Filmfondsanbieter soll mit Verlusten geworben haben
Steuerfahnder lassen bei Cinerenta nicht locker

Angenommen, ein Auto hat besonders viele Pferdestärken unter der Haube. Niemand würde Anstoß nehmen, wenn der Autohersteller dies in seiner Werbung groß herausstellen würde.

rrl DÜSSELDORF. Bei einem geschlossen Fonds ist dies anders. Wirbt ein Fondsanbieter mit Verlusten, dem hervorstechenden Merkmal vieler Fonds, dann sind die Anleger im Nachteil. Der Fiskus ist dann davon überzeugt, dass der Steuervorteil beim Beteiligungserwerb im Vordergrund steht. Ein Fonds, bei dem der Steuervorteil im Vordergrund steht, ist aber dem § 2b Einkommensteuergesetz (EStG) zufolge ein Steuersparmodell. Und für das gilt, dass Anleger ihre Anfangsverluste nicht mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten (etwa dem lohnsteuerpflichtigen Gehalt) verrechnen können. Auf genau diese Verrechnung kommt es aber den Zeichnern einer solchen Unternehmensbeteiligung an.

Den Verdacht, mit Verlusten geworben zu haben, hegt die Finanzverwaltung in München beim Medienfonds III der Cinerenta Gesellschaft für internationale Filmproduktion mbH in München. Geschäftsführer Eberhard Kayser bestätigt, dass am Mittwoch etwa 50 Fahnder Hausdurchsuchungen bei 15 Vertriebspartnern durchgeführt haben. "Die Berater haben zu Protokoll gegeben, dass sie selbstverständlich nicht mit Verlusten geworben haben", sagt Kayser.

Nach seiner Ansicht treffen für den in den Jahren 1999 und 2000 vertriebenen Fonds die Einschränkungen des § 2b EStG sowieso nicht zu, weil für den Fonds auf Grund einer Übergangsregelung das Recht vor Einführung dieses Paragraphen gilt. Er hätte also mit Verlusten werben dürfen. Darauf habe Cinerenta freiwillig verzichtet, sagt Kayser.

Die Cinerenta hat nicht zum ersten Mal wegen dieses Fonds Ärger mit den Münchner Steuerfahndern. Im September 2001 durchsuchten sie die Geschäftsräume der Cinerenta in München und Potsdam sowie das Münchner Büro der für die Cinerenta tätigen, aber nicht beschuldigten Anwaltskanzlei Haarmann, Hemmelrath & Partner. Grund war der Verdacht, beim Fonds III sei Herstellaufwand für Filme im Jahr 1999 verbucht worden, der erst im Jahr 2000 anfiel. Kayser weist diesen Vorwurf zurück.

Hintergrund: Aufwendungen für die Filmherstellung werden vom Anleger sofort zu 100 Prozent als Verlust geltend gemacht. Je früher der Veranlagungszeitraum, desto früher kommt die Steuerrückerstattung.

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