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FIFA feiert - Orden für Beckenbauer und Netzer

Paris (dpa) - Mit der Verleihung des «Jahrhundert-Verdienstordens» für Franz Beckenbauer und Günter Netzer hat in Paris der Weltverband FIFA seinen Jubiläumskongress eröffnet.

Zum Auftakt der 100-Jahr-Feier im «Carrousel du Louvre» würdigte FIFA-Präsident Joseph Blatter den «Kaiser» als herausragende Persönlichkeit der Fußball-Geschichte. Netzer wurde als Vorstandsmitglied des Rechtevermarkters Infront für die Vermarktungserfolge der WM 2002 und 2006 mit der eigens für die Geburtstagsfeier kreierten Plakette ausgezeichnet.

In der einer Oscar-Verleihung ähnelnden Zeremonie wurde Beckenbauer zudem gemeinsam mit Brasiliens Idol Pele, der wegen einer Augenoperation nicht in Paris war, in der Kategorie «Spieler des Jahrhunderts» ausgezeichnet. Insgesamt gab es 16 Auszeichnungen für Personen oder Institutionen. Danach machte sich die Vollversammlung auf den Weg ins «Stade de France» zu den Jubiläumsspielen der deutschen Weltmeisterinnen gegen eine Weltauswahl sowie dem Männer- Klassiker zwischen Rekord-Weltmeister Brasilien gegen Frankreich.

«Ein solches Jubiläum drängt geradezu, auf die vergangenen 100 Jahre zurückzuschauen, darüber nachzudenken, was alles geschehen ist - und ob der richtige Weg eingeschlagen worden ist», meinte Blatter zum Auftakt der zweitägigen Vollversammlung - und lieferte die Antwort gleich mit: «Daran zweifle ich keineswegs. Die FIFA hat sich von einem kleinen Verband zu einer bedeutenden Institution entwickelt, deren Stimme Gehör geschenkt wird.»

Blatters Aussagen werden von Zahlen unterstützt, die den Wandel von der europäisch geprägten Fußball-Interessensgemeinschaft zum modernen «Global Player» mit jährlich dreistelligen Millionenumsätzen belegt. Von sieben Ländern - Belgien, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien - am 21. Mai 1904 in Paris gegründet, zählt die FIFA inzwischen 204 Verbände und hat damit mehr Mitglieder als die Vereinten Nationen. Vier weitere Verbände werden im Rahmen des Jubiläums vom Kongress aufgenommen.

Mit den Aufgaben wuchs auch der Verwaltungsapparat des Weltverbandes im vergangenen Vierteljahrhundert rapide an. «Als ich 1975 zur FIFA stieß, war ich der elfte Mitarbeiter», erinnerte sich Blatter. Heute stehen über 200 Kräfte auf der FIFA-Gehaltsliste. Erst kürzlich erfolgte in Zürich der Spatenstich für eine neue Verbandszentrale, weil die alte aus allen Nähten platzt.

So gerne sich der jüngst von Frankreichs Staatschef Jacques Chirac gar zum «Ritter der Ehrenlegion» ernannte Blatter in diesen Tagen feiert und feiern lässt: In der historischen Bedeutung der acht FIFA-Präsidenten nimmt der Schweizer allenfalls einen guten Mittelfeldplatz ein. Größeren Anteil an der blühenden Entwicklung des Verbandes hatten Jules Rimet und Joao Havelange. Der Franzose war zwischen 1921 und 1954 33 Jahre lang im Amt und erweckte die FIFA nach dem ersten Weltkrieg zu neuem Leben, als nur noch 20 Verbände zum Mitgliederkreis gehörten. Rimet realisierte auch 1930 in Uruguay den lang gehegten Traum einer Weltmeisterschaft.

Mit der Wahl des Brasilianers Havelange begann 1974 die moderne Zeitrechnung der FIFA. Der erste nichteuropäische Vorsitzende trieb die Universalität des Fußballs voran und trimmte den Weltverband zu einem hochprofitablen Wirtschaftsunternehmen. Mit den zusätzlichen Mitteln förderte Havelange den Fußball speziell in den Entwicklungsländern - eine Aufgabe, die sein Ziehsohn und Nachfolger Blatter nach dem Wachwechsel 1998 noch forcierte.

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