Finanzgruppe profitiert von Reformdruck: Sparkassen verlieren ihre Sonderstellung

Finanzgruppe profitiert von Reformdruck
Sparkassen verlieren ihre Sonderstellung

Bis zum Jahr 2005 werden die staatlichen Haftungsgrundlagen für Sparkassen und Landesbanken in Deutschland auf Brüsseler Druck drastisch geändert. Die Gewährträgerhaftung entfällt, die Anstaltslast wird so modifiziert, dass sie mit dem EU-Recht im Einklang steht.

DÜSSELDORF. "Dadurch wird für die Sparkassenorganisation der Schutzzaun eingerissen, der sie noch ein ganzes Stück weit vom Wettbewerb abschirmt hat", sagt Stefan Stein, Geschäftsführer des Bochumer Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft. Schließlich wird die Haftung des Staates eingeschränkt, zudem müssen die Institute ihr Eigenkapital künftig marktgerecht verzinsen.

Bisher profitieren vor allem die Landesbanken von den Staatsgarantien. Mit dem Staat als Bürgen im Rücken attestieren ihnen die internationalen Ratingagenturen eine Top-Bonität, so erhalten sie bessere Refinanzierungskonditionen an den internationalen Kapitalmärkten als ihre privaten Konkurrenten. Dies sichert ihnen geschäftliche Vorteile. Doch damit ist in zwei Jahren Schluss.

Dies hat spannende Folgen für die Unternehmenssteuerung in den Landesbanken und Sparkassen. "Doch wegen der bis Mitte 2005 eingeräumten Schonfrist werden die Konsequenzen heute teilweise noch unterschätzt", sagt Bankenfachmann Stein. Die Institute der Sparkassenorganisation werden sich in der Frage nach einer angemessenen Verzinsung auf das Eigenkapital für die Bankeigentümer den privaten Banken deutlich annähern. "Um sich künftig ein gutes ?stand alone?-Rating ohne Staatsgarantien zu erarbeiten, werde der Shareholder Value als modernes Unternehmensführungs-Konzept das aus dem öffentlichen Fördergeschäft resultierende Kostendeckungsprinzip verdrängen", prognostiziert Stein. Konkret: Die monierte Wettbewerbsverzerrung bei den Kreditpreisen durch den Status der Sparkassen ist absehbar passé. Dies sehen auch die privaten Banken so, die durch ihre Klage in Brüssel, die Veränderungen ausgelöst haben "Wir erwarten in Zukunft einen fairen Wettbewerb", sagt ein Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).

Die Sparkassenorganisation hat reagiert. Seit der Brüsseler Einigung im Juli 2001 legte sie den Reformgang ein. Innerhalb von vier Jahren will die größte Finanzgruppe der Welt mit allein mehr als 50 Millionen privaten Kunden ohne Garantien fit für den Wettbewerb sein. Deshalb präsentierte Sparkassenpräsident Dietrich H. Hoppenstedt im Herbst ein Strategiepapier, mit dem die Organisation auf Kurs gebracht werden soll. Kernziel ist eine Kräftebündelung des zersplitterten Verbundes. Beispielsweise soll die niedrige Cross-Selling-Quote erhöht werden, sprich Sparkassen, öffentliche Versicherer und Bausparkassen sollen mehr Produkte voneinander verkaufen. Gleichzeitig sollen Doppelarbeiten vermindert werden indem Abwicklungsaufgaben zentralisiert werden. Bis 2005 soll das Ergebnis der Sparkassenorganisation um 0,4 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme steigen.

Geschieht dies alles, könnte der Wettbewerb für die Konkurrenten der privaten und genossenschaftlichen Banken härter werden. So erwartet Wolfgang Gerke, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, ein Erstarken der Sparkassen: "Brüssel hat sie zu ihrem Glück gezwungen." So hätten die Sparkassenmanager heute deutlich mehr Handlungsspielraum als früher. Sie könnten sich besser gegen Begehrlichkeiten öffentlicher Eigentümer wie Kommunen wehren. Außerdem könnten sie leichter unpopuläre Maßnahmen in ihren eigenen Häuser umsetzen. Gerkes Fazit: "Mittlerweile ist eine Reihe Sparkassen zukunftsfähiger als vor der Brüsseler Entscheidung."

Mittlerweile haben die Landesparlamente die Sparkassengesetze geändert. Dabei behalten fast alle Länder von Kiel bis München die bisherige Rechtsform "Anstalt Öffentlichen Rechts" für die Sparkassen bei. Allerdings wird die gesetzliche Haftung an die beschränkte Haftung einer Kapitalanlagegesellschaft angepasst.

Bankenexperte Gerke erwartet nach der internen Reform der Sparkassen-Finanzgruppe vorerst keine sektorübergreifenden Fusionen. Vielmehr sieht er das Dreisäulenmodell der Kreditwirtschaft aus Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken gestärkt.

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