Filmpreise waren nicht überteuert
ProSiebenSat1-Chef Rohner über Werbeflaute und Fußballrechte

Urs Rohner, Chef der ProSiebenSat1 Media Ag, wertet die börsennotierte Kirch-Tochter als überdurchschnittlich starkes Medienunternehmen.

PST/MKO DÜSSELDORF. Herr Rohner, der Umsatz ging zurück, der Gewinn brach ein, der Hauptgesellschafter Kirch Media ist pleite. Und die Marktaussichten sind trübe. Macht Ihnen Ihr Job noch Spaß?

Keine Sorge, mir macht die Arbeit hier riesigen Spaß. Wir schreiben trotz der Werbeflaute Gewinn. Das unterscheidet uns von vielen anderen Medienunternehmen. Der Werbemarkt ist bislang auch 2002 rückläufig, aber die ProSiebenSat1 Media AG performt besser als der Markt, weil wir starke Marken haben, und innerhalb der Gruppe Konjunkturschwächen ausgleichen können.

Starke Marken? Für ProSieben mag das ja gelten, aber Sat1 macht nur Verlust, und das schon seit 18 Jahren, N24 sendet fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und Kabel 1 nur alte Filme ...

Kabel 1 bringt mehr Ergebnis als die meisten Printunternehmen in Deutschland. 35 Millionen Euro im Jahr sind nicht schlecht für einen Sender, der mit 45 Leuten betrieben wird. Mit einer Umsatzrendite von 16 Prozent kann man gut leben. Zugegeben, Sat1 macht noch Verlust, aber der Sender wird 2003 schwarze Zahlen schreiben und ist für die Senderfamilie extrem wichtig. Sat1 ist eine starke Marke. Wir haben es in diesem Jahr als Gruppe geschafft, unseren Werbemarktanteil auf 47 Prozent auszubauen. Und N24 ist erst zwei Jahre auf Sendung und hat gegenüber jedem anderen Nachrichtensender den ganz großen Vorteil, dass wir mit ihm auch die Nachrichten unserer anderen Sender produzieren.

Sat1 ist Ihr Bundesliga-Sender. Die Liga beschwert sich, dass sie statt der vereinbarten 100 Millionen Euro nur 21 bekam. An wen haben Sie eigentlich die Sat1-Rate für den letzten Spieltag bezahlt?

Wie immer auf das Konto, das uns unser Vertragspartner genannt hat.

Also an die KirchMedia?

Im Moment liegen die Rechte bei der Kirch Media, daran hat sich nichts geändert. Fußball ist ein Produkt, das wir immer geschätzt haben. Und das bleibt auch so. Wir können es nur von dem kaufen, der die Rechte hat.

Wo liegt beim Preis Ihre Schmerzgrenze?

Sportrechte waren in der Vergangenheit immer so teuer, dass es extrem schwierig war, damit Geld zu verdienen. A la longue wird sich das ändern müssen. Über unsere Preisvorstellungen kann ich im Augenblick selbstverständlich nichts sagen.

Mit dem Sport bezogen Sie 40 Prozent Ihrer Programme von KirchMedia. Ist die Versorgung künftig gesichert?

Ja. Wir sind mit rund 30 Prozent Zuschauer-Marktanteil ein großer Nachfrager. Wir haben 120 Lieferanten. Die KirchMedia ist ein wichtiger aber bei weitem nicht unser einziger Programmlieferant. Unsere Programmversorgung mit gesicherten Spielfilmen und Serien ist bis 2004 exzellent, sie ist sogar besser als sie jemals war.

Liegt das daran, dass Sie jetzt nicht mehr die willfährige Abspielstation für den Filmkeller von Kirch sind?

Das waren wir nie. Die Sender, die besonders viel mit den Lizenzen von Kirch gearbeitet haben, sind die renditestärksten Sender überhaupt. ProSieben hat 33 Prozent Umsatzrendite, RTL kommt nur auf 15 bis 16 Prozent. Es gehört ins Reich der Fabel, wir hätten zu überteuerten Preisen bei Kirch die Filme eingekauft. Das hält einer Überprüfung nicht stand. Unter den Filmpreisen hat kein Sender gelitten. Es war für beide Seiten stets ein gutes Geschäft.

Welcher Gesellschafter nach der Insolvenz von KirchMedia wäre Ihnen am liebsten?

Darüber mache ich mir wenig Gedanken. Vorstände suchen sich ihre Aktionäre nicht aus. Es kommt darauf an, dass unser Geschäft verstanden wird. Grundsätzlich sind wir aber eine Kapitalgesellschaft, an der sich jeder beteiligen kann. Meine Präferenz gilt allerdings der Auffanggesellschaft, wie sie die Geschäftsführer der KirchMedia offenkundig planen, und an der sich die Altaktionäre beteiligen würden.

Quelle: Wirtschaftswoche

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%