Filmrechtemesse geht zu Ende
Keine Experimente in Cannes

Die Zeiten, als auf der Croisette in Cannes die Senderchefs noch ungehemmt die Dollars springen ließen, sind vorbei. Knapp ist das Geld bei den europäischen TV-Unternehmen.

Die TV-Producer auf der heute zu Ende gehenden Filmrechtemesse Mipcom können davon ein Lied singen. Vom Branchenriesen Endemol über den Trickfilmspezialisten RTV bis hin zur Ein-Mann-Firma - die früher so vom Erfolg verwöhnten Produzenten stöhnen. Die Sender setzen auf Bewährtes und auf Wiederholungen.

Nicht die Nachfrage bestimmt daher den Preis, sondern das Überangebot, damit hat sich die Szene total gedreht: Jetzt müssen die Programmanbieter um die Sender buhlen. Dadurch sinken - zur Freude der TV-Unternehmen natürlich - die Programmkosten weiter. So zahlt Claude Schmit, Chef des Kölner Kinderkanals Super RTL, die absurden Preise für Zeichentrick und Kinderfilm - wie noch vor Jahren üblich - längst nicht mehr. Dafür liefert der Luxemburger bei seinen Gesellschaftern Disney und RTL Group ordentliche Gewinne ab - zuletzt 5,5 Mill. Euro.

Auf der Anbieterseite jedoch rollt die Pleitewelle, vor allem bei den Kleinen. Denn viele Sender sind wie Super RTL gebrannte Kinder, sie haben Geld in Produktionen gesteckt, die wegen der Pleite kleiner Produzenten nie realisiert worden sind. Deshalb gehen Senderchefs wie Schmit gerade jetzt auf Nummer sicher und kaufen - wo denn sonst? - in Hollywood.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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