Filme machen für Kino und TV
Wie wird man eigentlich Drehbuchautor?

"Drehbuchautoren müssen Spaß daran haben, alleine am Schreibtisch zu sitzen." Martin Ritzenhoff, 32, schreibt für Kino und TV, zum Beispiel die Ruhrpott-Komödie "Was nicht passt, wird passend gemacht" stammt aus seiner Feder. Bei Handelsblatt.com erzählt er, wie er zu seinem Beruf gekommen ist.

"Als Jugendlicher war ich in den Ferien oft bei der Aachener "Werkwoche". Das ist eine Jugendorganisation, bei der "musisch-kreative Arbeit" im Mittelpunkt steht: Zeichnen, Theater, Bildhauerei, Videofilme machen. Zuerst war ich Teilnehmer, später Betreuer. Dann habe ich bei der "Werkwoche" meinen Zivildienst gemacht und unter anderem mit den Jugendlichen Videofilme gedreht. Da habe ich gemerkt, dass mir das Spaß macht und auch beruflich etwas für mich sein könnte.

Also habe ich mich in Bochum für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften eingeschrieben - ein sehr akademisches Fach. Mir wurde schnell klar, dass ich, um praktisch zu arbeiten, auf eine Filmhochschule muss. Ich habe mich bei verschiedenen Schulen beworben. Von München bekam ich eine Absage, aber in Ludwigsburg hat es geklappt.

Im ersten Jahr machen alle Studenten alle Fächer: Kamera, Drehbuch, Regie, aber auch Filmtheorie und Produktion. Danach wählt jeder einen Schwerpunkt. Ich entschied mich für Drehbuch.

Um ein Drehbuch zu schreiben, braucht man zunächst mal eine gute Idee. Entweder, man hat sie selbst, oder ein Produzent kommt mit einer Idee auf einen zu. Zum Beispiel: Fans entführen Fußballspieler, um ihn zu zwingen, wieder ordentlich Fußball zu spielen. Das war die Idee zu der Komödie "Fußball ist unser Leben".

Jetzt ist es die Aufgabe des Drehbuchautors, daraus eine Geschichte zu entwickeln, zunächst einmal ein Exposé zu schreiben: Das ist ein Abriss des Films auf ein paar Seiten, auf denen die Geschichte in Kurzform erzählt wird. Dann bespricht man das Exposé mit dem Produzenten. Der sagt vielleicht: "Die Hauptfigur Peter funktioniert nicht, mach Nebenfigur Max zum Protagonisten." Oder: "Der Schluss ist noch nicht gut." Wenn schließlich alle mit dem Exposé zufrieden sind, schreibt man das etwa 20-30 Seiten lange Treatment: Hier wird der Film bereits in einzelnen Szenen erzählt, aber noch ohne Dialoge. Das Ganze geht wieder zurück zum Produzenten. Und dann kommt die erste Drehbuchfassung, mit der sich in der Regel entscheidet, ob der Film gemacht wird oder nicht. Aber selbst, wenn der Produzent grünes Licht gibt, wird die erste Fassung in der Regel noch vier bis acht Mal überarbeitet.

Bei der Auswahl der Regisseure und Schauspieler werde ich zwar um meine Meinung gefragt, aber der Produzent und die Geldgeber (Verleih, Fernsehredakteur) haben dabei das letzte Wort. Bei den Dreharbeiten gehe ich meistens mal für einen Tag vorbei, richtig dabei zu sein hat aber keinen Zweck. Es ist ja auch die Aufgabe des Regisseurs, meine Vorlage zu interpretieren und umzusetzen. Wenn dann zwei am Set rumhampeln, bringt das nichts.



Vorstandsassistent, Pilot, Controller - jede Menge weitere Berufsbilder finden Sie bei >> Junge Karriere.com



Es ist hart, zum ersten Mal den eigenen Film zu sehen. Das ist so ähnlich, wie die Verfilmung des Lieblingsbuchs zu sehen. Nur: Das Drehbuch hat man auch noch selbst geschrieben. Außerdem existiert das Drehbuch nur im Film, ein Roman existiert auch nach der Verfilmung als eigenes Kunstwerk weiter. Selbst, wenn der Film gut geworden ist, ist es hart. Bei "School´s out" - mein erster Film - war die Verfilmung mit etwas Abstand betrachtet wirklich gelungen. Trotzdem habe ich den Regisseur erst mal am Telefon eine halbe Stunde angeschrieen, obwohl das sogar ein guter Freund von mir war. Heute habe ich gelernt, mit Umsetzungen, die anders sind als ich sie mir vorgestellt habe, zu leben.

Drehbuchautoren müssen gut schreiben können, vor allem die Dialoge sind wichtig. Und sie müssen Spaß daran haben, alleine am Schreibtisch zu sitzen und sich Geschichten und Figuren auszudenken. Außerdem müssen sie sich in ihre Figuren einfühlen können. Zum Beispiel: Warum begeht jemand einen Mord? Der Zuschauer wird dem Film später anmerken, ob das Motiv konstruiert oder glaubwürdig ist.

Ich schreibe viele Komödien. Zum einen liegt mir das, zum anderen laufen die im deutschen Kino zur Zeit einfach am besten. Bei Action-Filmen können wir mit den Amerikanern nicht mithalten: Mit 100 Millionen Dollar kann man eben mehr Sachen kaputt machen als mit vier Millionen Euro. Außerdem ist Humor sehr länderspezifisch. Die Franzosen lachen zum Beispiel über völlig andere Dinge als die Deutschen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%