„Feuern ist leicht“: Kündigungsschutz für Dänen fast ein Fremdwort

„Feuern ist leicht“
Kündigungsschutz für Dänen fast ein Fremdwort

Nicht ohne Grund kennt eigentlich niemand in Dänemark den Begriff Kündigungsschutz. "Es ist ziemlich leicht, Mitarbeiter zu feuern", antwortet Jurist Frants Frank Nielsen vom Kopenhagener "Håndværksraad", der Handwerkskammer, ohne Zögern auf die entsprechende Frage.

HB/dpa KOPENHAGEN. Er bezieht seine Antwort ausdrücklich auch auf komplette Betriebs- oder Abteilungsschließungen. Arbeitgeber müssen im Prinzip nur die individuellen Kündigungsfristen ihrer Beschäftigten kennen und einhalten, alles andere fällt aus Sicht des Gesetzgebers unter ihr "allgemeines Führungsrecht".

Dieses System mag von außen eher an den Wilden Westen als einen stark sozialdemokratisch geprägten Wohlfahrtsstaat in Nordeuropa erinnern. Dass auch unter den Betroffenen selbst die weitgehende Kündigungsfreiheit als eher natürlich gilt und akzeptiert wird, dürfte vor allem in der starken Sozialstaats-Tradition der Dänen verankert sein. Anspruch auf Arbeitslosengeld bis zu fünf Jahren und eine rundum starke soziale Absicherung lassen den Verlust eines Jobs weit weniger bedrohlich erscheinen als bei den Nachbarn in Deutschland. "Ich bin gerade gefeuert worden" wird in Dänemark auch mit dieser Wortwahl beim nachbarlichen Plausch schon mal gesagt, ohne dass es beide Seiten allzu sehr aufregt. Den ganz großen Absturz muss man nicht befürchten.

Auch die Gewerkschaften erkennen das höchst liberale Kündigungsrecht als durchaus sinnvoll für eine schnelle Umstellung auf veränderte Anforderungen von Märkten an. Betriebsräte in dänischen Unternehmen mit deutschen Tochter- oder Mutterbetrieben schütteln überwiegend den Kopf, wenn sie von den dort zu befolgenden Vorschriften bei wirtschaftlich begründeten Entlassungsaktionen hören. Ane Lorentzen, Juristin beim Gewerkschaftsdachverband LO, sieht das auch so, betont aber immer wieder die Grundvoraussetzung: "Bei uns kann man sicher sein, dass das Leben im Prinzip unterändert weitergeht, wenn man mal gefeuert ist."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%