Finanziers wünschen sich europäische Wachstumsbörse
Im Wagniskapitalmarkt regiert 2003 Realismus

Im Wagniskapitalmarkt weicht das Wehklagen einer nüchternen Bestandsaufnahme. Zwar werden die Abschreibungen in den Beteiligungsportfolios auch 2003 ein drückendes Problem bleiben. Gleichzeitig richtet man sich für die nächsten Jahre darauf ein, auch in mageren Zeiten Chancen zu nutzen.

HB FRANKFURT. Vorerst gilt aber noch: "Die Konsolidierung hat vor allem den Frühphasenbereich fest im Griff", wie es Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), formuliert. Vor allem Firmengründer werden also weiter knapp gehalten. Die Investoren hätten sich oft die Finger verbrannt und seien jetzt vorsichtiger geworden, so Verbandschef Frommann.

Konjunkturflaute und die hausgemachten Probleme des Beteiligungsmarktes führten dazu, dass die Investitionen im ablaufenden Jahr erneut eingebrochen sind. Der BVK schätzt, dass das Neugeschäft der Mitgliedsunternehmen in 2002 deutlich unter dem Vorjahresniveau von 4,4 Mrd. Euro liegen wird: Zwischen 2,2 und 2,5 Mrd. Euro seien an Investitionen zu erwarten, was zwar über dem Volumen von 1998 liege aber unter dem von 1999.

Der Wagnisfinanzierer 3i glaubt, dass sich im Markt ein Boden gebildet hat, von dem sich die Branche mit moderaten Steigerungsraten lösen wird. In Healthcare, Software/Internet, Kommunikation und neue Materialien/Nanotech werde weiterhin investiert, wobei kein Bereich dominiere, so Andreas Kochhäuser, stellvertretender Geschäftsführer von 3i.

Auch die Beratungsgesellschaft Mackewicz & Partner glaubt, dass die favorisierten Branchen des Jahres 2002, Software und Biotechnologie, auch im kommenden Jahr die bevorzugten Technologiefelder für die Kapitalgeber bleiben werden. Die Biotech-Branche werde dabei einen hohen Folgefinanzierungsbedarf aufweisen - neue Bahn brechende Technologien mit entsprechender Anziehungskraft für Venture Capital seien aber nicht erkennbar, meint Branchenexperte Uwe Fleischhauer.

Heilsames Korrektiv

Die gegenwärtige Konsolidierungsphase gilt vielen als heilsames Korrektiv. Das Jahr 2003 werde vor allem den etablierten Adressen in die Hände spielen, die noch auf reichlich Kapital sitzen und bei entsprechend niedrigeren Bewertungen attraktive Investitionen tätigen können, prognostiziert Fleischhauer. "Diejenigen Venture Capitalists, die noch Geld übrig haben, können von der aktuellen Situation profitieren, denn schlechte Börsenzeiten sind gute Akquisitionszeiten", meint auch Waldemar Jantz, Gründer und Partner der Münchner Venture-Capital-Gesellschaft Target Partners.

Auf Verbandsebene sieht es der BVK als wichtigste Aufgabe der Politik an, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen endlich so gestaltet werden, dass die Voraussetzungen für den nächsten Aufschwung im Beteiligungsmarkt geschaffen werden. Und auch bei 3i hält man die "unklare Steuerlage" sowohl für die Unternehmen als auch für die Finanzinvestoren für einen klaren Standortnachteil.

Die Börse wird als "Exit"-Kanal für Beteiligungen frühestens Ende 2003 wieder eine größere Rolle spielen. Dies bremst die gesamte Branche, denn Börsengänge bleiben "der wichtigste Hebel, um den deutschen VC-Markt wieder aufs Gleis zu bringen", schreibt die Deutsche Bank Research, wobei sie als Alternative zur "nationalen Umettiketierung" des Neuen Marktes eine "Wachstumsbörse mit europäischer Reichweite" favorisiert. Die Exitmöglichkeiten blieben auf absehbare Zeit beschränkt, daher gewinne die internationale Dimension noch mehr als bisher an Bedeutung, sagt auch 3i-Manager Kochhäuser. Auch für 3i wäre auf längere Sicht eine europäische Börse für junge Wachstumswerte wünschenswert, die dann das notwendige Handelsvolumen für einen langfristigen Bestand erreichen könnte.

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