Filtersysteme werden bereits jetzt ausgetrickst
Napster: Räuber und Gendarm im Internet

Gerichtlich angeordnet muss die Musiktauschbörse Napster urheberrechtlich geschützte Lieder vor kostenlosem Download schützen. Dazu hat Napster ein Filtersystem installiert, dass bereits jetzt geknackt wurde.

afp WASHINGTON. Nach der jüngsten Niederlage vor Gericht bleibt Napster nichts anderes übrig, als auf der eigenen Website Streife zu gehen. Die Betreiber der Musiktauschbörse müssten sicherstellen, dass urheberrechtlich geschützte Stücke künftig nicht mehr kostenlos aus ihrem Internet-Angebot heruntergeladen werden, entschied US-Bundesrichterin Marilyn Patel per einstweiliger Verfügung. Trotz der harten Auflagen war nicht ausgeschlossen, dass Napster seine Fans an sich binden kann, bis die Firma im Juli ihr Bezahlangebot eröffnet. Mit immer neuen Tricks bleiben die Nutzer ihrer geliebten Musiktauschbörse treu. Das gerichtlich angeordnete Räuber- und Gendarmspiel im Internet verspreche interessant zu werden, schmunzelte die Analystin Stacey Herron von Jupiter MediaMetrix in New York.

Damit die Selbstpolizei in Aktion tritt, müssen die Plattenlabels laut einstweiliger Verfügung in jedem einzelnen Fall eine Anzeige erstatten. Im Klartext heißt das: Sie müssen Listen von Titeln bei Napster einreichen, zu denen die Betreiber der Website dann binnen drei Tagen den Zugang blockieren sollen. Viele Stücke, die täglich über die Tauschbörse heruntergeladen werden, wären damit theoretisch nicht mehr zugänglich.

Filtersystem ist installiert worden

Um den Tausch von urheberrechtlich geschützten Werken stoppen zu können, hatte Napster schon am Wochenende mit der Installation von Filtersystemen begonnen. Dabei abgefangen wurde jedoch nur ein Teil der verbotenen Ware, wie Lee Black von der Internetbeobachtungsfirma Webnoize zu berichten weiß. Die Stücke der Hardrock-Band Metallica zum Beispiel könnten offiziell nicht mehr heruntergeladen werden. Sobald die Dateien aber eine andere Bezeichnung hätten - wie Metalica, Matalica oder Meatallica - funktioniere die Tauschsoftware wieder einwandfrei.

Verdreher tricksen das System aus

Das Spiel mit Verdrehern ist genau die Methode, mit der Musikfans versuchen, die Gendarmen auszutricksen. Die Firma Aimster bietet bereits eine Verschlüsselung an, die wie Räuberlatein funktioniert. Aus dem Radiohead-Song "Karma Police" wird so zum Beispiel "armaK oliceP". Hartmut Spieseke vom Hamburger Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft glaubt aber nicht, dass das Katz- und Mausspiel für den Großteil der Fans interessant ist. "Niemand wird Musik von Madonna finden, wenn das Stück 'mx3p hoch 2' heißt." Zudem sei es Napsters Problem, dafür zu sorgen, dass der Filter funktioniert.

Die Musikindustrie hat unter diesen Voraussetzungen keine leichte Aufgabe, ihre Rechte zu schützen. Bislang überstellte sie Napster nach Angaben von Webnoize nur 5600 Songtitel. Allein im Februar hätten Musikfans jedoch 2,97 Milliarden Lieder von der Website geladen. Zumindest Vertipper in den Dateinamen muss Napster berücksichtigen. "Bleibt jedoch die Frage, ob der Betreiber für schlaues Verhalten seiner Nutzer zur Verantwortung gezogen werden kann", meint der Analyst Malcolm Maclachlan von der International Data Corp.

Napster-Kunden werden zu anderen Anbietern wechseln

Der Wirtschaftwissenschaftler Nicholas Economides von der New York University ist überzeugt, dass die einstweilige Verfügung die Fans zu alternativen Angeboten treiben wird. "Wenn Napster dadurch nicht vollkommen abgeschnürt wird, so wird es doch zumindest marginalisiert." Schätzungen zufolge stehen 70 bis 90 % der Titel, die über Napster getauscht werden, unter Copyright. "Die Frage ist doch, ob dem Angebot da letztlich noch etwas übrig bleibt", gibt der Urheberrechtsexperte Peter Jaszi von der American University zu bedenken.

Andere Fachleute sind da optimistischer. Die Chancen, dass Napster überlebe, stünden 50:50, schätzt Jeffrey Okkonen vom Internet-Unternehmen Liquid Audio. Möglicherweise würden sich die Plattenlabels doch noch mit der Tauschbörse einigen. Der Chef des Vivendi-Konzerns, Jean-Marie Messier, habe sich schon versöhnlich geäußert. Die Zeiten des Wilden Westens im weltweiten Datennetz seien vorbei. "Letztlich werden die Plattenlabels bekommen, was sie wollen, die Verbraucher werden glücklich sein, und das Ganze wird sich zum normalen Geschäft entwickeln.

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