Finanzberatung „Alte Hasen“ in Frankfurt gestartet
Bankberatung für Senioren ist Marktlücke

Knock-out-Schwellen, long gehen - das Kauderwelsch aus Englisch und Bankchinesisch lässt ältere Anleger oft verzweifeln. Außerdem bringen sie jungen Bankberatern in vielen Fällen nicht genug Vertrauen entgegen. In Frankfurt haben sich Finanzberater auf Senioren spezialisiert - und sie stoßen auf reges Interesse.

HB FRANKFURT/M. "Hallo, ist dort die Wildhandlung ?Die drei alten Hasen?? Ich möchte zwei Hasenrücken bestellen!" Joachim Schwer, Gründer der Finanzberatung für Senioren, der Alte Hasen GmbH in Frankfurt, schmunzelt: "Ab und zu führt unser Name zu Missverständnissen über unseren Geschäftszweck." Dabei habe er die Gesellschaft bewusst so getauft, weil Hasen große Ohren haben und ältere Menschen Berater brauchten, die gut zuhören können. Die Berater selbst seien erfahrene Banker, meist im Ruhe- oder im Vorruhestand, die sich in den wichtigsten Fragen älterer Menschen auskennen; dabei gehe es vor allem um das Wohnen, aber auch um das Testament.

Über mangelnde Resonanz können sich die Frankfurter nicht beklagen: Seit Vermögensverwalter Schwer, der über 30 Jahre lang im Bankgeschäft tätig war, gemeinsam mit dem Ex-Banker Karl-Heinz Norek im Juli die Beratungsgesellschaft gegründet hat, klingelt ständig das Telefon. Ein Drittel der Anrufer habe selbst "Alter Hase" werden wollen, und ein Drittel seien potenzielle Kunden gewesen, sagt er. Mittlerweile ist der Stamm der Mitarbeiter auf 9 angewachsen, bis zum Jahresende soll auf 30 aufgestockt werden.

Offensichtlich trifft der 57jährige Frankfurter auf eine Marktlücke: "Viele Senioren sind mit der Bankberatung unzufrieden", sagt er. Das erste Problem, das oft auftauche: Wenn ein junger Berater gut sei, steige er meist auf - und der älter Anleger, der sich an ihn gewöhnt habe, bekomme dann eine andere Person zugeteilt - darüber rege er sich in vielen Fällen auf. Abgesehen davon wollten ältere Berufstätige, die auf den Ruhestand zugingen, ihre Finanzpläne für das Alter meist gerne mit jemanden besprechen, zu dem sie über einen langen Zeitraum Vertrauen aufbauen konnten. Es gebe einfach zu wenig ältere Berater in einer Bank, die Senioren dies bieten könnten, sagt Schwer.

Zudem entstehe in vielen Fällen eine Sprachbarriere: Der Berater spreche ein "Kauderwelsch aus Englisch und Bankchinesisch", das der ältere Kunde nicht verstehe. "Außerdem kann sich ein junger Berater mangels Erfahrung, die das Alter nun einmal mit sich bringt, oft nicht in die Situation des älteren Menschen hineinversetzen", sagt Schwer.

Da stimmen ihm andere Experten zu: Günter Schlösser, Vorstandsmitglied des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) in Frankfurt: "Die Sichtweise eines 28jährigen ist nun einmal anders als die eines 60jährigen." In seinem Haus - der Portfolio Concept in Köln - würde er selbst die Beratung älterer Herrschaften übernehmen - damit eine "ähnliche Augenhöhe" bestehe.

Dass Schwer und Schlösser richtig liegen, bestätigt Ursula Lenz, Pressereferentin bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorenorganisationen in Bonn (BAGSO). Ihrer Erfahrung nach stellen die Bankberater komplexe Zusammenhänge oft zu schnell für ältere Menschen dar - das gelte auch schon für 50jährige: "Die Banker müssen langsamer, ruhiger und detaillierter beraten", sagt Lenz. Ebenfalls wichtig sei eine unabhängige Beratung. Mit ihren Forderungen liegt sie übrigens voll im Trend: Einer kürzlich an der Universität Bayreuth erstellten Studie zufolge fordern Privathaushalte von Finanzberatern in erster Linie Transparenz und Verständlichkeit, gefolgt von Objektivität und Unabhängigkeit.

So hebt denn auch Schwer die Unabhängigkeit der "Alten Hasen" im Gegensatz zu Bankberatern hervor. Die Frankfurter kassierten nur Beratungshonorare, Vergünstigungen wie bessere Konditionen aufgrund der Anlage einer größeren Summe bei Banken kämen den Kunden zugute. Nach seinen Angaben liegt das Stundenhonorar in der Regel bei 300 Euro.

Schwers "Kapital für die Kunden" sollen seine Berater sein: Er stelle nur Bankkaufleute mit langjähriger Erfahrung ein. Die Berater würden fortgebildet: "Da wird keiner losgeschickt, der sich nicht mit den wichtigsten Aspekten der Finanzberatung für ältere Menschen beschäftigt hat", sagt Schwer.

Wichtigester Themenbereich, in dem seine Berater fit sein müssten, sei Wohnen im Alter, weil es oft um den Umbau des Vermögens gehe. Daneben nennt Schwer unter anderem auch die Vorsorgevollmacht bzw. Patientenverfügung. Die Vorsorgevollmacht ist die Verfügung darüber, wie Angehörige über lebenserhaltende Maßnahmen entscheiden sollen.

Zu den Fragen, die bislang oft gestellt wurden, zähle "Reicht das Geld noch für das Alter?" oder "Kann ich meinen Bankberater wegen falscher Aktientipps verklagen?", berichtet der Frankfurter. Falsche Beratung der Bankberater habe man bislang nicht nachweisen können. Schwer: "Oft haben die Anleger selbst auf Aktienkäufe gedrängt."

Quelle: Handelsblatt

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