Finanzgesellschaft kauft, saniert und bringt Traditionsfirmen an die Börse
Opera mischt Italiens Luxus-Branche auf

Italiens Luxusgüterindustrie ist nicht in der besten Verfassung. Die Mehrzahl der Unternehmen sind zu klein für den Weltmarkt - viele der Familienfirmen kämpfen mit Nachfolgeproblemen. Opera, eine junge Finanzierungsgesellschaft, will den Strukturwandel beschleunigen und damit auch noch Geld verdienen.

MAILAND. Mit einem innovativen Geschäftsmodell mischt die Finanzierungsgesellschaft Opera die mittelständische Luxusgüterindustrie in Italien auf: Gemeinsam mit dem strategischen Partner, dem Römer Schmuckkonzern Bulgari, hat Opera 225 Mill. Euro bei privaten und institutionellen Investoren (u.a. Deutsche Bank, IntesaBci) eingesammelt und kauft nun Unternehmen auf, die typische "Made in Italy"-Produkte herstellen. Opera-Chef Renato Preti interessieren Firmen, die über starke Marken verfügen, diese aber wegen familiärer Nachfolge- oder Managementprobleme nicht optimal verwerten. Ziel der Investoren ist es, mit Hilfe der Branchenkenntnisse von Bulgari die akquirierten Unternehmen auf Erfolg zu trimmen und sie innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre an die Börse zu bringen.

Laut einer Studie der Uni Mailand ist der Bedarf riesig: Viele der in den letzten Jahrzehnten gegründeten Hersteller von Lederwaren, Mode oder Möbeln kämpfen mit typischen Schwierigkeiten von Familienfirmen: wenig Internationalität, schwache Finanzstruktur, wenig professionelle Führungskräfte. Oft wird die Lebensleistung des Gründers durch Missmanagement der Erben in Frage gestellt.

"In einer ersten Untersuchung haben wir 120 Firmen geortet, die für uns in Frage kommen - das wahre Potenzial dürfte aber weit darüber liegen", sagt Preti, ein ehemaliger Direktor der Deutschen Morgan Grenfell, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bislang hat Opera fünf Mal zugeschlagen und dadurch knapp die Hälfte seiner zur Verfügung stehenden Mittel investiert: Neben dem Hersteller hochwertiger Motoryachten Itama, dem Versandhandel für italienische Feinkost A.G. Ferrari, dem Gartenmöbelhersteller Unopiu, sind mittlerweile der Uhrenproduzent Sector und der Schuh- und Lederwarenspezialist Bruno Magli übernommen worden. Mitgeboten hat Opera auch bei der Privatisierung des sizilianischen Weinhauses Corvo Duca di Salaparuta und beim Verkauf des Römer Edelschneiders Valentino.

Opera kam dabei aber nicht zum Zug. Preti: "In den kommenden 18 Monaten wollen wir weitere vier bis fünf Akquisitionen tätigen. Dabei blicken wir insbesondere auf Unternehmen, die schöne Dinge für das Haus herstellen - beispielsweise Möbel oder Lampen." Er glaubt, dass in diesem Bereich anders als zum Beispiel bei Bekleidung noch viel Platz für die Schaffung bekannter Marken sei.

In der Branche hat sich Opera bereits einen guten Ruf erarbeitet. Auf der einen Seite habe die Finanzierungsgesellschaft stets zu sehr günstigen Preisen eingekauft. Auf der anderen Seite seien in den akquirierten Unternehmen bereits jetzt beachtliche Fortschritte zu vermelden, sagt ein Insider. Beispiel Sector: Der Uhrenhersteller, der sich zum Zeitpunkt der Übernahme in einer Krise befand, setzt nun analog zur Brillenindustrie auf die Lizenzproduktion großer Marken. So stellt Sector die Uhren des momentan sehr trendigen Modeschöpfers Roberto Cavalli her. Nach einem operativen Fehlbetrag von 7 Mill. Euro im letzten Jahr soll in diesem Jahr bereits ein Gewinn von 9 Mill. Euro erzielt werden.

Renato Preti glaubt, dass sein Projekt große Wachstumschancen hat. "Wir können uns vorstellen, das Geschäftsmodell in andere europäische Länder zu exportieren." Wenn die ersten 225 Mill. Euro ausgegeben sind, will der smarte Ex-Banker eine zweite Tranche auflegen. Er hält es für realistisch, weitere 500 Mill. Euro aufzutreiben - "denn hochwertige Konsumgüter aus Italien können eine Goldgrube sein."

Quelle: Handelsblatt

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