Finanzielle Zwänge
Kabelbetreiber Ish streicht Angebot zusammen

Der in Nordrhein-Westfalen tätige Kabelnetzbetreiber Ish wird angesichts finanzieller Zwänge sein Angebot einschränken und künftig keine Telefon-Dienstleistungen mehr vermarkten.

Reuters KÖLN. Der für Wettbewerb und Regulierung bei Ish zuständige Manager Eric Heitzer sagte am Montag auf einer Branchenkonferenz in Köln, Telefoniedienste über das eigene Kabelnetz würden nicht mehr aktiv vermarket. Zwar könnten in Nordrhein-Westfalen 1,1 Millionen Kunden Telefondienste angeboten werden, doch sei die Bereitschaft der Kunden, ihren Telefonanschluss bei ihrem bisherigen Anbieter zu kündigen und bei Ish in Auftrag zu geben, "nicht sehr hoch". Heitzer sagte, "wir rechnen nicht mit relavanten Kundenbewegungen". Statt auf Telefonie konzentriere sich das Unternehmen auf Internet-Dienste und die Verbreitung von Digital-TV vom Jahr 2004 an.

Grund für das zurückhaltende Diensteangebot seien finanzielle Engpässe. In der Branche gebe es niemanden, der über ausreichende Finanzmittel verfüge. Um weitere Dienstleistungen wie Digital-TV und Telefonie über das Kabelnetz anbieten zu können, seien "in erheblichem Umfang" Investitionen nötig. Doch seien dafür weder die Investoren zu finden, noch gäben die Investoren den Anbietern wie in der Vergangenheit freie Hand für eine zwei- bis dreijährige Experimentierphase mit neuen Diensten. "Es gibt keine Vorlaufzeit mehr", sagte Heitzer.

Mit seiner Absage an die Vermarktung neuer multimedialer Angebote dämpft Ish erneut die Erwartung, die Kabelnetze als konkurrierende Technologie zum Telefonnetz der Deutschen Telekom zu etablieren und damit den Wettbewerb auf dem Telekom-Markt zu verbreitern. Ish bestätigt die Befürchtungen des US-Unternehmens Liberty Media, das sich im Frühjahr dieses Jahres den Forderungen des Bundeskartellamts widersetzte, eine verbindliche Zusage für ein weitreichendes Angebot von Telefon-Diensten in Kabelnetzen abzugeben. Liberty hatte sich mit der Deutschen Telekom auf die Übernahme von mehreren Kabelnetzen in Deutschland mit rund zehn Millionen Kunden geeinigt, war mit dem Übernahmeplan aber am Widerstand des Kartellamts gescheitert.

Ish hatte im Jahr 2000 das Kabelnetz in Nordrhein-Westfalen von der Deutschen Telekom mehrheitlich übernommen. Im Sommer war Ish in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Muttergesellschaft Callahan betreibt auch noch das ehemalige Telekom-Kabelnetz in Baden-Württemberg.

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