Film- und TV-Produktionsfirmen
Filmschätze machen sich auf lange Sicht bezahlt

Das Vertrauen in die einstigen Shooting-Stars der Börse scheint verspielt. Die wenigen noch verbleibenden börsennotierten Filmfirmen werden mit einem rapidem Kursverfall abgestraft. Dabei bietet die Branche solide Wachstumschancen - für Anleger mit langen Atem. Denn gute Filme sind auch in Jahrzehnten noch wertvolles Kapital.

DÜSSELDORF. Von ganz links oben nach ganz rechts unten - die Verläufe der Aktienkurse deutscher Filmfirmen ähneln einer Rutschbahn. Für viele Anleger scheint der Film jetzt aus zu sein: Durch die Reihe lieferten die Produzenten und Filmhändler in den vergangenen Tagen wegen hoher Verlust-Abschreibungen enttäuschende Halbjahresergebnisse. Obwohl die Kino-Besucherzahlen auch in diesem Jahr weiter steigen und die Umsätze an der Kinokasse in neue Rekordhöhen klettern. Doch die Banken machen für die Finanzierung neuer Filmprojekte dicht. "Das Wohl der Filmindustrie hängt zusätzlich von den TV-Sendern ab", sagt Bernd Müll, Analyst bei der DZ Bank. "Dem können sich auch die großen Filmfirmen wie Constantin Film oder Senator Entertainment nicht entziehen." Wegen sinkender Werbeeinnahmen wollen die Sender, wichtige Verwertungspartner der Filmfirmen, nur noch wenig Geld für neue Streifen ausgeben. Die Verwertung im Fernsehen kalkulieren die Unternehmen von Anfang mit ein: Mindestens 60 % der Produktionskosten kommen aus TV-Rechten.

Die Münchener Internationalmedia (IM), einst viel gelobter Filmprojekt-Entwickler und Lizenzgeber, steht besonders im Rampenlicht. Nach einer Gewinnwarnung vor einigen Tagen verkam der Neue Markt-Wert zu einem Penny Stock. Der neue Harrison Ford-Streifen "K 19" floppte in den US-Kinos. Der Vorstand wollte keine Auskunft geben, ob IM zum Jahresende noch ein positives Ergebnis erreichen könne. Prompt rutschte der Kurs auf rund 80 Cent. Vor zwei Jahren hatten Anleger noch 40 Euro pro Aktie hinblättern müssen. An der Börse wird der Filmproduzent zur Zeit nur noch mit einem Zehntel des Firmen-Umsatzes bewertet.

"Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der Kurs noch deutlich fällt", schätzt Thomas Grillenberger von der Bayrischen Landesbank. Zwar gehe auch er in diesem Jahr von einem Verlust von 23 Mill. Euro aus. Doch bewertet Grillenberger die Aktie mit "neutral". Denn der Hoffnungswert heißt "Terminator 3", der im nächsten Jahr starten soll. Ab einem Einspielergebnis von 120 Mill. $ in den amerikanischen Kinos könne IM mit dem Arnold Schwarzenegger-Film Geld verdienen. Die Münchener könnten nach Schätzung des Bayern LB-Experten in 2003 wieder einen leichten Gewinn erzielen. Zu diesem Zweck plant IM-Vorstand Caspar von Blomberg zur Zeit ein groß angelegtes Reorganisationsprogramm. Mit geringeren Verwaltungskosten, neuen Filmfinanzierungsformen für Privatinvestoren und einem schlankeren internationalen Filmvertrieb soll die Rendite wieder wachsen.

Allerdings ist es auch für versierte Branchen-Analysten schwierig, die Geschäftsentwicklung der Filmproduzenten treffsicher vorherzusagen. Die Abhängigkeit der Branche von kreativen Kassenschlagern ist zu groß, um verlässliche Planzahlen zu liefern. Über die Jahre hinweg sind die Ergebnisse der Glamourbranche meist volatil. Film-Analyst Grillenberger rät deshalb: "Nur auf lange Sicht investieren und Firmen auswählen, die in der Vergangenheit relativ erfolgreich waren." Denn der Wert einer guten Filmbibliothek, wie sie das US-Studio MGM besitzt, ist über Jahrzehnte hinweg unbezahlbar. Ein Filmstock mit attraktiven Kassenschlagern, wie ihn auch die Constantin Film aufbaut, trägt langfristig Früchte.

Die Constantin-Aktie gilt bei den meisten Analysten als besonders aussichtsreich und am stärksten unterbewertet. "Constantin war in den letzten Jahren der erfolgreichste Produzent und Verleiher", sagt Bayern LB-Analyst Grillenberger. Um die Kosten der Filmproduktionen besser unter Kontrolle zu haben, nehmen die großen Filmfirmen immer früher Einfluss auf die Produktionen. Sie reden bereits mit, wenn es um Drehbuch und Schauspieler für einen neuen Streifen geht. Auch die Berliner Senator AG hat in den vergangenen zwei Jahren die Finanzierung einiger Projekte neu organisiert. Risiko hier allerdings: Teure Auslandsgeschäfte machen Vorhersagen schwer kalkulierbar.

Phantasie bescheinigen die Analysten der Branche trotzdem. "Hat sich der Markt erst einmal konsolidiert, könnte große Produzenten wie Constantin oder Senator als Gewinner daraus hervorgehen", sagt Karsten Siebert, Analyst bei Independent Research.

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