Finanzchef verlässt TV-Loonland – RTV schreibt Beteiligungen ab
Schlinge um junge Filmfirmen zieht sich zu

Für viele am Neuen Markt notierte Filmfirmen läuft längst der Abspann. Mit TV Loonland kann sich jetzt einer der letzten soliden Filmwerte der Krise nicht mehr entziehen. Die Aktie stürzte am Donnerstag um rund 20 Prozent.

jojo MÜNCHEN. "Es sind keine Hiobsbotschaften im Anmarsch", versuchte die Sprecherin von TV Loonland zu beruhigen. Doch bei den Anlegern liegen nach dem Rücktritt von Finanzvorstand Carl Woebcken die Nerven blank. Die Loonland-Aktie brach nach der brisanten Personalie zeitweise um mehr als 20 % ein und notierte am späten Nachmittag bei rund 2,4 Euro. Die Investoren vermuteten, dass hinter dem Abgang mehr steckt als die persönlichen Gründe, die der Trickfilmproduzent angab. Anfang der Woche musste der Finanzvorstand des US-Telekommunikations-Unternehmens Worldcom gehen, weil er fast 4 Mrd. $ falsch verbucht hatte.

Die Enttäuschung der Aktionäre von TV Loonland war besonders groß, weil das am Neuen Markt notierte Unternehmen lange als einer der solidesten Filmwerte galt. Schon im vergangenen Jahr konnte die Firma ihre Prognosen allerdings nicht erreichen und musste jüngst auch die Wachstums-Ziele für 2002 zurück nehmen. Immerhin: TV Loonland schreibt im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern nach wie vor schwarze Zahlen.

Davon ist die RTV Family Entertainment AG meilenweit entfernt. Die Münchener mussten der Börse mitteilen, dass sie mehr als die Hälfte ihres Grundkapitals aufgezehrt haben. Auslöser der neuen Hiobsbotschaft war die massive Abwertung von Filmrechten sowie des Firmenwerts von Töchtern.

Überraschend kommen die schlechten Nachrichten freilich nicht: Der Kinderfilmspezialist RTV wird seit Monaten vor allem vom Mehrheitsgesellschafter Ravensburger am Leben erhalten. Erst vergangene Woche hatte der traditionsreiche Spieleverlag der Medienfirma durch einen Überbrückungskredit etwas Luft verschafft. Dies sei jedoch "die letzte Chance", betonte gestern ein Sprecher des Familienunternehmens Ravensburger. Die Schwaben suchen seit Monaten vergeblich nach einem Käufer für ihre RTV-Anteile. "Da ist nichts Interessantes drin", hielt ein Brancheninsider eine Übernahme gestern für äußerst unwahrscheinlich.

RTV arbeitet derzeit an einem Sanierungskonzept, das nach Angaben des Sprechers "einschneidende Maßnahmen" vorsieht. Nährere Angaben wollten weder Ravensburger noch RTV machen. Offenbar sollen aber Beteiligungen aufgegeben und Personal abgebaut werden.

RTV steht mit seinen existenzbedrohenden Problemen nicht alleine da. Beim Münchener Filmproduzenten H5B5 versucht derzeit ein vorläufiger Insolvenzverwalter zu retten, was in dem schwer angeschlagenen Unternehmen noch zu retten ist. Beim Filmrechtehändler Kinowelt bemüht sich der Insolvenzverwalter seit Monaten erfolglos um einen Käufer für das Stammgeschäft. Wahrscheinlich wird der einstige Star des Neuen Marktes aufgelöst. Filmfirmen wie Advanced Medien und Intertainment sind zwar nicht insolvent, haben ihr eigentliches Geschäft aber so gut wie aufgegeben.

RTV hofft noch darauf, dass Gläubiger und Banken das Sanierungskonzept mit tragen und weiter Geld geben. RTV drohen allerdings genauso wie vielen anderen Filmfirmen neue Probleme, falls der insolvente Rechtehändler Kirch Media offene Rechnungen nicht bezahlt. Spätestens auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 12. August will die RTV-Führung darüber informieren, ob das Unternehmen eine Zukunft hat.

Quelle: Handelsblatt

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