Finanzgericht Köln entscheidet zu Gunsten des Steuerpflichtigen – Bundesfinanzhof hat jetzt das letzte Wort
Arbeitszimmer in fremdem Haus voll absetzbar

Wer eine Wohnung in einem anderen Haus anmietet und dort ein Arbeitszimmer einrichtet, kann den Fiskus voll an den Mietkosten beteiligen. So sieht es jedenfalls das Finanzgericht Köln. Nun muss der BFH entscheiden.

HB/li DÜSSELDORF. Seit 1996 ist der Abzug von Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer gesetzlich stark eingeschränkt worden. Grundsätzlich sind sie gar nicht mehr abziehbar. Bis zu 1250 Euro dürfen jedoch angesetzt werden, wenn die Arbeitszimmernutzung mehr als 50 % der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit beträgt oder wenn für diese kein anderer Arbeitsplatz als das Arbeitszimmer zur Verfügung steht. Keine Einschränkung gilt, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet.

Der 8. Senat des Finanzgerichts Köln hat jetzt - anders als ein Einzelrichter des 7. Senats desselben Gerichts - die Anmietung einer weiteren Wohnung innerhalb eines Mehrfamilienhauses ausreichen lassen, von der gesetzlichen Einschränkung der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer keinen Gebrauch zu machen und den vollen Mietanteil, der auf das Arbeitszimmer in der weiteren Wohnung entfiel, in Höhe von rund 4600 Euro zum Abzug zugelassen (Az.: 8 K 5236/99). Das Finanzamt hingegen hatte die Beschränkung des Werbungskostenabzugs auf 1 250 Euro angewendet.

Die Finanzrichter korrigierten jetzt diese Entscheidung: Sie verneinten, dass es sich bei dem Arbeitszimmer in einer von der privaten Wohnung getrennten weiteren Wohnung, die über den Hausflur erreichbar ist, überhaupt um ein "häusliches" Arbeitszimmer handelt. Denn dies setze voraus, dass sich das Arbeitszimmer im Wohnbereich des Steuerpflichtigen und damit in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang befindet. Dies sei jedenfalls dann nicht mehr anzunehmen, wenn sich das Arbeitszimmer außerhalb seiner Wohnung befinde und mit einem zusätzlichen Mietvertrag ausschließlich zur beruflichen Nutzung angemietet werde.

Bei der weiteren Wohnung sei keine Überschneidung privater und beruflicher Belange gegeben. Daher handele es sich bei dem Mietanteil um ganz gewöhnliche, unbeschränkt abziehbare Werbungskosten. Die von der Finanzverwaltung vorgenommene Ausdehnung der gesetzlichen Abzugsbeschränkung für häusliche Arbeitszimmer auch auf außerhäusliche Arbeitszimmer sei dem Gesetz nicht zu entnehmen. Die hiervon abweichende Ansicht des Einzelrichters des 7. Senats des Finanzgerichts Köln lehnten die Richter des 8. Senats ausdrücklich ab: Wenn der Gesetzgeber außerdem außerhäusliche Arbeitszimmer hätte treffen wollen, dann hätte er dies im Gesetzestext hinreichend deutlich machen müssen.

Ferner seien die Arbeitszimmerkosten auch dann in voller Höhe anzuerkennen gewesen, wenn man die Beschränkung für Arbeitszimmer anwenden wollte: Denn das Arbeitszimmer ist voll absetzbar, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet. Dies bejahte das Gericht, weil der Steuerpflichtige 78 % seiner gesamten Einnahmen im Arbeitszimmer verdient hatte. Wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache ließ das Finanzgericht aber die Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) zu.

Anders entschied in einem ähnlichen Fall das Finanzgericht Münster. Es sah zwei auf derselben Etage gelegene Wohnungen als Einheit an, weil beide Wohnungen auf Grund eines einheitlichen Mietvertrages zu demselben Zeitpunkt angemietet worden waren (Az.: 11 K 1454/00 E). Hieraus lässt sich der Schluss ziehen, dass eine Würdigung als "einheitliche" Wohnung bei getrennten Mietverträgen offenbar schwerer fällt. Auch hierüber wird BFH das letzte Wort haben.

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