? Die kichern süß vor dem Fernseher, regen sich über eine laute Sängerin in der Nachbarwohnung auf und gestehen einander ein ungesagte Dinge aus der gemeinsamen Vergangenheit. Mutter-Tochter-Konflikte köcheln oberflächlich und die lesbische Beziehung zwischen Madeleine und Hilde scheint auch nur noch zu funktionieren, weil die Künstlerin häufig auf Reisen ist und Hilde dann das häusliche Reich für sich alleine hat.

Die schönsten Dialoge gibt es zwischen Hilde und Gwen, wenn die jüngere Frau um Rat nachsucht, den sie bei der eigenen Mutter nicht finden würde. Sowohl die drei Frauen als auch die beiden Männer sprechen über einen Abwesenden. Der Mann Mitte 50 ist die Klammer, die beide Menschengruppen miteinander verbindet und die zwei getrennten Geschichten am Schluss doch noch zusammenführt. Denn am Ende treffen sich Gwen und Arthur in der Wohnung des Zwillingsbruders. Und da Gwen noch nicht weiß, dass ihr Freund tot ist, hält sie Arthur für den Geliebten.

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