"Finanz-Aspekt im Vordergrund"
Wieder ein Wechsel an der Fiat-Spitze

Im Turiner Fiat-Konzern macht sich langsam bescheidener Optimismus breit. Obwohl es mit den Bilanzen noch immer schlimm steht, kündigte die Führungsspitze eine "leicht positive Tendenz" für das Ganzjahres-Ergebnis an. Und nur wenige Tage später ließ das Unternehmen jetzt einen weiteren der wichtigen Köpfe rollen, um die alte Krise mit neuen Managern und frischem Wind anzugehen.

HB/dpa ROM. Dass die Nominierung von Ferruccio Luppi als neuer Finanzchef bereits der dritte Wechsel im Fiat-Top-Management in nur zehn Monaten ist, scheint keinen mehr zu stören - im Gegenteil sprachen Kommentatoren am Dienstag von längst überfälligen Veränderungen, die vor allem für die finanzielle Sanierung des hoch verschuldeten Konzerns notwenig sind.

Bereits im Dezember war Giancarlo Boschetti nach dem Rücktritt von Roberto Testore zum neuen Chef der Fiat-Autosparte bestimmt worden. Im Juni kam Gabriele Galateri für Paolo Cantarella - die bisher wohl größte "Revolution" in der Fiat-Krise. "Mit Ferruccio Luppi als Finanzchef ist die neue Führungs-Mannschaft der Fiat-Gruppe jetzt komplett", berichteten italienische Medien. Der bisherige Finanzchef Damien Clermont wird in Zukunft für den Zweig "Strategische Entwicklung" verantwortlich sein.

"Dieser Wechsel hatte sich schon seit langem angebahnt", meinte ein Kommentator. Denn nach der Nominierung von Gabriele Galateri als neuer Vorstandschef der Gruppe zeichnete sich schon ab, dass "Clermonts Kopf der nächste sein würde, der auf dem Altar der Krise geopfert wird", brachte es eine Zeitung auf den Punkt.

Hoffnung macht vor allem die Tatsache, dass der 52-jährige Luppi - ebenso wie Galateri - aus den Reihen der Finanzholdings Ifi und Ifil kommt, die von Umberto Agnelli kontrolliert werden. "Das ist wieder ein Manöver, das den Finanz-Aspekt in den Vordergrund stellt", sagen Experten zur Wahl des neuen Finanzchefs. Seine Aufgabe wird vor allem darin bestehen, das knifflige Abkommen einzuhalten, das Fiat erst kürzlich mit mehreren Banken ausgehandelt hat: Als Gegenleistung für eine Drei-Milliarden-Wandelanleihe hat sich der Konzern verpflichtet, seine Nettoverschuldung bis Ende 2002 auf drei Milliarden Euro zu halbieren.

Galateri, der als knallharter Finanzexperte gilt, hat in diesem Vorhaben kompetente Verstärkung bekommen. Luppi ist studierter Wirtschaftswissenschaftler und arbeitet bereits seit 1984 für die Finanzholdings von Umberto Agnelli, deren Vorstandschef zuvor Galateri war. Umberto, jüngerer Bruder von Fiat-Patriarch Gianni Agnelli, vergrößert somit spürbar seinen Einfluss auf die Geschäftsstrategien.

Es ist weithin bekannt, dass der jüngere Agnelli einem Verkauf der Fiat-Autosparte an den US-Konzern General Motors nicht abgeneigt ist, falls dies zur Rettung der Turiner Gruppe beitragen kann. Und obwohl GM momentan keine Anstalten macht, seine Kauf-Option für 2004 vorzeitig geltend zu machen, fragten sich am Dienstag viele Experten: "Was wird wohl der nächste Schachzug der Fiat-Spitze sein?"

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