Finanzchef umgehend entlassen
Worldcom schockt die Wirtschaftswelt

Die zweitgrößte amerikanische Ferngesprächs Worldcom Inc. -Telefonfirma hat Falschbuchungen von 3,85 Mrd. $ (vier Mrd. Euro) in ihren Bücher entdeckt. Das schwer angeschlagene Unternehmen hat seinen Finanzchef Scott Sullivan sofort entlassen.

dpa/Reuters/vwd CLINTON. Es will seine Geschäftsergebnisse für das Jahr 2001 und für das erste Quartal dieses Jahres neu herausgeben und am Freitag mit der Entlassung von 17 000 Mitarbeitern beginnen. Der Verzicht auf ein Fünftel der Belegschaft soll jährlich 900 Millionen Dollar einsparen. Zugleich kündigte das Unternehmen an, es werde seine Investitionen erneut um 40 Prozent auf nun 2,1 Milliarden Dollar kürzen.

"Wir sind geschockt"

"Unser Führungsteam ist geschockt", erklärte Worldcom-Chef John Sidgmore. Er hatte seinen Posten erst am 29. April übernommen. Worldcom solle mit den höchsten ethischen Maßstäben betrieben werden, versicherte er. Die Gesellschaft bleibe lebensfähig.

Worldcom hat die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC und ihre wichtigsten Banken von den Entdeckungen informiert. Die Gesellschaft hatte durch eine firmeninterne Untersuchung heraus gefunden, dass der Transfer bestimmter Kosten zu Kapitalkonten nicht im Einklang mit den amerikanischen Buchführungsregeln (GAAP) gemacht wurde.

Die SEC hat von Worldcom einen eidesstaatlichen und detaillierten Bericht über die aufgedeckten Vorgänge bei der Bilanzierung angefordert. "Die Veröffentlichungen von WorldCom haben bestätigt, dass Verstöße gegen die Bilanzierungsvorschriften in einer bisher nicht dagewesenen Größordnung begangen worden sind," teilte die SEC am Mittwoch mit.

Es seien überhöhte Aufwendungen und Investitionsausgaben bilanziert und damit ein größerer Cash Flow als tatsächlich vorhanden ausgewiesen worden, teilte das Unternehmen mit. Ohne diese Effekte hätte man 2001 und im ersten Quartal 2002 einen Netto-Verlust gemacht.

Zudem seien im vergangenen Jahr 3,06 Milliarden Dollar und im ersten Quartal diesen Jahres 297 Millionen Dollar entgegen den Bilanzierungsregeln nach GAAP zwischen internen Konten transferiert worden. Die WorldCom-Bücher für 2001 und das erste Quartal 2002 waren von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Andersen testiert worden, das auch das Zahlenwerk von Enron geprüft hatte.

Pleite droht

Die Buchführungsprobleme von Worldcom gefährden nach Ansicht von Analysten auch die Verhandlungen mit Gläubigern über die Finanzierung von dringend benötigten fünf Milliarden Dollar. Ohne diese Finanzspritze drohe WorldCom im kommenden Jahr eine Liquiditätskrise, schlimmstenfalls die Pleite.

Erst Anfang Mai war der ehemalige Worldcom-Chef Bernard Ebbers mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Ebbers, der wegen der immensen Kursverluste und angeblicher persönlicher Kredite von Worldcom unter Druck geraten war, hatte den Konzern mit mehr als 60 Übernahmen innerhalb eines Jahrzehnts aufgebaut. Dabei baute er einen Schuldenberg von rund 30 Milliarden Dollar auf. Die SEC hatte bereits im Februar eine Untersuchung zu Worldcom begonnen.

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