FiFa vermarktet WM im Netz
Weltweit über 500 Millionen Internet-Nutzer

Größte private Nutzergruppe stellen die 35- bis 49-Jährigen dar. Live-Fußball während der WM ist im Netz praktisch nicht zu sehen.

Von THOMAS NONNAST

FRANKFURT. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea hätte eigentlich die Stunde des Internets schlagen müssen. Während gestern die Deutsche Nationalmannschaft gegen Kamerun kickte, saßen Millionen von Fans am Computer im Büro. Doch mangels Übertragungsrechten sucht man im Netz vergeblich nach Live-Streams der WM. Sogar auf den Seiten des Weltfußballverbandes Fifa, der zusammen mit dem Internetdienst Yahoo die WM im Netz vermarktet, finden sich nur vierminütige Zusammenfassungen, die erst nach den Spielen bereitstehen. Vorausgesetzt man hat vorher 22,50 Euro für ein WM-Abonnement ausgegeben.

Ein Trost bleibt:Selbst wenn es im Netz Fußball live in Fernsehqualität zu sehen gäbe, dürften es Arbeitnehmer schwer haben, Sportereignisse wie die WM am PC-Bildschirm zu verfolgen. "Die meisten Unternehmen haben die Kanäle für den Empfang solcher Bild-Daten gesperrt", sagt Milan Dolinar, Geschäftsführer des Internet-Marktforschers Netvalue in Deutschland. Die Menge der Daten wäre einfach zu groß. Zudem hat - abgesehen von den technischen Hürden - bei privatem Gebrauch des Internets am Arbeitsplatz ohnehin der Arbeitgeber das letzte Wort.

Doch auch ohne Fußballbilder ist die Zahl der Internetnutzer in den ersten Monaten des Jahres 2002 weiter gewachsen. Rund 530 Millionen Menschen nutzen mittlerweile weltweit das Web, schätzt das Marktforschungsinstitut Nielsen Netratings. In Deutschland verfügten Ende April 32 Millionen Bürger zu Hause über einen Internetzugang. "Das Wachstum an neuen Nutzern hat sich inzwischen sehr stark in den Bereich der Privathaushalte verschoben", sagt Netvalue-Experte Dolinar. Zwischen 300.000 und 500.000 neue Nutzer kommen noch immer pro Monat in Deutschland dazu. Doch aufgrund der immer größer werdenden Basis nimmt der Zuwachs an neuen Nutzern prozentual ab. Das Wachstum liegt nicht mehr bei 25% wie in den vergangenen Jahren, sondern wird 2002 deutlich niedriger ausfallen.

Auch die Zahl von 32 Millionen Nutzern in Deutschland birgt Erklärungsbedarf:So zeigt dieser Wert die gesamte Zahl der Personen, die einen heimischen Internetzugang haben und älter als zwei Jahre sind. "Tatsächlich dürfte aber kaum ein Vierjähriger vor dem Rechner sitzen und im Internet surfen", sagt Dolinar. Deshalb reduziert Netvalue diesen Wert noch einmal auf die Zahl von Nutzern, die das Internet innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen wirklich benutzt haben. So ergibt sich für den Monat April 2002 in Deutschland eine Zahl von 17 Millionen "aktiven Nutzern". Das entspricht knapp einem Viertel der Bevölkerung.

Doch entgegen der vorherrschenden Meinung sind es nicht überwiegend Jugendliche, die im Cyberspace unterwegs sind. Die Messungen von Netvalue haben ergeben, dass die Altersgruppe der zwischen 35- bis 49-Jährigen die größte Abteilung der privaten Nutzer stellt. Nur etwas mehr als ein Viertel der deutschen Surfer ist jünger als 24 Jahre.

Zu den beliebtesten Seiten gehört neben den Angeboten der Zugangsanbieter wie T-Online, AOL, Microsoft MSNund Freenet seit einigen Monaten die Suchmaschine Google. Im Frühjahr des vergangenen Jahres rangierte der für Nutzer kostenlose Dienst noch auf Platz13. Inzwischen belegt Google Platz2 hinter T-Online. Wachsender Aufmerksamkeit erfreut sich ebenfalls der Online-Versteigerer Ebay, der den Online-Händler Amazon aus der Liste der erfolgreichsten Seiten verdrängt hat.

Reine Nachrichtenangebote und Seiten von Medienhäusern und Verlagen sucht man unter den Internet-Lieblingen der Deutschen vergeblich. So bleiben selbst die im Minutentakt aktualisierten Reportagen aller WM-Spiele auf der Internseite von Eurosport nur etwas für "echte Fans".

Quelle: Handelsblatt

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