Festakt am Abend
Schröder am Grab von Willy Brandt

Der Kanzler legte gemeinsam mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse Kränze am Grab des vor zehn Jahren gestorbenen langjährigen SPD-Vorsitzenden nieder.

dpa BERLIN. Zum 10. Todestag von Willy Brandt am Dienstag hat die SPD ihren langjährigen Vorsitzenden gewürdigt. Der heutige SPD - Chef, Bundeskanzler Gerhard Schröder, und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) legten gemeinsam Kränze am Grabe Brandts auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin nieder. An der Gedenkveranstaltung nahmen auch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul teil und der Präsident der Sozialistischen Internationalen, der Portugiese António Guterres.

Für den Abend war ein Festakt im Berliner Haus der Friedrich Ebert-Stiftung - geplant, zu dem Bundespräsident Johannes Rau und Thierse erwartet wurden. Bei einer Gedenkveranstaltung in Brandts Geburtsstadt Lübeck hatte der Literaturnobelpreisträger Günter Grass am Montagabend die Bundesregierung aufgefordert, Brandts Konzepte zur Grundlage ihrer politischen Arbeit zu machen. "Wer Willy Brandts politischer Arbeit gedenken möchte, wird sie zehn Jahre nach seinem Tod fortsetzen müssen", sagte Grass.

Willy Brandt war von 1957 bis 1966 Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Nach 17 Oppositionsjahren im Bund führte er die SPD 1966 in die Große Koalition. Drei Jahre später wurde er in einem Bündnis mit der FDP erster sozialdemokratischer Bundeskanzler. 1972 erzielte die SPD unter Brandt ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl (45,8 %). Wegen der Guillaume-Spionage-Affäre trat er 1974 als Kanzler zurück. 23 Jahre lang, bis 1987, war Brandt Vorsitzender seiner Partei. Bis kurz vor seinem Tod 1992 stand er der Sozialistischen Internationalen als Präsident vor.

Brandt kam am 18. Dezember 1913 in Lübeck als unehelicher Sohn einer Verkäuferin zur Welt. Mit 16 Jahren trat er in die SPD ein. Nach der Machtergreifung Hitlers emigrierte er 1933 nach Norwegen und kämpfte an verschiedenen Orten im Untergrund gegen den Nationalsozialismus.

Während Brandt mit der sozialliberalen Koalition innenpolitisch "Mehr Demokratie wagen" wollte, setzte er außenpolitisch auf Entspannung mit dem Osten. Die Bilder von Brandts Kniefall am Mahnmal für die im Warschauer Ghetto ermordeten Juden gingen um die ganze Welt. Für seine Versöhnungspolitik erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis.

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