Ferrari fährt Doppelsieg nach Hause
Rubens Barrichello fühlt sich wie ein Rockstar

Die spannendste Frage, die Michael Schumacher betrifft, wird erst am kommenden Sonntag beantwortet - wenn er zum ersten Mal in seinem Leben an einer Bundestagswahl teilnimmt. Aus dem Rennalltag des Formel-1-Weltmeisters lässt sich freilich keine Tendenz über seine politischen Präferenzen ableiten: Bei den Reifen wählt er stets die Schwarzen, ansonsten ist er den Roten verpflichtet.

MONZA. Voll und ganz, wie die Ferrari-Party im Königlichen Park von Monza aufs Neue bewiesen hat. Die rote Fraktion hat die freie Auswahl auf der Piste: Zum siebten Mal in dieser Saison feierten die Scuderia-Piloten einen Doppelerfolg. Weil der Rennverlauf und der Stand in der Fahrerweltmeisterschaft (die ab 2004 auch mit einem Rennen in Bahrain gastiert) es erlaubten, konnte Rubens Barrichello seinen dritten Einzelerfolg einfahren. Schumacher beendete seine Ehrenrunde vor den Ferraristi auf Platz zwei und bilanzierte in aller Namen: "Ein Traumtag für uns alle, und die Chance, unseren Fans zu danken." Allerdings muss Schumacher um seinen zweiten Platz noch zittern. Der Motor seines Ferrari wurde versiegelt und wird heute auf seine Regelkonformität hin untersucht. Eine Sprecherin des Automobilweltverbandes FIA sprach jedoch von einer "reinen Routineuntersuchung".

Aus dem Häuschen war nach seinem Sieg Barrichello. Der Brasilianer meinte: "Ich fühlte mich wie ein Rock?n?Roll-Star, als ich auf dem Podium über der tobenden Menge stand. Am liebsten wäre ich hinuntergehüpft." Überraschender als dessen Sieg war der dritte Platz von Eddie Irvine. Erstmals in dieser Saison wurde ein Podestplatz von einem Piloten belegt, der nicht für die drei großen Teams Ferrari, Williams oder McLaren fährt. Irvine sicherte mit Rang drei dem im Mittelfeld herumstreunenden Jaguar-Team die beste Platzierung in dieser Saison. Erneut enttäuschend dagegen Nick Heidfeld, der mit seinem Sauber-Rennwagen nicht über Rang zehn hinauskam.

Der Rollentausch bei Ferrari ist so verdient wie sinnvoll: Die zehn Punkte helfen dem Brasilianer in der Fahrerwertung mehr als Schumacher. Der hätte ohnehin nur einen einzigen Zähler benötigt, um den Saison-Punkteweltrekord zu übertreffen. Der steht vorübergehend nun bei 128 Punkten, zwei Rennen bleiben ihm noch, um die Bestmarke weiter zu verbessern.

"Es war das Resultat, das wir uns gewünscht haben", freute sich Michael Schumacher, "die Spannung im Rennen war ja auch da. Dass die nachließ, lag nicht in unseren Händen. Nach den Ausfällen der Williams war für uns das Rennen dann auf relativ einfache Art und Weise zu bestimmen."

Vier Runden dauerte es, dann hatten sich die Ferrari aus der weiß-blauen Zange befreit: Am Ende der Startgeraden von Monza hatten Juan-Pablo Montoya und Ralf Schumacher die Räume geschickt so eng gemacht, das für die Ferraris kein Durchkommen mehr war. Beide BMW-Williams kürzten die erste Schikane ab, Schumi junior mogelte sich geschickt am Kolumbianer vorbei, der seine Pole-Position mit der schnellsten je gefahren Qualifikationsrunde (Schnitt 259,827 km/h) der Formel-1-Geschichte errungen hatte. Später jedoch schieden die Möchtegern-Konkurrenten aus dem Hause BMW-Williams aus, auch McLaren-Mercedes brachte nur den Schotten David Coulthard als Siebten ins Ziel.

Barrichello war lange Zeit einsam auf Siegkurs, bis gegen Ende der Vorsprung auf Schumacher kontinuierlich schmolz. Kurz vor der Ziellinie, als sich der Mann mit der schwarz-weiß-karierten Fahne auf die Piste wagte, wären die beiden Teamkollegen fast kollidiert. 255 Tausendstel Sekunden trennten die Dominatoren in den roten Autos schließlich. Spannender kann man eine Überlegenheit weder inszenieren, dokumentieren noch zelebrieren.

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