Finanzhäuser haben zum Teil Schwierigkeiten bei der Bewertung von Sicherheiten
Studie: Basel II erleichtert Kredite an den Mittelstand

Große internationale Institute rechnen mit gleich bleibenden Kapitalbelastungen durch die neuen Eigenkapital-Richtlinien. Deutlich spürbar sind aber die Erleichterungen für Kredite an kleine und mittlere Firmen. Dies zeigen Proberechnungen von 365 Banken auf der ganzen Welt, die gestern vorgestellt wurden.

nw FRANKFURT/M. Die Wirkungen der geplanten neuen Eigenkapitalregeln für Banken ("Basel II") werden immer konkreter: Die Ergebnisse der dritten Wirkungsstudie, genannt QIS 3, zeigten, dass die Ziele von Basel II erreicht würden. Dieses Fazit ziehen die verantwortlichen Notenbanker und Finanzaufseher in der am Montag veröffentlichten Studie. Ihre Begründung: Die Mindestkapitalanforderungen an große international tätige Banken blieben weitgehend unverändert gegenüber der heute gültigen Praxis. Diese Bankengruppe hätte zudem genügend Anreize, den anspruchsvollsten der drei möglichen Basel II-Ansätze für das Kreditrisiko zu wählen. Das heißt: Es lohnt sich für die Banken, viel Geld in die Verbesserung ihrer Risikomessung und-steuerung zu investieren. Kleinere, mehr auf ihren Heimatmarkt fokussierte Häuser in der EU und den G 10-Staaten könnten bei Anwendung fortgeschrittener Methoden - das sind vor allem bankinterne Ratingverfahren - mit deutlich niedrigeren Eigenkapitalanforderungen rechnen. Dies liege in erster Linie an dem oft hohen Anteil des Massengeschäfts (Retail), für das Basel II Erleichterungen schafft.

Zwischen Banken und Ländern gibt es allerdings große Unterschiede. Die beiden Extreme sind: eine zusätzliche Kapitalbelastung von 103 % des heutigen Wertes und eine Entlastung um 67 %.

Die Wirkungsstudie zeigt aber auch, dass Banken noch Schwierigkeiten haben, die Anforderungen von Basel II zu erfüllen: Vor allem bei der Dokumentation und Bewertung von Kreditsicherheiten registrieren die Basel II-Verantwortlichen Mängel. Die gleichen Defizite haben auch Rolf Friedhofen und Friedemann Loch von der Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers festgestellt. Zudem gibt es nur wenige Banken, die im Rahmen des Probelaufes QIS 3 die schwierigsten Ansätze der je drei Möglichkeiten für das Kreditrisiko und das operationelle Risiko testen konnten oder wollten. Operationelle Risiken sind etwa Betrug, Terror oder ein Ausfall der IT-Systeme.

In Deutschland wird erwartet, dass nur wenige Banken das einfachste der drei Basel II-Modelle, den Standardansatz, wählen werden. Experten rechnen damit, dass die Mehrzahl einen der beiden fortgeschrittenen, auf internen Ratingsystemen basierenden Ansätze wählt. Für diese Ansätze haben die QIS 3-Proberechnungen folgendes gezeigt: Große international tätige EU-Banken müssen 13 % weniger Eigenkapital für Kreditrisiken hinterlegen. Kleinere national orientierte Häuser werden sogar um 27 % entlastet. Die größte Erleichterung gibt es für Kleinkredite an Private und Unternehmen sowie für große Firmenkredite. Für große Banken aus den USA und Japan ergibt sich ein ähnliches Bild. Wie stark die Entlastung für das Kleinkreditportfolio ausfällt, hänge stark vom Anteil der Hypothekenkredite am Portfolio ab, heißt es in der Wirkungsstudie. Für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen mit guter oder durchschnittlicher Kreditqualität ergäben sich deutliche Entlastungen.

Die niedrigere Kapitalbelastung für diese Kredittypen führt aber nicht unbedingt zu generell besseren Konditionen für die Kreditkunden. Vielmehr können Kreditnehmer guter Bonität in Zukunft mit günstigeren Zinsen rechnen - und umgekehrt. Insgesamt sind die Margen in Deutschland heute aber noch vergleichsweise gering und decken oft nicht das Kreditrisiko ab. Erstmals fordert Basel II auch die Unterlegung der operationellen Risiken mit Eigenkapital. Die Konsequenz: Verlierer von Basel II sind Banken, die sich stark in Geschäftsfeldern engagieren, die durch operationelle Risiken gefährdet sind, etwa die Wertpapierverwahrung und-abrechnung.

Basel II soll im Herbst beschlossen werden und Ende 2006 in Kraft treten. Der jüngste Entwurf des Regelpakets, das so genannte dritte Konsultationspapier, wurde vergangenen Dienstag veröffentlicht.

Quelle: Handelsblatt

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