„Fevernova“
Ball-Fieber sorgt für Kopfschmerzen

Kopfschmerzen statt Ball-Fieber: Das neue WM- Spielgerät "Fevernova" trifft nicht bei allen Fußballern ins Schwarze. Während die Ballzauberer Brasiliens den vom Herzogenauracher Sportartikelhersteller "adidas" entwickelten Ball als "zu groß und zu leicht" monieren, lobt Englands Superstar David Beckham den "Stern" am Bälle-Himmel.

dpa LEIPZIG. "Es ist der präziseste Ball, den ich jemals gespielt habe", versichert der filigrane "Flankengott" und Werbeträger der Marke mit den drei Streifen. 620 der in Nordafrika hergestellten Exemplare sind bereits in Japan eingetroffen, werden aber bis kurz vor dem WM-Anpfiff an einem geheimen Ort versteckt. Nicht nur Beckham hat sich mit dem seit langem nicht mehr aus Leder hergestellten Objekt der Begierde angefreundet. Auch Argentiniens Pablo Aimar ist begeistert vom kunststoffbeschichteten Ball aus gasgefüllten Mikrozellen. "Jetzt liegt es an uns Spielern zu zeigen, ob wir gut genug für den Ball sind", meint Aimar: "Wenn wir jetzt vorbei schießen, sind nur noch wir blamiert." Passé ist die Schwarzweiß-Optik und das Tango-Design, das seit der WM 1978 in Argentinien die Spielgeräte charakterisierte. Der neue Ball, der durch das neueste Musikvideo von Pop-Barde Sasha rollt und dem das Männermagazin "Playboy" (Juni-Ausgabe) sogar einen eigenen Bericht widmete, kommt dreifarbig auf weißem Untergrund daher. Vier Dreiecke in gold, rot und grün mit einer stilisierten Turbine zieren "Fevernova", dessen Umfang 69,4 Zentimeter beträgt.

Der Ball habe ein dynamisches, revolutionäres Design, beeinflusst durch moderne koreanische und japanische Kulturen, heißt es vom Hersteller. Die geometrischen Formen sollen die technologischen Neuerungen beider Länder in den vergangenen Jahren würdigen und erinnern gleichzeitig an Wurfsterne japanischer Ninjas. Das Rot stehe für die antreibende Kraft des Feuers. Doch der farbenfrohe Ball, von dem Schalkes Jörg Böhme sagt, er sei "wie eine Waffe", lässt ausgerechnet die Kicker des viermaligen Weltmeisters Brasilien nicht frohlocken. "Er fliegt deutlich schneller, zu schnell", argwöhnt Mittelfeldstar Rivaldo vom FC Barcelona. "Die Tormänner sind eine solche Ballgeschwindigkeit nicht gewohnt."

Sonderschichten haben sogar die drei Torhüter von Deutschlands zweitem Gruppen-Gegner Irland absolviert. "Die Bälle sind sehr lebendig", begründete der irische Nationaltrainer Mick McCarthy die Extra-Einheiten beim Trainingslager auf der Insel Saipan. Die Kunststoffkugel springt weiter ab. "Jemand hat mir gesagt, dass der Ball bei bestimmten Schüssen einige Zehntelsekunden schneller fliegt, und das macht einen riesigen Unterschied für die Torhüter", sagte McCarthy. Dagegen erklärte Deutschlands Nationaltorhüter Oliver Kahn in der "Bild"-Zeitung: "Der Ball flattert viel weniger als andere." Nur die Beschriftung irritiere das Auge. Kurioserweise hadert ein weiteres eher schussschwaches und nicht gerade für exzellente Keeper bekanntes Team mit dem vermeintlichen Hochgeschwindigkeitsball, der 4800 Tests überstehen musste und seit Dezember weltweit verkauft wird. Tore seien mit dem "Fevernova" nicht möglich, glaubt der türkische Nationaltrainer Senol Gunes und sein wohl prominentester Schützling Hakan Sukur vom italienischen AC Parma meint, der Ball wechsele leicht seine Richtung. Daraufhin diagnostizierte die türkische Tageszeitung "Hürriyet" bereits eine "Ball-Panik" im eigenen Land.

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