Finanzgruppe leicht besser als revidierte Prognose
Auch Fortis muss Gewinneinbruch hinnehmen

Die belgisch-niederländische Finanzgruppe Fortis hat zum ersten Mal in seiner zwölfjährigen Geschichte einen Gewinnrückgang verzeichnet, die Prognosen der Analysten aber noch übertroffen

Reuters AMSTERDAM.Der operative Nettogewinn sei um vier Prozent auf 2,267 Mrd. Euro gesunken, teilte Fortis, eine der größten Bank- und Versicherungsgruppen in Europa, am Mittwoch in Amsterdam mit. Branchenexperten hatten bereits mit dem Einbruch gerechnet und ein Ergebnis zwischen 2,234 und 2,243 Mrd. Euro erwartet. Im Februar hatte der Konzern noch einen Gewinnrückgang von fünf Prozent angekündigt. Zuvor hatte Fortis bereits zwei Mal in drei Monaten die Prognosen nach unten korrigiert. Das Unternehmen nannte keine Geschäftsaussichten für das laufende Jahr, was die Aktien an der Amsterdamer Börse um mehr als zwei Prozent ins Minus drückte.

Die Gruppe, die bei Analysten als eine traditionell sichere Investition gilt, litt nach eigenen Angaben vor allem unter den höheren Provisionen, die durch missglückte Investitionen und Darlehen als Folge des wirtschaftlichen Abschwungs entstanden waren. Weitere Ursachen seien die Argentinienkrise und der Bankrott des Energiekonzerns Enron. "Unser Ergebnis ist durch außerordentliche Investitionsaufwendungen und durch zusätzliche Rückstellungen für das Kreditgeschäft und die Investment Portfolios belastet worden, die unserer Risikovorsorgepolitik entsprechen", sagte Fortis-Chef Anton van Rossum.

Im vergangenen Jahr seien aber bereits 180 Mill. Euro durch Restrukturierungen eingespart worden, fügte Finanzvorstand Gilbert Mittler hinzu. Bis Ende 2003 sollen insgesamt 3400 Vollzeit-Arbeitsplätze abgebaut werden, teilte Fortis mit.

Versteckte Risiken

Analysten zeigten sich vor allem über den fehlenden Ausblick enttäuscht. "Die Ergebnisse waren im Rahmen dessen, was wir nach der letzten Gewinnwarnung erwartet hatten. Mehr Sorgen macht, dass Fortis immer als sicherere Option gehandelt wurde. Jetzt ist klar, dass es versteckte Risiken gibt - ich meine das Engagement in Lateinamerika und bei Enron", sagte Krijn Moens, Fondsmanager bei Eureffect. "Die Leute haben erwartet, dass die Zahlen nicht sonderlich gut werden würden, aber sie hofften darauf, dass Fortis ihnen die Prognosen liefere. Das tat das Unternehmen nicht und das ist sicherlich eine Enttäuschung", fügte Moens hinzu. Der Fortis-Konkurrent ING Groep NV hatte im Februar ebenfalls erklärt, es sei zu früh, die Geschäftszahlen des laufenden Jahres zu prognostizieren.

An der Amsterdamer Börse fiel der Kurs der Fortis-Aktie am Mittwochvormittag um rund 2 % auf 25,43 Euro.

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