Fieberhafte Bemühungen um Waffenruhe nach Terroranschlag
Feuergefecht im Gazastreifen verschärft Spannungen

Ein Feuergefecht zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern hat wenige Tage nach dem Terroranschlag von Tel Aviv die explosive Lage im Nahen Osten verschärft. Nach israelischen Angaben wurde ein Soldat leicht verletzt.

ap JERUSALEM. Nach palästinensischen Angaben hatten die Israelis, nach israelischen die Palästinenser das Feuer eröffnet. Diplomaten aus mehreren Ländern, darunter Bundesaußenminister Joschka Fischer, bemühten sich unterdessen fieberhaft darum, eine weitere Eskalation des israelisch-palästinensischen Konflikts abzuwenden.

Unter dem Eindruck einer massiven israelischen Vergeltungsdrohung rief der palästinensische Präsident Jassir Arafat zu einem Waffenstillstand auf, dessen Befolgung militärische Führer seiner Fatah und der radikalen Hamas am Montag zusagten. Die Hamas übernahm die Verantwortung für den Bombenanschlag vor einer Discothek am Freitag, bei dem ein Selbstmordattentäter 20 junge Israelis mit in den Tod riss. Die von Syrien unterstützte Volksfront für die Befreiung Palästinas erklärte allerdings, sie werde den Kampf mit allen Mitteln fortsetzen.

Nach Angaben palästinensischer Kreise spielte Fischer bei den Bemühungen um eine zumindest zeitweise Entspannung eine wichtige Rolle. Fischer überbrachte am Samstag Arafat eine israelische Botschaft mit der Androhung schwerster Luftangriffe vor allem gegen die Infrastruktur der Autonomiebehörde. Der palästinensische Präsident rief danach erstmals in dem seit acht Monaten anhaltenden Konflikt seine Landsleute dazu auf, eine Waffenruhe einzuhalten.

Fischer verlängert Aufenthalt

Fischer verlängerte seinen Aufenthalt in Israel und Palästina und traf am Sonntagabend in Ramallah zum zweiten Mal mit Arafat zusammen. Zuvor war er beim israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gewesen. Fischer erklärte, zur Vermeidung einer tragischen Konfrontation müsse die palästinensische Seite ohne Wenn und Aber die Sicherheitskooperation mit Israel wieder aufnehmen. Es sei sein Eindruck, dass die Palästinenser dies verstanden hätten. "Es ist gelungen, bisher zwei Tage Zeit zu gewinnen", sagte er.

US-Außenminister Colin Powell sagte eine Mittelamerikareise ab, um sich ausschließlich der Lage in Nahost zu widmen. Im Fernsehsender CNN forderte er Arafat auf, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der EU-Nahost-Gesandte Miguel Moratinos begann eine Pendeldiplomatie zwischen beiden Konfliktparteien.

Scharon bezeichnet Zurückhaltung als Stärke

Nach Arafats Waffenstillstandsaufruf wurden bis Montag noch sechs palästinensische Angriffe gemeldet, darunter ein Mörserangriff auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen. Es gab keine Verletzten. Das war ein drastischer Rückgang der täglichen Gewalt, die israelische Regierung war damit aber noch nicht zufrieden. Kabinettsminister Danny Naveh sagte, Arafat habe nicht mehr viel Zeit, einen Vergeltungsschlag abzuwenden. Scharon widersetzte sich unterdessen wachsendem innenpolitischen Druck, Rache zu üben: "Auch Zurückhaltung ist Stärke", sagte er nach einem Besuch verletzter Anschlagsopfer.

Der 22-jährige Attentäter, der aus Kalkilja im Westjordanland stammt, wurde von der Hamas als Held bezeichnet. Er hatte am späten Freitagabend eine an seinem Gürtel befestigte Bombe gezündet. Neben 21 Todesopfern forderte die Explosion 90 Verletzte. 14 Opfer wurden am Sonntag in einer Reihe auf einem Tel Aviver Friedhof beerdigt. Seit Beginn der Kämpfe im vergangenen September fielen 108 Israelis und 484 Palästinenser der Gewalt zum Opfer.

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