Finanzhilfen für die ärmsten Länder fließen nur spärlich
Dritte Welt steckt fest in der Armutsfalle

Die 640 Millionen Menschen in den ärmsten Ländern der Welt müssen sich auf eine düstere Zukunft gefasst machen. Trotz einiger ermutigender wirtschaftlicher Signale verharrt die überwiegende Mehrzahl der Bewohner unter der Armutsgrenze: vier von fünf Personen fristen ihr Dasein mit maximal 2 Dollar pro Tag.

GENF. Das schreibt die Uno-Agentur für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Unctad) in ihrem neuesten Bericht über die 49 am wenigsten entwickelten Staaten der Welt (LDC).

Auf der Liste der LDC finden sich etwa Afghanistan, Angola, Eritrea, Äthiopien, Kambodscha, Mosambik oder Sambia - Länder, die durch ein extrem niedriges Pro-Kopf-Einkommen, schlecht ausgebildete Arbeitskräfte und eine kaum vorhandene Infrastruktur auffallen. Zwar bestünde die Möglichkeit, die verheerende Armut durch nachhaltiges ökonomisches Wachstum erfolgreich zu bekämpfen. Aber die meisten der betroffenen Länder sitzen laut Unctad fest in einer "internationalen Armutsfalle", aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Denn die "übergreifende Armut" in vielen LDC behindert fast alle ökonomischen Aktivitäten.

Weder die privaten noch die nötigen öffentlichen Investitionen können in einem ausreichenden Maße durchgeführt werden, um die darniederliegenden Volkswirtschaften zu entwickeln. "In Gesellschaften mit einer übergreifenden Armut wirkt die Armut an sich beschränkend auf die ökonomische Entwicklung." Zudem macht die Unctad auch die reichen Staaten für die Misere der Ärmsten verantwortlich - wenn auch indirekt: "Die gegenwärtige Form der Globalisierung verschärft die Bedingungen der Armutsfalle." Deshalb breite sich die Armut rasend schnell aus.

"In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, beinahe verdoppelt, von 138 Millionen in der zweiten Hälfte der 60er Jahre auf 307 Millionen in den späten 90er Jahren." Auch wenn die ernüchternden Daten überwiegen, präsentiert die Unctad einige ermutigende Trends. So steigerten 49 Länder ihr Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt um 4,5 % in den Jahren von 1997 bis 2000. Damit hätten die LDC die übrigen Entwicklungsländer sogar überflügelt. Allerdings hält in vielen der ärmsten Ländern das Wachstum der Wirtschaft mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht Schritt.

Getragen wurde der moderate Aufwärtstrend in den LDC durch den Export. Im Jahr 2000 erzielten die ärmsten Länder einen Rekorderlös von 31,3 Mrd. $. Getrübt wird das Bild jedoch von der Abhängigkeit der Gesamtausfuhren vom Öl: Der Rohstoff macht fast ein Drittel der Ausfuhren aus. Und das extreme Schwanken der Preise für Rohstoffe und Agrargüter macht die LDC noch verwundbarer.

Besonders hart trifft die ärmsten Länder auch das Desinteresse ausländischer Investoren. Deutlich weniger als 1 % des gesamten Engagements entfällt auf die Hunger-Staaten Asiens und Afrikas. Auch die Hilfsgelder aus den reichen Staaten fließen immer spärlicher: Bezogen auf die Bevölkerung gingen Spenden und Zuschüsse von staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen um fast ein Drittel zurück.

Auch wegen der extrem hohen Schuldenlast, unter der die ärmsten Länder noch immer ächzen, warnt die Unctad: "Es besteht die Gefahr, dass das Wachstum der LDC wieder auf das schwache Niveau von vor zehn Jahren zurückfällt."

Quelle: Handelsblatt

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