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Finanzaktien verderben Anlegern vorbörslich die Laune

George W. Bush ist der 43. Präsident der Vereinigten Staaten. Al Gore hat seine Niederlage verkündet. Der derzeitige Vizepräsident überließ gestern Abend in einer Rede das Amt seinem Gegner Bush. Damit ist nach 36 Tagen der Wahlkampf nun endlich entschieden. Doch wie es aussieht wird die für viele Anleger erleichternde Nachricht heute dem Markt nicht helfen können. Viele Marktbeobachter sehen den Bush-Sieg in den Aktien, die von dem neuen Präsidenten profitieren könnten schon eingepreist. Werte aus dem Pharma-, Öl- und Tabakbereich tendieren vorbörslich zwar stärker, doch Gewinnwarnungen im Finanzsektor machen den Anlegern das Leben schwer. Insbesondere die Dow Futures tendieren daher im Minus und indizieren einen schwächeren Handelstag. Auch S&P und Nasdaq Futures notieren vorbörslich leicht.

Impulse könnten heute dem Handelsverlauf auch der Produzentenpreisindex geben. Im November ist der Index nur um 0,1 Prozent gegenüber 0,4 Prozent im Vormonat gestiegen. Erwartet wurden 0,2 Prozent. Die um Lebensmittel und Energie bereinigte Kernrate bleibt unverändert. Im Vormonat ist noch um 0,1 Prozent zurückgegangen. Zudem wurden die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung veröffentlicht, die in der vergangenen mit 320.000 unter den geschätzten 350.000 ausgefallen sind. Die Zahlen sind ein Indikator, dass die Wirtschaft schneller abkühlt als kalkuliert. Die jüngsten Konjunkturdaten haben bereits darauf hingewiesen, dass die amerikanische Konjunktur merklich abkühlt, was eine Zinssenkung durchaus rechtfertigen würde.



Bei der Wirtschaftslage und der Zinsentwicklung in den USA war es früher oder später zu erwarten. Die ersten Finanzinstitute erwarten schlechter als erwartete Geschäftsdaten. J.P. Morgan und Chase Manhattan werden die Erwartungen für das vierte Quartal nicht erfüllen können und belasten den Finanzsektor am Donnerstag mit den unerfreulichen Nachrichten.



Die Ergebnisse würden möglicherweise sogar unter den Geschäftsdaten des Vorquartals liegen. Im Durchschnitt werden die Gewinne beider Bankhäuser zehn Cents hinter den Erwartungen zurück bleiben. Beide Häuser begründeten die enttäuschende Lage mit den hohen Kosten. Sowohl Chase Manhattan, die im September dem Kauf von J.P. Morgan zugestimmt hatten, und J.P. Morgan verlieren vorbörslich.



Ebenso trübe Stimmung herrscht auf dem Computersektor. Die Werte dürften sich auch heute noch nicht von der Gewinnwarnung von Compaq erholt haben. Analysten befürchten, dass Dell ebenfalls enttäuschende Quartalszahlen melden wird. IBM nutzt die Gelegenheit und macht auf die starke Nachfrage nach seinem Hochleistungs-Großrechner z900 aufmerksam. Die Aktie gewinnt vorbörslich an Wert.



Übernahmegerüchte beflügelten den Kurs von Lucent Technologies in den vergangenen Tagen. Nokia könnte den größten US-Telekomausrüster übernehmen. Merrill Lynch kippte Öl in die Flamme und bestätigte, dass Lucent zur Zeit ein guter Übernahmekandidat sei. Doch gestern nach Handelsschuss erklärte der Leiter der Softwareentwicklungsabteilung, seine Kündigung. Als Begründung nannte er Differenzen über die Unternehmensstrategie. Bereits Ende vergangener Woche hatte der Leiter des europäischen Netzwerkbereichs seinen Hut genommen. Die Aktie verliert vorbörslich.



Kursverluste bei Adobe dürften heute garantiert sein. Morgan Stanley stufte die Aktie von "outperformer" auf "neutral" ab. In den Bereichen Heimcomputer und Drucker entwickeln sich das Geschäft nicht wie gewünscht. Die Analysten reduzieren die Einstufung mit Sicht auf das anstehende Quartalsergebnis heute Abend nach Handelsschluss.

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