Finanzdienstleister
Blackberry-Nomade

Mit seinem MBA in der Tasche gründete Dogan Gündogdu einen Finanzdienstleister für Deutsch-Türken. Heute führt der 40-jährige ein Leben zwischen Köln, Frankfurt, Barcelona, Istanbul und London. Sein Motto: Immer am Ball bleiben. Eine Integrationsgeschichte mit Haken.

Es könnte eine so schöne Integrationsgeschichte sein: Türkisches Gastarbeiterkind schafft über das deutsche Bildungssystem den Aufstieg nach oben. Studiert, gründet ein eigenes Unternehmen, hat Erfolg. Eine vorbildliche Integration, ein Vorzeige-Türke, mit dem sich auch die Politik gerne schmückt. Dogan Gündogdu, einer "unserer Super-Türken", wie der "Stern" auf der Suche nach einer knackigen Schlagzeile titelte.

Wie bei vielen erfolgreichen Unternehmensgründungen liegt auch bei der 2001 von Gündogdu gegründeten Finanzberatungsgesellschaft TDVM Capital AG rückblickend die Geschäftsidee auf der Hand. Über 2,5 Millionen Türken oder Türkischstämmige leben in Deutschland, die längst keine Gastarbeiter mehr sind, die einmal in die Türkei zurückkehren werden, sondern Deutsch-Türken, deren Lebensperspektive Deutschland heißt.

"Die wurden aber bislang völlig vernachlässigt", erklärt Gündogdu den Ursprung seiner Geschäftsidee. Zum einen stießen sie bei deutschen Sparkassen und Banken auf kulturelle und soziale Mauern, zum andern wurden sie auch von den Deutschland-Niederlassungen türkischer Banken mit ihrer Beamtenmentalität nur unzureichend bedient. "Wir sind Finanzdolmetscher", erklärt Gündogdu, dessen TDVM Capital AG seinen deutsch-türkischen Kunden eine Rundum-Finanzberatung bei Kapitalanlagen, Bausparverträgen und Versicherungen anbietet und mittlerweile mit Standorten in Bochum, Gießen, Köln und Stuttgart vertreten ist. "Wir helfen Hassan sich so wie Hans zu verhalten."

Im Übrigen kein uninteressanter Markt. Zum einen ist das durchschnittliche Nettoeinkommen der Hunderttausenden ganz normaler deutsch-türkischer Arbeitnehmerhaushalte geringer als das der deutschen, aber Türken sparen viel mehr als die Deutschen. Zum anderen gibt es eine überraschend hohe Zahl von Deutsch-Türken, die ihr eigenes Unternehmen gegründet haben - nicht nur Vorzeigeunternehmer wie Reiseveranstalter Vural Öger oder Kemal Sahin, dessen Firma Santex Moden mit mehr als einer Milliarde Jahresumsatz heute eines der weltweit größten Textilunternehmen ist.

Und nicht nur die klassische Dönerbude oder Änderungsschneiderei. Laut einer Studie des Zentrums für Türkeistudien der Universität Duisburg-Essen gibt es hierzulande fast 64 000 von Deutsch-Türken gegründete Unternehmen. Sie erwirtschaften durchschnittlich 457 000 Euro Jahresumsatz, was sich auf fast 30 Milliarden Euro summiert. Bei einer Umsatzrendite von nur fünf Prozent wären das 1,5 Milliarden Euro Gewinn, den die deutschen Türken erwirtschaften - pro Jahr. Sie haben mittlerweile deutlich mehr als 300 000 Arbeitsplätze geschaffen.

Doch die schöne Integrationsgeschichte hat einen Haken. Denn Unternehmensgründer Gündogdu ist gar kein Gastarbeiterkind. Und seinen Erfolg verdankt er auch nicht dem deutschen Bildungssystem, sondern der spanischen Business School IESE. Und eigentlich verdankt er ihn seinem Ehrgeiz und der Bereitschaft, aktiv Chancen zu suchen und sie zu nutzen.

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