Finanzgerichte Münster und Köln urteilen großzügig
Praktikum und Promotion absetzbar

Aufwendungen für ein studienbegleitendes Praktikum können ausnahmsweise vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit sein, wenn ein hinreichend konkreter Zusammenhang mit späteren Einnahmen besteht.

df DÜSSELDORF. Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) seine Rechtsprechung zur steuerlichen Abzugsfähigkeit von Ausbildungskosten geändert hat, folgen nun auch die Finanzgerichte (FG) mit großzügigeren Entscheidungen. So hat das FG Münster entschieden: Aufwendungen für ein studienbegleitendes Praktikum können ausnahmsweise vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit sein, wenn ein hinreichend konkreter Zusammenhang mit späteren Einnahmen besteht. Und das FG Köln kommt zu dem Ergebnis, dass nach der Änderung der BFH-Rechtsprechung Promotionskosten eines wissenschaftlichen Mitarbeiters an der juristischen Fakultät stets Werbungskosten seien.

Im Urteilsfall des FG Münster hatte ein BWL-Student studienbegleitend in einer Londoner Niederlassung seines späteren Arbeitgebers ein Praktikum absolviert. Er machte Aufwendungen von 14 291 DM als Werbungskosten geltend (Reisekosten, doppelte Haushaltsführung).

Das FG meint, dass in einem solchen Fall die Voraussetzungen dafür geschaffen worden seien, dass der Steuerpflichtige wie in einer Probezeit seine Fähigkeiten und Kenntnisse unter Beweis stellte, um künftig Einnahmen zu erzielen. Zwar sei es im Rahmen des Studiums der Betriebswirtschaft üblich und wünschenswert, Praktika abzulegen, die in der Regel aber nur der Berufsvorbereitung dienten und deshalb den Ausbildungskosten zuzuordnen seien. Ausnahmsweise seien sie jedoch vorweggenommene Werbungskosten, wenn sie konkret auf die Anstellung bei einem bestimmten Arbeitgeber hinzielten und auch zu einem solchen Erfolg führten.

Im Fall des FG Köln stellten die Richter fest, dass zu den abzugsfähigen Promotionskosten auch die Aufwendungen für eine durch die Promotion veranlasste doppelte Haushaltsführung gehörten. Ein Forschungsstipendium sei aufwendungsmindernd zu verrechnen.

Der Promovend war nach dem zweiten juristischen Staatsexamen als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei dem Seminar einer Universität angestellt worden. Die Promotionsmöglichkeit war wesentlicher Bestandteil des Arbeitsverhältnisses. Im Rahmen seiner Promotion hielt er sich zu Forschungszwecken für einige Monate in der Schweiz auf, was eine doppelte Haushaltsführung bedingte. Zwar hat der BFH bisher Promotionskosten nicht als beruflich veranlasst angesehen. Das FG Köln ist jedoch der Meinung, dass nach der neuen Rechtsprechung des BFH nunmehr auch Aufwendungen für eine Promotion zumindest dann grundsätzlich beruflich veranlasst sind, wenn zwischen dem Arbeitsverhältnis des Doktoranden und der Doktorarbeit ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht. Dies sei bei einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, dem während seiner Dienstzeit Gelegenheit zur Promotion gegeben werde, der Fall. Die Promotion gehöre dann nicht mehr zur Berufsausbildung. Das FG hat die Revision zugelassen, da die Frage der Promotionskosten als Werbungskosten immer noch grundsätzliche Bedeutung habe.

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