FIFA-Finanzchef weist Vorwürfe zurück
Blatter fordert Solidarität

Joseph Blatter gibt nicht auf und fordert im Kampf um seine Wiederwahl die Solidarität der Mitglieder ein. Der FIFA-Finanzchef Urs Linsi hat sich gegen den Vorwurf unlauterer und geschönter Finanzierungsmethoden zur Wehr gesetzt.

dpa ZÜRICH. In einem Brief an alle Mitgliedsverbände appellierte der umstrittene FIFA-Boss zweieinhalb Wochen vor dem Wahlkongress am 29. Mai in Seoul "an Ihr Urteilsvermögen und ihr Vertrauen, das Sie mir seit mehr als einem Vierteljahrhundert entgegenbringen, sowie an Ihre Solidarität". Die Vorgänge der vergangenen Wochen nannte Blatter "einfach unglaublich". Am Freitag hatten fünf Vizepräsidenten und sechs weitere Mitglieder des 24-köpfigen Exekutivkomitees Blatter vor einem Zürcher Gericht verklagt.

Dem 1998 gewählten FIFA-Präsidenten war von Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen Amtsmissbrauch, Korruption, Betrug und Misswirtschaft vorgeworfen worden. Prominenteste Kläger sind Lennart Johansson, schwedischer Präsident des europäischen Dachverbandes UEFA, und der afrikanische Verbandschef und Blatter-Gegenkandidat Issa Hayatou aus Kamerun. "Ich danke der Mehrheit des Exekutivkomitees, die sich dieser Aktion nicht angeschlossen haben und stelle fest, dass es sich bei meinen Gegnern im Exekutivkomitee um eine Minderheit handelt...", erklärte Blatter dazu in einer Stellungnahme.

Den nationalen Verbänden verspricht der Schweizer Aufklärung. "Ich werde zu all diesen Lügen in den nächsten Tagen öffentlich Stellung nehmen und in einem Schreiben an Sie die Vorwürfe Punkt für Punkt widerlegen und die Wahrheit ans Licht bringen", kündigte Blatter in seinem Brief an. "Bis jetzt kennen Sie erst die eine Sicht der Dinge." Er wolle sich für die detaillierte Stellungnahme zu den "ungeheuerlichen Anschuldigungen" die erforderliche Zeit nehmen.

Unterstützung kam unterdessen von FIFA-Finanzchef Urs Linsi, der sich gegen den Vorwurf der unlauteren und geschönten Finanzierungs- Methoden zur Wehr setzte. Der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag" sagte er, die Finanzkommission sowie die Rechnungsprüfer des Unternehmens KPMG seien sich einig, dass die Rechnungslegung in Ordnung sei. Man stehe auch dazu, 336 Millionen Franken (230 Millionen Euro) aus den Einnahmen für die WM 2006 in Deutschland schon vereinnahmt zu haben und erkenne darin "keine unstatthafte Vorkehrung".

Jede Budgetabweichung sei erklärt, genehmigt und ratifiziert worden, und die Protokolle seien vom Generalsekretär Michel Zen- Ruffinen unterzeichnet und an die Mitglieder des Exekutivkomitees verteilt worden. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagte Linsi zu den Vorwürfen von Zen-Ruffinen.

Die "NZZ am Sonntag" veröffentlichte auch die Faksimile des angeblich umstrittenen Schecks an das russische Exekutivkomitee- Mitglied Wjatscheslaw Koloskow in Höhe von 50 000 US-Dollar (26 000 Euro). Zen-Ruffinen hatte diesen Scheck bei seinen Vorwürfen gegen Blatter als Beleg für dessen Korruption angeführt. Der in der "NZZ" abgebildete Scheck zeigt auch die Unterschriften von Linsi und Zen- Ruffinen. "Den betreffenden Scheck habe ich tatsächlich mitunterschrieben, allerdings in erster Linie aus Loyalität gegenüber dem Präsidenten", sagte Zen-Ruffinen.

"Gewisse Personen - Sie wissen sicher, wen ich meine - scheuen einen regulären Wahlkampf, der mit dem Profil, dem Leistungsausweis und dem Programm der Kandidaten entschieden wird", sagte Blatter. "Damit ein Gegenkandidat überhaupt Wahlchancen hat, tut man alles, um vor der eigentlichen Wahl meinen Ruf und meine Ehre in den Schmutz zu ziehen und, wie sich jetzt offenbart, gar einen Rückzug meiner Kandidatur zu erzwingen."

Aber der Schweizer denkt nicht an Aufgabe. "Mein Wille steht fest, und die jüngsten Ereignisse haben mich in meiner Entschlossenheit nur noch weiter bestärkt. Die FIFA und der Fußball stehen nach wie vor im Mittelpunkt meines Lebens", schreibt Blatter, "daran wird sich nichts ändern." "Was wirft man mir vor? Dass ich zu viel arbeite?" Blatter: "Hinter dieser Kritik verbirgt sich die Frustration all jener, denen mein aktiver, zielstrebiger und engagierter Führungsstil missfällt."

Die Entscheidung liege allein beim Kongress, hatte der FIFA-Boss vorher erklärt, die persönliche Kritik lasse ihn unbeeindruckt. Den Mitgliedern des Exekutivkomitees schrieb Blatter, dass er fest entschlossen sei, "die FIFA mit Stolz und Ehre in ihr zweites Jahrhundert zu führen".

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