Finanzexperten warnen - T-Aktie unter Druck
T-Mobile: Die Börse muss vielleicht warten

Die Deutsche Telekom schließt eine erneute Verschiebung des Börsengangs ihrer Mobilfunktochter T-Mobile nicht aus und hat damit am Freitag den Kurs der T-Aktie deutlich belastet. Finanzexperten sagten, bei einer Verschiebung könnte die Telekom ihre Ziele beim Schuldenabbau verfehlen, worunter auch die Kreditwürdigkeit des Konzerns leiden würde.

Reuters BERLIN. Nach früheren Angaben erwartet die Telekom aus dem Börsengang von T-Mobile Einnahmen von etwa zehn Mrd. ?. Firmenchef Ron Sommer sagte am Freitag in Berlin, ein Börsengang in dieser Größenordnung sei nur zu zwei Terminen im Jahr möglich: entweder im Juni/Juli oder im Oktober/November. Dies hänge aber auch von den Marktgegebenheiten ab. Auf die Frage, für welchen Termin dies spreche, sagte er: "Das spricht dafür, dass wir uns gründlich vorbereiten, um beide Termine wahrnehmen zu können, aber auch nicht ausschließen, dass keiner dieser Termine stattfindet." Sommer fügte hinzu: "Wir können es uns leisten, den Börsengang dann zu tun, wenn es richtig ist."

Der Firmenchef sagte zudem, die Telekom rechne kaum mehr damit, dass der geplante Verkauf von Kabelnetzen an den US-Konzern Liberty Media noch gelingt. An den Finanzmärkten gab die Telekom-Aktie zeitweise rund fünf Prozent nach. Auch die Kurse der Telekom-Anleihen fielen deutlich.

"Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Dinge gerne verschieben, auch nicht mein Unternehmen", sagte Sommer. "Aber genauso gehöre ich zu denen, die Dinge nur dann tun, wenn sie absolut in unsere Konditionen passen." Die Marktlage sei im Moment schwierig vorherzusagen. "Es hat keiner vor einem Jahr über Enron gesprochen, wir haben eine große Pleite in unserer Industrie erlebt, nämlich Global Crossing. Ich kenne die Industrie gut genug, um noch viele andere zu sehen, die sich noch nicht geoutet haben, sie sich aber bald outen müssen", sagte Sommer. Der US-Energiehändler Enron als einstiger Börsenliebling war vor einigen Monaten spektakulär zusammengebrochen.

Angesichts der Bedenken des Kartellamts rechnet die Telekom nach den Worten des Telekom-Chefs kaum noch damit, dass der geplante Verkauf der Kabelnetze an Liberty noch zu Stande kommt. "Ich halte die Chancen für sehr gering", sagte Sommer. Er hoffe aber weiter auf ein Gelingen des Vorhabens.

Der geplante Verkauf der regionalen TV-Kabelnetze für rund 5,5 Mrd. ? an Liberty war beim Bundeskartellamt auf Widerstand gestoßen. Liberty hatte bereits erklärt, keine weiteren Zugeständnisse an die Wettbewerbshüter gemacht zu haben. Theoretisch ist auch ein Antrag auf eine so genannte Ministererlaubnis beim Bundeswirtschaftsministerium möglich, um das Kartellamt zu überstimmen. Auch dies hatte Liberty bereits als unwahrscheinlich bezeichnet.

Auch Sommer sagte am Rande eines deutsch-amerikanischen Wirtschaftskongresses, er erwarte keinen Antrag. "Ich als Liberty würde es nicht tun, denn ich würde gerne Klarheit für mein Geschäft haben." Auch bei einer Ministererlaubnis sind Auflagen nicht ausgeschlossen. Sommer sagte, bei Investitionen von Liberty von über acht Mrd. ? in Deutschland und der Übernahme von tausenden von Arbeitsplätzen brauche man Klarheit. Ein Käufer, der auch investiere, sei aber für die Branche gut. "Es wäre schade, wenn dieser Investor die Chance nicht bekommt."

Die Telekom wollte ihren Schuldenstand von rund 65 Mrd. ? in diesem Jahr auf rund 50 Mrd. ? drücken. Dazu sollte der Kabelnetzverkauf mit 5,5 Mrd. und der T-Mobile-Börsengang mit rund zehn Mrd. ? beitragen. Sommer hatte bereits erklärt, sollte der Kabelnetz-Verkauf nicht zu Stande kommen, könne das Telekom-Rating gesenkt werden. Dies würde wiederum zusätzliche Zinsausgaben von 80 bis 100 Mill. ? bedeuten. Sommer sagte am Freitag, die Telekom verfüge über ein Eigenkapital von mehr als 70 Mrd. ?. Damit bewege sich der Konzern in Größenordnungen, in denen er seine Schulden managen könne, auch ohne T-Mobile 2002 an die Börse zu bringen. An der Börse gab der Kurs der Telekom-Aktie bis zum Nachmittag um fünf Prozent auf gut 15 ? nach. Ein Händler sagte, der Markt habe nur mit einer möglichen Verschiebung des T-Mobile-Börsengangs auf Herbst 2002 gerechnet. "Jetzt wird der wohl erst nächstes Jahr kommen. Das führt natürlich zu einer Enttäuschung." Den Kursrückgang der Anleihen begründete ein Händler damit, dass sich ein langsamerer Schuldenabbau auf die Bonität der Telekom auswirken würde. Bei Herabstufungen durch große Ratingagenturen wird die Refinanzierung für den betroffenen Konzern teurer, Anleihen müssen dann mit einem höheren Zins ausgestattet werden.

Finanzexperten sagten, sollte der T-Mobile-Börsengang nicht 2002 erfolgen, wäre dies eine schwere Belastung für das Aktienemissionsgeschäft in Deutschland. "Dann kann ich direkt in Urlaub gehen", sagte ein Emissionsberater. Angesichts der Marktschwäche war das Emissionsvolumen bei Börsengängen 2001 auf 2,8 Mrd. ? und damit nur noch etwa ein Zehntel des Vorjahreswertes gesunken. In der Finanzbranche wird ein Börsengang von T-Mobile als Zugpferd für mögliche Börsengänge anderer Unternehmen angesehen.

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