Finanzguru Jim Rogers kauft ein, wenn sich am Markt Katerstimmung breit macht
Rohstoffaktien gehört die Zukunft

Schöne Frauen, Abenteuerreisen rund um die Welt und Investieren - In dieser Reihenfolge beschrieben Freunde die Leidenschaften von Jim Rogers vor ein paar Jahren. Die beiden ersten Kategorien hat der Finanzjongleur mittlerweile ausgiebig ausgekostet, bleibt also das Investieren, das er weiter mit voller Kraft betreibt.

Warum sollte ein Investor auf diesen Glückspilz hören? Ganz einfach: Der Erfolg spricht für Rogers. Zusammen mit der Anleger-Legende George Soros hatte er 1970 den Quantum Fund aus der Taufe gehoben. Der Fonds legte in den ersten zehn Jahren nach seiner Gründung 4 200 Prozent zu. Rogers konnte es sich leisten, 1980 im Alter von 37 Jahren dem Erwerbsleben für immer den Rücken zu kehren und von seinem Investitionstalent zu leben. "Mir geht es richtig gut, ich kann immer noch meine Stromrechnungen zahlen", sagt er. "Wenn ihr hört, dass ich einen Job angenommen habe, dann wisst ihr, dass etwas schief gelaufen ist."

Sein Credo für die nächsten Jahre heißt: Rohstoffe. Am 1. August 1998 hat Rogers seinen eigenen Commodity-Index aufgelegt und einen Fonds, der auf dem Index basiert. Laut Barclay Trading Group Ltd. hat der Index mit einer Jahresrendite von 14 Prozent bis Ende März alle anderen führenden Aktien-, Renten- oder Rohstoffbarometer weltweit übertroffen. Und nach Meinung von Rogers kann es nur weiter nach oben gehen. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren sei in diesem Sektor wenig in die Produktionskapazitäten investiert worden. Jetzt steige die Nachfrage nach Rohstoffen aus den großen aufstrebenden Ländern wie Indien oder China.

Das führe natürlich zu höheren Preisen. Beispiel Rohöl: "Man kann die Zahl der seit 1981 errichteten Offshore-Bohrtürme an zwei Händen abzählen, nachdem in den siebziger Jahren Dutzende pro Jahr in Betrieb gegangen waren", sagt Rogers. Auch wenn der Rohölpreis jüngst infolge der Fortschritte der alliierten Truppen im Irak-Krieg leicht gefallen sei, langfristig werde er trotz Entspannung auf einem hohen Niveau verharren. "Er wird nicht auf zwölf Dollar pro Barrel sinken", prognostiziert Rogers.

Für ein hohes Preisniveau bei Rohstoffen sprechen zudem die niedrigen Lagerbestände. Mitte der achtziger Jahre lag die weltweite Bevorratung bei etwa 35 Prozent des jährlichen Nahrungsmittelverbrauchs. Diese Zahl liege jetzt bei zehn bis zwanzig Prozent. Und die Rohstoffpreise profitierten traditionell von kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Irak-Konflikt sei nicht der letzte Krieg gewesen, mit dem man zu rechnen habe.

Investoren haben demnach die Wahl: Sie können Terminkontrakte oder Aktien von Rohstoffproduzenten kaufen. Als Alternative bietet sich eine Investition in Länder mit großen Rohstoffressourcen wie Kanada, Australien, Neuseeland oder Südafrika an. "Man muss sich nur einen Atlas holen und nachschlagen, wer produziert und wer verbraucht." Bei Aktien im allgemeinen ist Rogers so optimistisch, dass er ganz untypischerweise derzeit keinerlei Short-Positionen hält, also auch nicht auf fallende Kurse bei einzelnen Titeln setzt. Seit Juli sei hysterisch agiert und in überzogenem Maß verkauft worden. In einem solchen Umfeld müsse ein Investor gegensteuern.

Zu seinen Lieblingsmärkten zählen Japan, Deutschland, die Niederlande und Österreich. Die ersten drei habe es bisher am härtesten erwischt. In Japan herrsche die blanke Angst. Zudem bediene die japanische Zentralbank die Geldpresse mit großer Geschwindigkeit. Die Ankündigungen der Regierung, durch Aktienrückkäufe den Finanzmarkt zu stützen und das Bankwesen zu reformieren, würden schließlich greifen, meint Rogers. Der Aktienmarkt in Österreich werde in den nächsten Jahren zum Star in Europa avancieren.

Der Grund seien äußerst attraktive Steuervergünstigungen, mit denen die Aktienkultur im Land gefördert werden soll. Zu seinen Favoriten in Europa zählt Rogers Rüstungsunternehmen und kleinere Banken. Beide Branchen steuerten auf ein Konsolidierung zu. Und Europa werde mehr für die Rüstung ausgeben, mutmaßt Rogers angesichts der aktuellen Krisenherde in der Welt.

Im Bankensektor investiere er in Aktien von Instituten, von denen er wisse, dass sie früher oder später aufgekauft werden. Wenn man sich nicht für ein Genie im Stock-Picking halte, sei es momentan das beste, Exchange-traded Funds zu kaufen, also börsennotierte Fonds, die verschiedene Indizes nachbilden. "Sie sind sehr liquide, sehr billig und steuerlich äußerst vorteilhaft." "Ich halte Ausschau nach Veränderungen, kaufe billig und verkaufe teuer", beschreibt Rogers seinen Investment-Stil. Auch wenn er sich selbst nicht als "Contrarian" sieht, gibt Rogers offen zu: "Ich kaufe, was andere Leute nicht kaufen."

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