Finanzhilfen sollen möglichst schnell zurückgezahlt werden
Mobilcom will Internet-Tochter Freenet verkaufen

Die vor der Insolvenz gerettete Mobilcom AG, Büdelsdorf, will ihr Tafelsilber verscherbeln. Mit dem Erlös will das Mobilfunkunternehmen die staatliche Finanzspritze von mehr als 160 Mill. Euro möglichst schnell zurückzahlen.

HB/lip HAMBURG. "Wir wollen die Staatsmittel weitgehend zurückzahlen", sagte Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz dem Handelsblatt. Der Aufsichtsrat soll hierüber auf seiner nächsten Sitzung am 4. Dezember informiert werden.

Der Vorstand plant unter anderem teilweise den Verkauf von Aktien der Internet-Tochter Freenet AG an institutionelle Anleger. Mobilcom ist mit rund 76 Prozent an der Neuer-Markt-Firma beteiligt. Unterstützung bei der Suche nach einem Investor erhält das Büdelsdorfer Unternehmen durch die Deutsche Bank. In Branchenkreisen wird als möglicher Interessent für Freenet der Firmengründer Gerhard Schmid genannt. Eine Schmid-Sprecherin hatte aber erst vor kurzem entsprechende Kaufabsichten des Ex- Mobilcom-Chefs zurückgewiesen.

Die Büdelsdorfer Firma bemüht sich zudem nach dem Rückzug aus dem UMTS-Geschäft, ihre rund 900 Basisstationen zu veräußern. Mehrere Interessenten hätten sich hierfür bereits gemeldet. Zu ihnen zählen nach Informationen des Handelsblatts E-Plus, T-Mobile sowie Q2. Die Preisvorstellungen von Mobilcom liegen nach unternehmensinternen Informationen bei rund 480 Mill. Euro. Ein eventueller Verkaufserlös käme allerdings zu 90 Prozent dem Pariser Mobilcom-Großaktionär France Télécom zugute, der die Anlagen bezahlt hat.

Noch nicht unter Dach und Fach ist weiterhin der geplante Verkauf des Festnetzes an die Freenet AG. Grund hierfür sind unterschiedliche Preisvorstellungen. "Wir gehen davon aus, dass wir uns einigen werden", sagte Mobilcom-Chef Grenz.

Mobilcom hat inzwischen die Kosten für die UMTS-Lizenz und die bisherigen Investitionen in ein neues Handy-Netz vollständig abgeschrieben und dadurch das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem Milliardenverlust beendet. So betrug der Fehlbetrag vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2,9 Mrd. Euro. "Alle Risiken aus dem UMTS-Geschäft sind bilanziell verarbeitet", sagt Grenz. Damit verfüge das Mobilfunkunternehmen im nächsten Jahr über eine deutlich günstigere Kostenposition, weil allein Beratungskosten in Milliardenhöhe wegfielen. Die Büdelsdorfer Gesellschaft will deshalb im ersten Halbjahr 2003 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Mobilcom will sich ferner aus dem Neuen Markt verabschieden und in den Tec-Dax 30 wechseln. "Einen entsprechenden Antrag werden wir zum Jahresende stellen", kündigt Grenz an. Der Börsenkurs sank gestern um 3 Prozent auf 4,80 Euro.

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