Fiat strebt führende Rolle im Versicherungsmarkt an: Italienische Versicherer planen Dreierfusion

Fiat strebt führende Rolle im Versicherungsmarkt an
Italienische Versicherer planen Dreierfusion

Die beiden Versicherer Toro und Fondiaria sind sich über eine Fusion bereits einig. Die Sai zögert dagegen noch. Gelingt die Dreierfusion, entstünde Italiens zweitgrößte Assekuranz.

MAILAND. Der aktuell heißeste Deal in der europäischen Versicherungslandschaft kommt in seine entscheidende Phase. Marktbeobachter rechnen damit, dass in den kommenden Tagen oder Wochen drei italienische Assekuranzen - Toro, SAI (beide Turin) und Fondiaria (Florenz) - ihren Zusammenschluss bekannt geben werden. Durch die Dreierfusion entstünde hinter Branchenführer Generali die zweitgrößte Versicherung Italiens. Die Kontrolle über das verschmolzene Unternehmen würde Fiat ausüben. Der Mischkonzern aus Turin besitzt 100 % von Toro und hält indirekt über seine Stromtochter Montedison 24,3% der Fondiaria.

Als erster der Beteiligten hat sich gestern der Fondiaria-Vorstandschef Roberto Gavazzi öffentlich für eine solche Lösung ausgesprochen: "Wir sind alle drei für den europäischen Markt in fünf oder zehn Jahren zu klein. Wir könnten sowohl mit Toro als auch mit Sai zusammengehen - ich aber würde einer Fusion aller drei Gesellschaften den Vorzug geben", sagte Gavazzi in einem Zeitungsinterview.

Deckungsgleich soll nach Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen die Sichtweise bei Fiat sein. Kein Wunder, würde der Turiner Konzern gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens stiege entsprechend der Unternehmensstrategie das Gewicht der Dienstleistungen. Zweitens würde das größte Unternehmen des Landes seine Machtposition in der wichtigsten Investmentbank Italiens, Mediobanca, stärken. Sowohl SAI als auch Fondiaria besitzen Aktienpakete an dem geheimnisumwitterten Mailänder Institut. Die Anteile würden im Falle einer Dreierfusion der Einflusssphäre Fiats zufallen, was die Architektur der verwobenenen italienischen Hochfinanz durcheinander wirbeln würde. Mediobanca hält zahllose Beteiligungen; unter anderem kontrolliert das Haus mit einer Quote von nur 14 % Europas drittgrößten Versicherer, Generali.

Mediobanca will Machtzuwachs von Fiat verhindern

Während Fiat und Fondiaria auf den Abschluss des Dreiecks-Geschäftes drängen, zögert die SAI-Führungsspitze. Die Familie Ligresti, die das Unternehmen mehrheitlich kontrolliert, will ihre Unabhängigkeit nicht verlieren. Außerdem lobbyiert die mit ihr eng verbundene Mediobanca gegen die Lösung, da sie jeden Machtzuwachs von Fiat verhindern möchte. SAI ist aber in der Zwickmühle. Willigt die Assekuranz nicht ein, droht sie einen Betrag von 258 Mill. Euro zu verlieren. Daher spricht aus Sicht des Versicherungsanalysten Andrea Crepaz vom Wertpapierhandelshaus Caboto in Mailand alles für ein Einlenken der Ligresti: "Es geht um zu viel Geld. In Italien sind in derlei Fällen immer Lösungen gefunden worden, die alle Beteiligten zufrieden stellen." Angeblich haben sich Fiat und Fondiaria bereits über die Eckpunkte der Fusion geeinigt: gut informierten Kreisen zufolge soll der in Finanzkreisen hochgeschätzte Fondiaria-Chef Gavazzi Chef des neuen Unternehmens werden. Außerdem werde Toro auf die Fondiaria verschmolzen, die dadurch ihre Identität beibehielte.

Der Deal hätte für Italiens Versicherungsmarkt eine überragende Bedeutung. Toro ist mit einem Marktanteil von 5,5 % viertgrößte Assekuranz des Landes. In der Rangliste folgen Sai (5,2 %) und Fondiaria (4,8 %). Gemeinsam würden sie sich hinter Generali (21,6 %) auf den zweiten Platz katapultieren. Das kombinierte Prämienaufkommen lag 2000 bei 11,3 Mrd. Euro. Gavazzi glaubt, Synergien in Höhe von insgesamt 500 bis 600 Mill. Euro heben zu können.

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