Filmbranche verdient mit Videos mehr Geld als im Kino
Siegeszug der DVD hält unvermindert an

Der Boom der DVD ist ungebrochen. "Wir gehen von einem weiteren Wachstum aus, das sich frühestens in fünf Jahren abflachen wird", sagt der Warner-Manager und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes audiovisuelle Medien, Jean Hermsen.

DÜSSELDORF. Der Kino-Blockbuster "Herr der Ringe" hat die besten Chancen, einen neuen DVD-Rekord aufzustellen. Beim Internethändler Amazon hat der zweite Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie bereits alle Vorverkaufsrekorde gebrochen. Die Tolkien-Verfilmung hat selbst "Harry Potter" in den Schatten gestellt. Seit Dienstag gibt es "Die zwei Türme" auf DVD auch in Deutschland zu kaufen. Mindestens 3,3 Mill. Stück will Warner Bros., die Film- und Videotochter des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner, davon hier zu Lande verkaufen.

Der Boom der so genannten Digital Versatile Disk, kurz DVD, nimmt vorerst noch kein Ende. "Wir gehen von einem weiteren Wachstum aus, das sich frühestens in fünf Jahren abflachen wird", sagt der Warner-Manager und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes audiovisuelle Medien, Jean Hermsen.

Wie aus der jüngsten Analyse der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervorgeht, die kurz vor der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorgestellt wird, steigerte sich der Umsatz der DVD- und VHS-Bildträger im ersten Halbjahr um 4,2 % auf 632 Mill. Euro - ein neuer Rekord.

Für den Wachstumsschub sorgt insbesondere der Kaufmarkt der Bildträger - DVD und Videokassetten. Mit zweistelligen Steigerungsraten kletterte der Umsatz im ersten Halbjahr auf annähernd 500 Mill. Euro. Hier haben die großen amerikanischen Filmstudios wie Warner, Universal und Disney die Nase vorn. Für die Dynamik sorgt vor allem die DVD. In den ersten sechs Monaten wurden 73 % mehr digitale Bildträger verkauft als noch im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Die krisengebeutelte Unterhaltungselektronik-Branche jubelt. Auch DVD-Player verkaufen sich wie warme Semmeln. Der angestaubte Videorekorder fliegt aus immer mehr Wohnzimmerregalen. Zudem werden die DVD-Abspielgeräte immer billiger. Nach Angaben der GfK kostet ein Gerät im Durchschnitt gerade mal 137 Euro.

Die Hollywood-Studios freuen sich über den Siegeszug der DVD. Der Verkauf der Silberscheiben hat sich zum Schrittmacher der Traumfabrik entwickelt. Mittlerweile setzen die Filmstudios mit dem Verkauf und der Vermietung der Silberscheiben deutlich mehr Geld um als die gesamte Kinobranche in Deutschland. "Auch Warner Bros. macht mit Videos mehr Umsatz als in den Filmtheatern", sagt Warner- Manager Hermsen.

Die Aussichten für dieses Jahr sind blendend. Die GfK prognostiziert der DVD bis Ende des Jahres einen Umsatz in Höhe von 1 Mrd. Euro. Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten. Der Verleih von VHS-Videokassetten geht weiter zurück. Selbst der Aufschwung bei der Vermietung von DVD kann den Umsatzeinbruch nicht verhindern. Wie der Bundesverband audiovisuelle Medien berichtet, reduzierte sich der Umsatz des Videovermietfachhandels um knapp 18 Prozent auf rund 170 Mill. Euro.

Den Videoverleihern macht nicht nur der heiße Sommer einen Strich durch die Rechnung, sondern vor allem das illegale Kopieren von Filmen. In der Branche wird bereits unter Hochdruck an Gegenstrategien gearbeitet. Disney will jetzt die ersten Filme auf DVD aus einem neuartigen Material herausbringen, das die auf der Scheibe gespeicherten Daten nach einer bestimmten Zeit - zum Beispiel 48 Stunden - automatisch unlesbar macht.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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