Fifa entscheidet über Ronaldo-Tor
Tor am grünen Tisch

Eigentor oder Ronaldos Treffer? Am Freitag entscheidet die Fifa, wer als offizieller Torschütze des 0:1 im Spiel Costa Rica gegen Brasilien zu gelten hat. Es wäre Ronaldos viertes Tor und würde ihn auf Platz 2 der Torjägerliste - direkt hinter Miroslav Klose - hieven.

dpa SUWON. Lausbubengesicht Ronaldo strahlte auf dem Platz wie lange nicht mehr, doch bei der Jagd auf Miroslav Klose hörte der Spaß auf. Nach Brasiliens begeisterndem 5:2 (3:1)-Sieg über Costa Rica reklamierte der zum 2:0 erfolgreiche Torjäger auch den Führungstreffer für sich. Sollte der Fußball-Weltverband (FIFA) das 1:0 doch nicht als Eigentor von Luis Marin werten, würde Ronaldo mit vier WM-Treffern nur noch ein Tor hinter dem bisher führenden Kopfball-Spezialisten aus Kaiserslautern liegen.

"Das Tor gehört mir, ich denke, das wird die FIFA ändern", stellte der 25-Jährige nach der Partie kategorisch fest. "Die FIFA sagt immer klipp und klar, dass es derjenige bekommt, der zuerst auf das Tor schießt. Ich habe den Ball vor dem Verteidiger berührt", schilderte Ronaldo die Szene aus der 10. Minute, als er gemeinsam mit Marin in eine Hereingabe von Edilson gegrätscht war. Die FIFA will ihre Entscheidung am Freitag fällen.

Noch vor einigen Tagen hatte der zwei Jahre lang mit Knieproblemen kämpfende Ronaldo erklärt, er wolle wie Jairzinho 1970 in jedem Spiel ein Tor erzielen. Doch er betonte erneut, es gehe ihm nicht um die Torjägerkrone. "Ich will weiter Tore schießen und Brasilien helfen, zu siegen. Es fehlt mir nicht mehr viel zu meiner alten Form", betonte die tragische Figur des WM-Finales 1998.

Die Freude war Ronaldo vor dem 2:0 in der 13. Minute anzusehen. Erst grinste er seinen kongenialen Partner Rivaldo an, bevor er dessen Eckball annahm, Costa Ricas Abwehr austanzte und ins kurze Eck einschoss. Brasiliens ansehnliche Fan-Kolonie hinter dem Tor ließ die Samba-Trommeln danach genauso schwungvoll erklingen und sorgte für die richtige Stimmung auf den Rängen.

Das Tor des Tages und bisher schönste bei der WM erzielte allerdings Reservist Edmilson mit einem Seitfallzieher (38.). Paulo Wanchope, dessen Schuss der Leverkusener Lucio noch abfälschte (40.), und Ronald Gomez (56.) ließen Costa Rica zwischenzeitlich vom Achtelfinale träumen, doch dann zogen die Brasilianer wieder an. Rivaldo (62.) und Roberto Carlos' überragender Vertreter Junior (64.) sorgten für klare Verhältnisse und den Gruppensieg.

Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari wollte von der Favoritenrolle dennoch nichts wissen. "Wir haben noch gar nichts gewonnen", meinte der 53-Jährige und zog bei seiner Analyse immer wieder kritisch die Augenbrauen hoch. "Wir wissen, dass uns die anderen als Favorit sehen, aber ich sage meinen Spielern, dass sie bescheiden bleiben sollen. Auch Brasilien macht Fehler", warnte Scolari. Das sensationelle Aus von Frankreich und Argentinien bestärkte ihn nur in seiner vorsichtigen Einschätzung.

Zur torreichsten WM-Partie seit dem deutschen 8:0-Kantersieg über Saudi-Arabien trug jedoch auch Costa Rica bei. Der Mannschaft des aus Brasilien stammenden Trainers Alexandre Guimaraes fehlte dabei die Kaltschnäuzigkeit, um wie 1990 ins Achtelfinale einzuziehen. Damals war Guimaraes noch als Spieler dabei. "Ich bin einerseits traurig, dass wir nach Hause fahren müssen, andererseits sehr stolz und extrem glücklich über unsere Spielweise", sagte der 42-Jährige, dessen Vertrag ausläuft. "Wir haben eine große Zukunft", meinte Guimaraes. Ob er dazu beitragen darf, ist jedoch offen.

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