Filialgeschäft sträflich vernachlässigt
Das Duell: Commerzbank gegen HypoVereinsbank

Welches der angeschlagenen Finanzpapiere bietet die bessere Perspektive?

Der Bankenmarkt

hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Zuge der Globalisierung dramatisch gewandelt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Kreditinstitute in erster Linie Kredite vergaben und Einlagen verwalteten. Das Fusionsgeschäft, der Eigenhandel mit Wertpapieren, die Begleitung von Neuemissionen am Aktien- wie am Anleihemarkt hat enorm an Bedeutung gewonnen. Die neuen Geschäftsfelder bescherten den Banken bis ins Jahr 2000 hinein dank der boomenden Kapitalmärkte hohe Gewinnzuwächse. Doch seit vergangenem Jahr ist alles anderes. Nicht nur, dass die Erträge aus den neuen Geschäftsfeldern wegbrechen. Es zeigt sich auch, dass besonders die deutschen Banken ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Das Filialgeschäft, die Pflege des traditionellen Privat- und Firmenkunden, ist sträflich vernachlässigt worden. Deutschland gilt als "overbanked" - zu viele Institute mit zu viel Filialen. Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, HypoVereinsbank sowie die Genossenschaftsbanken und Sparkassen betreiben rund 21 000 Filialen. Die hohen Kosten dafür und extreme hohe Gehaltszahlungen an zum Teil beschäftigungslose Investmentbanker ließen die Gewinne 2001 um bis zu 99 Prozent (Deutsche Bank) einbrechen. Die Dresdner schrieb sogar rote Zahlen. Für 2002 ist keine Besserung in Sicht. Die Finanzmärkte sind schwach und dürften dies auch bleiben. Geplante Filialschließungen und Entlassungen verursachen zunächst einmal Aufwendungen. Auf Deutschland rollt zudem eine Pleitewelle mit Rekordinsolvenzen von 40 000 Unternehmen zu. Holzmann, Kirch & Co. schlagen heftig ins Kontor, das trifft beide Banken gleichermaßen -

neutral.



Die Strategie:

Die HypoVereinsbank versteht sich als Regionalbank für Europa, die im Immobiliengeschäft und der Vermögensverwaltung ihre Kernkompetenzen sieht und sich hier als so genannte fokussierte Universalbank den Unternehmens- und Privatkunden anbietet. Die Commerzbank hat in den vergangenen Jahren über Minderheitsüberkreuzbeteiligungen mit spanischen und italienischen Finanzdienstleistern versucht, sich eine europäische Perspektive zu eröffnen. Eine Strategie, die gescheitert ist. Die Finanzierung des Mittelstandes sowie das Privatkundengeschäft stehen bei der Commerzbank im Mittelpunkt. Bei ihr ist derzeit keine strategische Ausrichtung zu erkennen. Die HypoVereinsbank hat mit der europäischen Regionalbankperspektive ein deutlicheres Gesicht, der angeblich klar definierte Fokus fehlt aber auch ihr. Dennoch Vorteil:

Hypovereinsbank.



Die Aktien:

2001 brach der Gewinn der Commerzbank von 1,34 Milliarden auf 102 Millionen Euro ein. Die Hypovereinsbank verdiente mit 938 Millionen Euro nur 35 Prozent weniger als im Vorjahr und hält zudem die Dividende konstant (Commerzbank: Halbierung). Die Eigenkapitalrendite nach Steuern lag bei der Hypo für 2001 bei sehr schwachen 6,5 Prozent (Ziel 2003: 15 Prozent). Die Commerzbank brachte es 2001 nur auf eine katastrophale Eigenkapitalrendite von 0,9 Prozent. Wegen der wesentlich höheren Ertragskraft klarer Vorteil:

HypoVereinsbank.



Fazit:

Beide Aktien werden nicht besser als der Markt laufen. HypoVereinsbank-Titel sollten aber zumindest mit dem Dax marschieren.

Quelle: Wirtschaftswoche

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