Finanzdienstleiter steigert Quartalsgewinn um ein Drittel, aber der Umsatz enttäuscht
MLP will künftig besser informieren

Nach den Vorwürfen über angebliche Bilanztricks will der Heidelberger Finanzdienstleister seine Buchführung genauer erläutern. Eine Sonderprüfung wird es nicht geben.

pot FRANKFURT/M. Der Finanzdienstleister MLP übt sich nach den Vorwürfen über angebliche Bilanztricks in Selbstkritik. "MLP muss als Wachstumsunternehmen mehr tun als andere Firmen, um die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells transparent zu machen", gibt Vorstandschef Bernhard Termühlen zu.

Der Heidelberger Finanzdienstleister, der die Vorwürfe selbst bereits vergangenen Woche dementiert hatte, will nun die Kommunikation mit Analysten und Medien intensivieren und dafür auch neue Mitarbeiter in den Bereichen Investor Relations und Unternehmenskommunikation einstellen. Außerdem sollen unabhängige Experten während der Hauptversammlung am kommenden Dienstag die Rechnungspraxis bestätigen. Dabei handelt es sich um Kurt Wolfsdorf, Geschäftsführer der zu Deloitte gehörenden Beratungsfirma B+W Deloitte und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Aktuarsvereinigung (Versicherungsmathematiker), sowie möglicherweise KPMG.

Zu einer Sonderprüfung der Bilanz, wie sie von Kleinanlegern gefordert wird, sieht Termühlen aber keinen Anlass. Die Bilanz-Praxis von MLP sei üblich und rechtlich einwandfrei. Außerdem "kostet eine Sonderprüfung Millionen und dauert Monate", sagte Termühlen dem Handelsblatt. Ein Anlegermagazin hatte behauptet, MLP überzeichne das Gewinnwachstum und baue Schulden außerhalb der Bilanz auf. Dabei geht es um die Vorfinanzierung der Abschlusskosten für Lebensversicherungen durch Rückversicherer. Termühlen bestreitet dies vehement. "Die Vorwürfe sind vollkommen ungerechtfertigt." Er sieht daher auch keinen Grund, von der bisherigen Praxis abzuweichen.

Der Aktienmarkt reagierte auf die neuerlichen Dementis unentschlossen. Gestern morgen geriet der MLP-Kurs zunächst erneut unter Druck, drehte aber am Nachmittag leicht ins Plus. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war die Aktie in der vergangenen Woche um rund ein Drittel eingebrochen. Am Montag hatte die Aktie ihre Talfahrt allerdings gestoppt und knapp 16 % zugelegt. Händler sahen darin eine technische Reaktion nach den Rückschlägen der Vortage. Rückendeckung erhielt MLP gestern von einigen Analysten. Nach Ansicht von MM Warburg hat das Unternehmen keine Bilanztricks angewandt. Die Analysten gehen davon aus, das MLP das Vertrauen der Investoren zurückgewinnt und bekräftigten gestern ihre Kaufempfehlung.

Angesichts der Diskussion um die Buchführung interessierten die gestern veröffentlichten Quartalszahlen nur am Rande. MLP verbuchte einen Anstieg des Vorsteuergewinns um 32 Prozent auf 24,5 Mill. Euro. An seiner Prognose, den Gewinn im Gesamtjahr um 30 % auf 195 Mill. zu steigern, hält das Unternehmen fest. Während MLP beim Gewinn in etwa die Prognosen der Analysten erfüllte, lag der Umsatz unter den Erwartungen. Die Erlöse stiegen um 21 Prozent auf 242,7 Mill. . Der Kundenstamm wuchs seit Jahresbeginn um 24 000 auf 477 000.

Gegenüber dem Handelsblatt gab sich Termühlen zuversichtlich, dass die Diskussionen um die Bilanztechnik die Geschäfte nicht beeinflusst. Es würden keine Kunden abgeschreckt, da MLP die Vorwürfe schnell entkräftet habe. Auch die Tatsache, dass die Kunden-Hot-Line, die MLP am Wochenende eingerichtet habe, kaum genutzt werde, spreche gegen eine Verunsicherung der Kunden.

Quelle: Handelsblatt

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