Festhalten an der Prognose
Adidas hat keine Angst vor Konsumflaute

Über seinem Schreibtisch hängt ein Poster von Englands Fußball-Star David Beckham. Dem Chef der Adidas Salomon AG, Herbert Hainer, gefallen Siegertypen. Doch sein eigenes Image hat zuletzt einen argen Kratzer erfahren.

HERZOGENAURACH. Nach der Ankündigung, sich für 75 Mill. Euro mit 10 % an Bayern München zu beteiligen, rauschte die Adidas-Aktie innerhalb einer Woche in den Keller und verlor über ein Drittel ihres Wertes. Hainers erste Schlappe an der Börse, seit er vor über sechs Monaten Chef bei Europas größtem Sportartikler wurde.

Hainer verteidigt dennoch den Deal: "Die Finanzmärkte sind im Moment übersensibel", sagte der Adidas-Chef dem Handelsblatt. Dabei hätten sich die fundamentalen Zahlen nicht geändert. "Wir haben derzeit auch keine Veranlassung für eine Gewinnwarnung", betont Hainer.

Adidas-Salomon erwartet für 2001 weiter einen Umsatzanstieg von 3 bis 5 % und ein Gewinnplus von 15 %. Damit zählt das Unternehmen zu den Ausnahmen, haben doch fast alle Dax-Unternehmen ihre Prognosen nach unten revidiert. Auch der schärfste Adidas-Konkurrent, Weltmarktführer Nike aus den USA, verdiente zuletzt wesentlich weniger als im Vorjahr.

Freizeit- und Sportartikel sind von den Anschlägen nicht so sehr betroffen

Aus Nordamerika - hier verkauft Adidas ein Drittel seiner Turnschuhe und Trikots - habe es seit den Terroranschlägen keine Auftragsstornierungen gegeben, sagt Hainer. Eine drohende Konsumflaute fürchtet er nicht. Zuerst würden große Ausgaben wie Immobilien, Autos und Reisen gestrichen. Freizeit- und Sportartikel seien wegen des Trends zu mehr Sport nicht so sehr betroffen. "Im Gegenteil: Wenn die Leute zu Hause bleiben, joggen sie mehr im Park", vermutet Hainer.

Vehement verteidigt der Adidas-Chef die geplante Beteiligung an Deutschlands erfolgreichstem Fußballclub, Bayern München. Den Deal mit Bayern müsse man immer zusammen mit dem neuen Ausrüstervertrag bis 2010 sehen. Selbst wenn die Beteiligung - was höchst unwahrscheinlich sei - wertlos werde, zahle Adidas als Ausrüster deutlich weniger für Bayern als Nike bei Manchester United mit 35 Mill. Euro pro Saison. Analysten bleiben dagegen kritisch. "Der Schritt ist zwar richtig, aber Adidas hat einen zu hohen strategischen Preis bezahlt, um Nike im Kampf um den deutschen Markt nicht zum Zug kommen zu lassen", meint Mark Josefson von der Bank Julius Bär.

Generell will Hainer neue Wege gehen. "Wir können nicht nur mit Geld gegen Nike angehen", sagt Hainer und verweist auf den doppelt so hohen Marketing-Etat der Amerikaner. "Nike kann immer mehr bieten als wir." Dennoch bleibe es erklärtes Ziel, den Abstand zum Branchenführer zu verkleinern. Neben seinem Beteiligungsmodell will das Unternehmen den Umsatzanteil des modischen Bereichs (Originals) von 10 auf 25 % nach oben bringen. Spezielle "Original-Stores" sollen dabei helfen. Am Freitag eröffnet Adidas den ersten in Berlin, London, Tokio und New York sollen folgen.

"Wir haben an allen Ecken und Enden gearbeitet"

Zudem startet Adidas eine Produktoffensive. Jedes Jahr soll mindestens eine wesentliche Neuerung auf den Markt kommen. Die Innovationen seien während der Expansion unter seinem Vorgänger Robert Louis-Dreyfus etwas zu kurz gekommen, räumt Hainer ein. Die gesamten Strukturen des Unternehmens wurden überarbeitet und das wichtige US-Geschäft sei bereits neu aufgestellt. "Wir haben an allen Ecken und Enden gearbeitet", sagt Hainer. Im ersten Halbjahr 2002 sollen auch die Umsätze in den USA wieder steigen und sich dort die Margen erhöhen.

Einen immer wieder befürchteten Abstieg des Wackelkandidaten aus dem Dax sieht er nicht: "Totgesagte leben länger. Und wir erfreuen uns bester Gesundheit". Die Position von Adidas werde sich stabilisieren, da im kommenden Jahr auch der Free-float in die Beurteilung einbezogen werde. 85 bis 90 % der Aktien sind frei im Handel. Große Übernahmen schloss Hainer für die nächsten zwei Jahren aus: "Wir haben noch eine Menge Hausaufgaben". Verschuldungsgrad und Kosten seien noch immer zu hoch und müssten kontinuierlich gesenkt werden.

In den letzten Tagen erholte sich der Kurs von seinem Tiefpunkt wieder leicht von 46 Euro auf 54 Euro. Analysten von Morgan Stanley Dean Witter und Bankhaus Julius Bär haben die Aktie nach dem dramatischen Jahrestief wieder zum "Kauf" empfohlen.

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