Feuergefecht an afghanisch-pakistanischer Grenze
Taliban: Dutzende Tote in dritter Angriffsnacht

Bei den US-Luftangriffen gegen Afghanistan sind in der dritten Nacht in Folge nach Taliban-Angaben wieder mehrere Dutzend Zivilisten getötet worden. In der Hauptstadt Kabul und im südöstlichen Kandahar seien zwei Wohngebiete getroffen und zahlreiche Häuser zerstört worden, sagte ein Vertreter der regierenden Taliban am Mittwoch. Die Streitkräfte setzten auch am Mittwochmorgen ihre Angriffe auf die Taliban-Hochburg Kandahar fort. In der Gegend von Kandahar wird der als Terroristenführer gesuchte Osama bin Laden vermutet.

afp/dpa/rtr/ap KABUL/ISLAMABAD/WASHINGTON. Flugzeuge hätten die gebirgige Umgebung der Stadt und Ziele nahe des Flughafens bombardiert. Nähere Angaben wollte der Taliban-Sprecher nicht machen. Anwohner berichteten von bis zu fünf US-Kampfflugzeugen, die hoch über Kandahar gekreist seien. Sie hätten vier laute Explosionen auf einem nahe gelegenen Militärflugplatz und anhaltendes Feuer aus Flugabwehrgeschützen gehört.

Trotz der Angriffe wurde die Lage in der Stadt von den Taliban als "ruhig" beschrieben. Es habe keine Fluchtbewegung unter den Bewohnern eingesetzt. Saif sagte weiter, der von Washington gesuchte mutmaßliche Top-Terrorist Osama bin Laden und der in Kandahar vermutete Chef der Taliban-Miliz, Mullah Mohammed Omar, seien am Leben. Die USA dürften sich nicht in Sicherheit wiegen, solange sie Afghanistan angriffen. "Solange Amerika das Blut von Afghanen vergießt, wird es Amerika nicht zum Vorteil gereichen", sagte Saif und ergänzte: "Die Träume Amerikas werden nicht wahr werden." Zugleich rief er alle in den USA lebenden Moslems zur Solidarität mit ihrer Heimat auf. Sie sollten ihren Widerstand gegen die "Abscheulichkeiten" bekunden, die die USA gegen die Afghanen begehe.

US-Kampfflugzeuge unter heftigem Luftabwehrfeuer

Bei den Luftangriffen auf die Taliban-Hochburg Kandahar gerieten US-Kampflugzeuge nach Angaben der Miliz am Mittwochmorgen in heftiges Luftabwehrfeuer. Der Taliban-Botschafter in Islamabad, Abdul Salem Saif, betonte vor Journalisten, die Luftabwehr der in Afghanistan herrschenden Taliban-Miliz sei weiter intakt. Die Behauptungen der USA, bei ihren Angriffen sei die Luftabwehr zerstört worden, seien unwahr. Die US-Flugzeuge operierten allerdings in großer Höhe und seien deshalb außerhalb der Reichweite der Luftabwehr Afghanistans.

US-Präsident George W. Bush hatte am Dienstag gesagt, der Himmel sei "frei" für US-Flugzeuge, die ohne Bedrohung über Afghanistan fliegen könnten. Die USA hätten nach den Angriffen der vergangenen Tage inzwischen die Lufthoheit über dem Land. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, die von den USA geführten Streitkräfte seien nun in der Lage, "mehr oder weniger rund um die Uhr" Ziele in Afghanistan unter Beschuss zu nehmen. Fast alle Flugplätze der herrschenden Taliban-Miliz seien beschädigt worden.

Pakistanische Soldaten haben sich an der Grenze zu Afghanistan ein Feuergefecht mit etwa 30 Taliban-Soldaten geliefert, die offenbar vor den amerikanischen Luftangriffen nach Pakistan fliehen wollten. Das verlautete am Mittwoch aus pakistanischen Militär- und Geheimdienstkreisen. Den Gewährsleuten zufolge trug sich der Vorfall am Dienstag an einem Grenzkontrollpunkt nahe der afghanischen Stadt Dschalalabad zu. Das Feuergefecht habe zwei Stunden gedauert, hieß es. Den Angaben zufolge bedeuteten die pakistanischen Soldaten den Taliban-Kämpfern, dass sie auf afghanisches Gebiet zurück sollten. Sie gaben zu diesem Zweck Warnschüsse in die Luft ab. Die Taliban-Kämpfer erwiderten das Feuer, ehe sie nach dem zweistündigem sich über die Grenze nach Afghanistan zurückzogen.

Freiwillige melden sich zum Kampf gegen die USA

In den südlichen Provinzen Kandahar und Sabul meldeten sich nach Angaben der Taliban tausende Freiwillige für den Kampf gegen die USA. Mehr als vierzig neue Militäreinheiten könnten im Bedarfsfall mobilisiert werden, sagte der Chef der Taliban-Nachrichtenagentur Bachtar, Abdul Hanan Hemat.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta gab es am Mittwoch erneut eine anti-amerikanische Demonstration mit mehr als 1 000 Teilnehmern. Die Polizei setzte Tränengas gegen die meist studentischen Protestierer ein. Sechs wurden nach Radioberichten in der Nähe der US-Botschaft festgenommen.

Bush verstärkt sein Beraterteam

US-Präsident Bush verstärkte sein Beraterteam indes weiter. Er ernannte den General im Ruhestand und Terrorismus-Experten Wayne Downing zum Stellvertreter der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Zugleich bestimmte der Präsident Richard Clarke zum Sonderberater für Computersicherheit.

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