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Fifa erwägt Übernahme der Vor-Eröffnung bei WM

Der Weltverband Fifa wird möglicherweise die Vor-Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Deutschland am 8. Juni 2006 in Berlin offiziell unter seine Regie nehmen.

dpa BERLIN. Der Weltverband Fifa wird möglicherweise die Vor-Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Deutschland am 8. Juni 2006 in Berlin offiziell unter seine Regie nehmen.

Entsprechende Gespräche laufen derzeit zwischen der Fifa, der Bundesregierung und der Veranstaltungsagentur von Kultur-"Macher" André Heller. Das bestätigte Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, der dpa. "Es wäre nach den 64 WM-Spielen die 65. offizielle Veranstaltung der Fifa in einem Stadion", sagte Niersbach. Ursprünglich hatte der Weltverband eine zweite Veranstaltung als Konkurrenz zur offiziellen Weltmeisterschafts-Eröffnung am 9. Juni in München abgelehnt.

Die Bundesregierung wollte einen Tag vor dem Eröffnungsspiel eine große Show mit internationalen Stars im Berliner Olympiastadion veranstalten. Zur Finanzierung wurden bereits 22 Mill. Euro aus dem Bundeshaushalt 2005 und 2006 bereitgestellt, die über den Verkauf einer vom Bundeskabinett beschlossenen 100-Euro-Goldmünze refinanziert werden sollen. Geht der Pre-Event in die Regie der Fifa, würden auch die Rahmen-Bedingungen des Verbandes in allen Bereichen (Marketing, Sponsoren, Logen) übernommen. Ob sich die Bundesregierung dann an einer Finanzierung beteiligt, gilt als offen.

Die Vor-Eröffnung soll auch wie geplant stattfinden, sagte die Sprecherin des Bundesinnenministeriums, Gabriele Kautz, und ergänzte: "Über die Rahmenbedingungen sind wir mit der Fifa und dem Organisationskomitee im Gespräch." Niersbach verwies auf die Tradition von Auftaktveranstaltungen. Die Berliner Feier habe bei der WM 1998 in Paris auf den Champs Elysées und bei der WM 2002 im Hafen von Seoul ihre Vorgänger gehabt. "Neu ist nur, dass es jetzt in einem WM-Stadion stattfinden soll", sagte Niersbach und unterstrich: "Für München mit der offiziellen WM-Eröffnung ändert sich gar nichts."

Engelbert Nelle, 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), berichtete im "Deutschlandfunk" über Hintergründe: "Die Fifa hat gemurrt und sich energisch gegen eine staatliche Veranstaltungsform ausgesprochen." Bundesinnenminister Otto Schily, der von Anfang an die Vor-Eröffnung in Berlin voran getrieben hatte, sei bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung auf diese Neuordnung hingewiesen worden, sagte Nelle.

Ein Problem sei laut Niersbach noch der Zeitfaktor. Im Berliner Olympiastadion, der größten WM-Arena, findet am 12. Juni, also vier Tage nach der geplanten Vor-Eröffnung bereits die erste Vorrunden-Partie statt, möglicherweise sogar mit Beteiligung der deutschen Mannschaft. Eventuell müsste in dieser Zeit sogar ein neuer Rasen verlegt werden. Ein Sprecher der ZDF-Sportredaktion erklärte, Chefredakteur Nikolaus Brender habe bereits Interesse an einer Live-Übertragung des Events angemeldet.

"Die 22 Mill. Euro, die der Bund für eine Selbstdarstellung von Rot-Grün ausgeben wollte, sollten jetzt für wichtige sportliche Belange, wie Dopingbekämpfung und-prävention, für Behindertensport und zur Abwendung der Unterfinanzierung der sportwissenschaftlichen Institute, ausgegeben werden", forderte der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert. Der Politiker wies darauf hin, dass die Fifa mit der Großveranstaltung Lizenz- und Marketingerlöse erzielen wolle. Dies hätte der Bund aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht umsetzen können.

"Herr Riegert sollte endlich beachten, dass es nicht um parteipolitische Interessen geht", erklärte OK-Vize Niersbach. Das Organisationskomitee wolle keine Differenzen zwischen Berlin und München oder zwischen Bund und Ländern: "Es geht allein darum, eine Top-WM mit einer Top-Stimmung auszurichten."

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