Filialgeschäft effizienter machen
Commerzbank will Arbeitszeit verkürzen

Der Privatkundenvorstand der Commerzbank, Martin Blessing, will die Arbeitszeit im Filialgeschäft von 39 auf 31 Stunden pro Woche senken und die Löhne entsprechend kürzen. Andernfalls müssten bis zu 900 Stellen abgebaut werden. Beim Betriebsrat stößt der Vorschlag auf Vorbehalte.

nw FRANKFURT/M. Die Commerzbank will ihr Filialgeschäft effizienter machen und die Arbeitszeit bei gleichzeitigem Lohnverzicht verkürzen. Betroffen wären 7 500 Mitarbeiter in den rund 725 Filialen der Bank. Das Konzept hat Martin Blessing, seit November 2001 im Vorstand der Bank für das Privatkundengeschäft verantwortlich, gestern dem Gesamtbetriebsrat vorgestellt. Die Arbeitszeit soll von 39 auf 31 Stunden pro Woche und die Gehälter um 20 Prozent reduziert werden. Sonst seien bis zu 900 Arbeitsplätze in Gefahr, sagte ein Sprecher der Bank. Bislang hat die Bank geplant, bis Ende 2003 rund 3 400 der 39 500 Stellen abzubauen.

Blessing will durch die Umsetzung des Modells das Ergebnis um 50 Mill. verbessern. Im Geschäftsjahr 2001 hatte die Sparte Private Kunden einen Verlust in der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 185 Mill. gemacht. Die Verbesserung um 50 Mill. sei bereits Teil des Kostensenkungsprogramms der Bank, das die Gesamtkosten in diesem Jahr wieder auf das Niveau des Jahres 2000 von 5,5 Mrd. senken soll (2001: 5,86 Mrd. ), sagte der Sprecher.

"Das vorgeschlagene Modell kann durchaus sinnvoll sein. Vorausgesetzt einige wichtige Kriterien werden erfüllt", sagte Uwe Foullong, Mitglied des Aufsichtsrats und Finanzfachmann der Gewerkschaft Verdi, nach der gestrigen Diskussion im Betriebsrat. Das Gehalt dürfe prozentual nicht so stark sinken wie die Arbeitszeit, forderte er. Außerdem dürfe es keine Verknüpfung mit erfolgsabhängigen Gehaltskomponenten geben. Dies ist ein strittiges Thema in den laufenden Tarifverhandlungen. Verdi lehnt es ab, Schalterangestellte und Kundenberater nach Verkaufserfolg zu bezahlen. Dies ist eine Forderung der Bankarbeitgeber.

Die Warnung der Bank, bei Nicht-Umsetzung des Modells stünden 900 Arbeitsplätze auf dem Spiel, kritisiert Foullong als "Verunsicherung der Belegschaft". Dies sei "Misswirtschaft" des Vorstands, der kurz nach Trocknen der Tinte unter dem Sozialplan schon über weiteren Stellenabbau nachdenke.

Der Tarifvertrag für Banken hat eine Öffnungsklausel, die es den Finanzhäusern ermöglicht, in Betriebsvereinbarungen die Arbeitszeit von 39 auf 31 Stunden pro Woche zu reduzieren. Diese Möglichkeit ist allerdings befristet bis zum 31. Dezember 2003. Die Commerzbank wolle für ihr Modell der Arbeitszeitverkürzung im Filialgeschäft aber eine längere Laufzeit, sagte Foullong. Dies lehne der Gesamtbetriebsrat ab.

Das Management der Deutschen Bank führe zurzeit Gespräche mit dem Betriebsrat über eine Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeitverkürzung, sagte gestern eine Sprecherin der Bank. "Das Ergebnis steht noch nicht fest, daher wollen wir zu Details noch nicht Stellung nehmen." Die Hypo-Vereinsbank hingegen hält nichts von einer generellen Arbeitszeitverkürzung. Es sei unter sozialen Gesichtspunkten vernünftiger, individuelle Teilzeitmodelle zu vereinbaren, sagte ein Sprecher. In der Hypo-Vereinsbank AG arbeiteten 20 Prozent der 23 000 Mitarbeiter Teilzeit. Das Gehalt werde proportional zur Arbeitszeit gekürzt.

Quelle: Handelsblatt

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