Finale verzeihnete niedrigste TV-Quoten seit Jahren
Superman Duncan führt Spurs zum Titel

Zum Schluss wurden die Augen doch noch feucht. Dabei hatte David Robinson zuvor versichert, dass es einen Abschied ohne Tränen geben wird. Doch als er die vergoldete Trophäe endlich in seinen Händen halten durfte, waren die Emotionen stärker als sein leidenschaftlicher Wille, der das Idol der San Antonio Spurs zum ersehnten Happyend seiner 14-jährigen Karriere in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga (NBA) geführt hatte. Der 37 Jahre alte Center kam mit den Texanern in der Nacht zum Montag im sechsten Playoff-Finalspiel gegen die New Jersey Nets zum 88:77-Heimerfolg, womit sie sich in der Serie "best of seven" mit 4:2 durchsetzten und zum zweiten Mal nach 1999 den NBA-Titel gewannen.

HB/dpa SAN ANTONIO. "Ich danke Gott, mein Glück ist perfekt. Das war heute das Sahnehäubchen. Ein schöneres Ende konnte es nicht geben", sagte Robinson in vollkommener Glückseligkeit, bevor der Olympiasieger von 1992 und 1996 sowie zehnmalige NBA-All-Star mit Tim Duncan für das "Foto des Jahres" posierte. Schweißgebadet und mit einem stolzen Lächeln standen die legendären "Twin Towers" ein letztes Mal im Blitzlichtgewitter. Robinson (2,16 m), der noch einmal mit 13 Punkten und 17 Rebounds glänzte, reckte den NBA-Pokal in die Höhe, Duncan (2,13 m) seinen Cup, den er als "Wertvollster Spieler" (MVP) der Playoffs überreicht bekam. Der "Admiral", so genannt, weil Robinson in seiner Collegezeit die Marine-Offiziersakademie in Annapolis absolvierte, wusste, bei wem er sich für das zweite Championat besonders bedanken musste: bei seinem "Bruder" Duncan.

Der auf der Karibikinsel St. Croix geborene Profi war wie schon beim Triumph vor vier Jahren der alles überragende Akteur. Mit 21 Punkten, 20 Rebounds, zehn Assists und acht Blocks schwang sich Duncan auch im sechsten Duell gegen die Nets zum Matchwinner auf. Bis zum Schlussviertel sah es jedoch noch nicht danach aus, als würden die Spurs die Serie glorreich beenden. Erst 6:34 Minuten vor Spielende konnten sie durch einen "Dreier" von Stephen Jackson mit 73:72 erstmals in Führung gehen. Danach waren die Hausherren nicht mehr zu halten und bauten den Vorsprung uneinholbar aus.

"Tim Duncan ist der Supermann. Er ist der beste Spieler des Planeten. Wir haben alles versucht, doch die Spurs waren mit ihm eine Nummer zu groß", befand Jason Kidd, der mit den Nets im vorjährigen Finale den Los Angeles Lakers mit 0:4 unterlegen war. Möglicherweise wird der nunmehrige "Free Agent", mit 21 Punkten bester Werfer seines Teams, in der kommenden Saison in San Antonio seine Dollar verdienen. "Noch ist aber nichts entschieden", versicherte Kidd, dessen Pendant bei den Spurs, der 21-jährige gebürtige Belgier Tony Parker, als zweitjüngster Champion nach Magic Johnson in die 57-jährige NBA- Historie einging. Geschichte schrieb auch der 40-jährige Kevin Willis, der nach 19 NBA-Spielserien erstmals zu Meisterehren kam.

Der Durchmarsch der Spurs überraschte nicht. Mit Gregg Popovich werden sie vom "Trainer des Jahres" gecoacht, Duncan wurde zum zweiten Mal als MVP der regulären Saison gewählt, mit 60 Siegen und 22 Niederlagen wiesen sie die beste Vorrunden-Bilanz auf. Auf dem Weg ins Finale hatten sie nach großen Spielen erst Titelverteidiger Los Angeles Lakers (4:2) und danach die ab der vierten Partie ohne ihren deutschen Star Dirk Nowitzki spielenden Dallas Mavericks (4:2) ausgeschaltet. Dennoch verzeichnete das Finale gegen die Nets die niedrigsten TV-Quoten seit Jahren. Mit ihrer unattraktiven, defensiven Spielweise haben sie Amerika extrem gelangweilt, hieß es in den Medien. Derartige Kritik störte Robinson nicht: "Jeder soll sagen, was er will. Ich bin am Ende noch einmal höher als hoch gestiegen und endlos zufrieden. Nur das zählt für mich".

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