Finanzhäuser haben zu wenig Zeit für intelligente Maßnahmen
Analyse: Kapitalmarkt drängt Banker zu kurzatmigen Kostensenkungen

Auf die deutschen Banken rollt eine Entlassungswelle zu. Das behaupten Unternehmensberater. Anders die Finanzhäuser selbst, die ihre Lage längst nicht so verzweifelt sehen. Doch diese Zuversicht werden ihnen wohl nur wenige abnehmen.

Denn die Banken stehen unter immer stärkerem Druck ihrer Kapitalgeber, die im internationalen Vergleich zu hohen Aufwand-Ertrags-Relationen zu senken. Das wird seit langem gesehen. Doch bisher war der Schmerz nie groß genug, ernsthaft dagegen anzugehen. Jede Bank beeilte sich in den vergangenen Jahren, Millionen in die Informationstechnologie zu investieren, Top-Banker mit atemberaubenden Boni zu umwerben und international Präsenz zu zeigen. Fast jede Investition schien mit Blick auf die Börseneuphorie gerechtfertigt.

Heute hat sich das Bild gewandelt: Ein lakonischer Hinweis auf die am Boden liegenden Kapitalmarkterträge reicht, jede Sparmaßnahme durchzusetzen. Einige Beispiele: Allianz und Dresdner Bank entlassen 1 500 Investment-Banker, die Deutsche Bank streicht ihre Investitionen in das Internet kräftig zusammen, die Commerzbank gibt ihre globalen Ambitionen in der Vermögensverwaltung auf.

Dabei scheinen die Banken gehetzt, ihre Maßnahmen kurzatmig. Der Rückzug von globalen Märkten ist offenbar eine Entscheidung, die einige Banken schnell und leicht treffen. Grünes Licht für eine Kooperation mit Konkurrenten im Back-Office zu geben fällt hingegen offenbar sehr schwer. Dabei ist gerade das Back-Office, also die für Kunden nicht sichtbare Abwicklung von Wertpapiergeschäften oder dem Zahlungsverkehr, ein Paradebeispiel für enorme Kostenvorteile durch Größe. Der Vergleich zeigt: Weit reichende, kaum zu quantifizierende Entscheidungen werden in deutlich kürzerer Zeit getroffen als solche, die auf Basis klarer Zahlen gefällt werden können. Das scheint paradox. Eine Ursache hierfür sind die Ansprüche des Kapitalmarktes. Er will von den Banken ein hartes, schnelles Durchgreifen sehen: den Rückzug aus geografischen Märkten, den Abschied von Randaktivitäten, den Verkauf von Tochterunternehmen.

Das wird selten so reibungslos funktionieren, dass keine Mitarbeiter entlassen werden müssen. Die Banken hängen aber zu stark von ihren Kapitalgebern ab, um diese Forderungen ignorieren zu können.

Maßnahmen, die langsam, aber nachhaltig die Kosten senken und keine Mitarbeiter um den Job bringen, interessieren die Börsianer leider wenig. Die Commerzbank etwa wird bestraft, weil ihr Strategieprogramm tatsächlich mehr als einige Monate brauchen wird, um sich in der Rendite niederzuschlagen. Das ist das Problem aller Banken. Intelligente Kostensenkungsmaßnahmen, die knifflig sind und Zeit brauchen, finden keinen Beifall. Analyseinstrumente, um die lukrativen Kunden und Produkte von den Kostentreibern unterscheiden zu können; oder Methoden, die Produktvielfalt zu reduzieren, ohne den Kundennutzen einzuschränken, um nur zwei Beispiele zu nennen. Opfer dieser Kurzatmigkeit sind die Mitarbeiter, die ihren Hut nehmen müssen. Und vielleicht beim nächsten Börsenboom wieder händeringend gesucht werden. Denn die Börse verleitet die Banken dazu, prozyklisch zu handeln - statt zu investieren, wenn die Preise niedrig sind.

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