Ferrari auch in der Konstrukteurswertung vorn
Der mit den PS spielt

Michael Schumacher tanzte vor Glück auf seinem Ferrari, in Maranello läuteten nach dem Indianapolis-Coup des Titelverteidigers die Glocken und die italienischen Medien überschlagen sich förmlich - der Kerpener ist wieder ganz oben auf. Dennoch bleibt eine Restunsicherheit.

HB INDIANAPOLIS. "Vorbei ist es noch nicht. Solange man rechnerisch nicht Weltmeister ist, ist das Rennen offen. Wir brauchen zwar nur noch einen Punkt, aber man weiß ja nie", wollte er nach seinem Husarenstreich vor 150 000 Zuschauern auf dem "Indianapolis Motorspeedway" vom Gewinn seiner sechsten Formel-1- Weltmeisterschaft noch nichts wissen. "Zuerst müssen wir in Suzuka überhaupt ins Ziel kommen", gab "Schumi", dem ein achter Platz zum historischen Titel-Triumph reichen würde, zu bedenken.

"Wir haben noch eine kleine Chance und die wollen wir nutzen", sagte denn auch Mercedes-McLaren-Pilot Kimi Räikkönen nach dem Großen Preis der USA. Während der Finne noch auf das Wunder von Suzuka hofft, ist Juan Pablo Montoya, der wutentbrannt aus dem berühmtesten Autostadion der Welt flüchtete, endgültig aus dem WM-Rennen.

Im Ferrari-Heimatland Italien zweifelt aber niemand mehr ernsthaft, dass sich Schumacher den Titel noch abjagen lässt. Im Ferrari-Sitz in Maranello hatten Tausende Fans das Rennen auf Großbildleinwänden verfolgt. Pfarrer Don Alberto Bernadoni läutete die Glocken just in dem Moment, als in den USA die italienische Nationalhymne angestimmt wurde. Ferrari-Chef Luca de Montezemolo meinte: "Das ist das Ergebnis von einem außergewöhnlichen Auto mit einem außergewöhnlichen Fahrer."

Die italienische Presse begann am Montag mit ihren Lobliedern auf den Deutschen. "Schumi wie ein Gedicht, die WM ist nah", schrieb die "La Gazetta dello Sport". "La Repubblica" sieht Schumacher "auf dem Weg zur Legende". "Libertà" meint: "Für Suzuka ist das Fest schon vorbereitet."

Schumacher feierte in Indianapolis seinen 70. Karrieresieg im 192. Grand Prix. In den 15 Saisonrennen hat er sechs Erfolge geschafft und 92 Punkte gesammelt. Räikkönen hat in diesem Jahr in Malaysia seinen ersten und bisher einzigen Formel-1-Erfolg gefeiert und immerhin 83 Zähler eingefahren. Montoya (Kolumbien/3 Siege), der 2000 in Indianapolis mit dem Sieg bei den Indy-500 den bisher größten Erfolg seiner Karriere feierte, hat mit 82 Punkten indes keine Titelchance mehr. Am Sonntag war er nach einem Foul gegen Schumachers Teamkollegen Rubens Barrichello mit einem "Drive-Through-Penalty" bestraft worden und fiel weit zurück.

Zudem musste Williams-BMW (144 Punkte) die Führung in der Konstrukteurs-WM an Ferrari (147) abgeben, da Ralf Schumacher wegen eines Missverständnisses mit seinen Ingenieuren nicht früh genug an die Box kam und im Regen mit falschen Reifen von der Strecke rutschte. "Das Ergebnis ist enttäuschend", gestand BMW - Motorsportdirektor Mario Theissen.

Sein Mercedes-Kollege Norbert Haug war nicht ganz so niedergeschlagen, schließlich bleibt noch die "winzige Minichance" auf den Fahrertitel. "Wir haben aufgeholt", freute er sich und verwies auf die erdrückende Ferrari-Übermacht im Vorjahr. "Wenn wir die Saison in Suzuka mit einem Sieg abschließen, wäre das wunderschön." Falls Schumacher ausfällt, würde das sogar für den Titelgewinn reichen.

"Einfach happy" war Heinz-Harald Frentzen, der wie Schumacher auf Bridgestone-Reifen unterwegs war, und als Dritter erstmals seit drei Jahren wieder auf dem Podest stand. Sein Teamkollege Nick Heidfeld beendete das Rennen als Fünfter und bescherte dem Sauber-Rennstall das bisher beste Teamresultat seiner Formel-1-Zugehörigkeit und Platz fünf in der Marken-Wertung. Trotzdem müssen die beiden Mönchengladbacher den Schweizer Rennstall verlassen. "An dieser Entscheidung wird sich nichts ändern", sagte Peter Sauber.

Nachdem im Jahrhundertsommer in Europa über weite Strecken die von McLaren und Williams gefahrenen Michelin-Reifen den Bridgestone-Pneus überlegen waren, kam der Regen in den USA für Schumacher gerade zum rechten Zeitpunkt. "Bridgestone hat in diesem Jahr eine Menge Kritik einstecken müssen. Ich bin froh, dass wir endlich unseren Joker, die Regenreifen, ausspielen konnte. Sie haben das Rennen für uns gewonnen", freute sich Schumacher.

Zum vierten Mal nach 1994, 1997 und 1998 muss der Kerpener im letzten Rennen der Saison um den Titel kämpfen. Nur vor neun Jahren konnte sich der mittlerweile 34-Jährige gegen Damon Hill durchsetzen. Gegen den Kanadier Jacques Villeneuve (1997) und den Finnen Mika Häkkinen (1998) zog er den Kürzeren.

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