Fertigung im deutschen produzierenden Gewerbe steigt weniger stark als erwartet
Produktion läuft nicht auf vollen Touren

Die deutsche Industrieproduktion ist im April gestiegen. Allerdings so schwach, dass der Rückgang im März nicht ausgeglichen werden konnte. Ein gutes Zeichen ist, dass mehr Investitionsgüter hergestellt wurden.

pbs/HB DÜSSELDORF. "Unsere Auftragsbücher sind so voll wie nie zuvor in der Geschichte," sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedekind in einem Interview. Der deutsche Sportwagenhersteller rechnet in diesem Jahr mit Rekord-Gewinnen. Leider ist Porsche in der deutschen Industrielandschaft offenbar ein Einzelfall. Denn immer noch läuft die Produktion hier zu Lande nicht auf vollen Touren - obwohl der Anstieg der Auftragseingänge im April eine deutliche Erholung in Aussicht gestellt hatte. Auch der Ifo-Geschäftsklima-Index für das produzierende Gewerbe war im Mai deutlich gestiegen und hatte Hoffnungen geschürt.

Der Anstieg der Produktion im April fiel, gemessen an den Erwartungen, mager aus: Im produzierenden Gewerbe wurden in Deutschland lediglich 0,2 % mehr Güter hergestellt als noch im März - in Westdeutschland stieg die Produktion um 0,3 %, in den neuen Ländern ging sie um 1,1 % zurück.

Das ist das Ergebnis vorläufiger Berechnungen des Bundesfinanzministeriums (BMF). Saisonale Einflüsse sind dabei berücksichtigt. Analysten hatten hingegen einen Anstieg um 0,7 % erwartet. Gegenüber April 2001 ging die Produktion um 2,1 % zurück.

Ökonomen besorgt um optimistische Wachstumsprognosen

Der schwache April-Anstieg reichte nicht einmal aus, um den Rückgang im März um 0,3 % auf Monatssicht auszugleichen. Weil die Kapazitäten nicht ausgelastet sind, hatten die Ökonomen der Commerzbank erwartet, dass das Plus bei den Bestellungen schon in diesem Monat zu einer höheren Produktion führt.

Einige Banken-Volkswirte betrachten die Erholung der deutschen Konjunktur nun wieder deutlich skeptischer: "Die Belebung beim Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts könnte sich verzögern," meinen die Volkswirte von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Schroder Salomon Smith Barney sieht die eigene Wachstumsprognose für das zweite Quartal in Gefahr. Die Investmentbanker gehen noch von 2 1/2 % Zuwachs in annulisierter Rechnung aus. Auch Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank hält die hauseigene Prognose von 0,8 % Wachstum im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr nunmehr für relativ hoch. Noch sei es aber zu früh für eine Revision. Für die kommenden Monaten sind die Ökonomen denn auch schon wieder optimistischer: Die Industrieproduktion dürfte sich erholen, erwartet Mercier. Schließlich müssten die Aufträge abgearbeitet werden.

Zuversichtlich ist offenbar auch die Mehrheit der Analysten und institutionellen Anleger. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) hat im Juni 306 von ihnen befragt. Das Ergebnis: Aufwärtspotenzial für die deutsche Konjunktur im kommenden halben Jahr. Der ZEW-Indikator stieg um 3,3 auf 69,9 Punkte, nach einem Rückgang im Mai. Deutlicher noch ist die Zuversicht über eine Erholung im Euro-Raum gestiegen; das Barometer kletterte auf von 68,4 auf 72,5 Zähler. Der Ifo-Geschäftsklima-Index, der auf einer Umfrage unter Unternehmern beruht, hatte sich bereits im Mai deutlich erholt.

Baubranche weiterhin in der Krise

Vor allem der Bausektor hat im April eine insgesamt höhere Produktion verhindert. Die Produktion in der Krisenbranche ging um 3 % zurück. Ihr Anteil an der Industrieproduktion beträgt 12 %. Allerdings ist die Bau-Produktion sehr schwankungsanfällig. Das gilt auch für die Energiebranche, die im April deutlich mehr hergestellt hat. Die Fertigung in der Industrie (verarbeitendes Gewerbe) - ohne Bau- und Energiebranche - stieg deswegen etwas mehr als im produzierenden Gewerbe insgesamt.

Im Industriesektor fällt vor allem die um 2,3 % höhere Produktion von Investitionsgütern auf. Das ist der größte Anstieg seit August vergangenen Jahres. Produktionsgüter haben einen Anteil von gut 28 % an der Industrieproduktion. Allerdings sei unklar, ob dahinter eine neue Investitionlust der Deutschen steht oder Bestellungen aus dem Ausland, meint Jean-Francois Mercier von Schroder Salomon Smith Barney. Denn bisher seien die Orders aus dem Ausland deutlich höher ausgefallen als die inländischen Bestellungen - der April war eine Ausnahme. Die höhere Nachfrage sei möglicherweise auch auf das vorausschauende Handeln von Unternehmen aus der Metallindustrie zurückzuführen, die sich für den Streik gewappnet hatten. Die Zurückhaltung der deutschen Konsumenten manifestiert sich im Rückgang der Konsumgüterproduktion um 1,6 %.

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