Finanzierung des Deals noch offen
Allianz gewinnt bei französischer Bankenfusion

Noch ist die spektakuläre Bankenfusion in Paris nicht in trockenen Tüchern. Insbesondere die Finanzierung der geplanten Übernahme des Crédit Lyonnais durch den Wettbewerber Crédit Agricole ist offen. Doch einer der Profiteure des Deals könnte aus München kommen: Die Allianz hofft auf einen Schub für ihr Geschäft in Frankreich.

abo/cbu PARIS/MÜNCHEN. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle saß zwar nicht mit am Tisch, als am Montag in Paris eine Mammut-Bankenfusion verkündet wurde. Doch von dem Deutschen war trotzdem die Rede: "Schulte-Noelle ist mir immer als guter Freund erschienen", lobte Jean Peyrelevade. "In geschäftlichen Dingen war er immer ein Gentleman", fügte der Crédit-Lyonnais-Chef hinzu.

Das erstaunt nicht, hatte doch die Allianz bei der geplante Übernahme von Crédit Lyonnais (CL) durch Crédit Agricole (CA) ihre Finger im Spiel. Denn der Münchener Konzern ist über seine französische Versicherungstochter AGF mit über 10 % an CL beteiligt. "An der Allianz konnte keiner vorbei", heißt in Bankenkreisen. Offenbar haben die Deutschen die jetzt gefundene Lösung unterstützt. Der Grund: CA und CL sind zusammen mit 22 Millionen Kunden in Frankreich flächendeckend präsent. Eine Vertriebskooperation mit dem neuem Bankriesen könnte den Versicherungsprodukten der Allianz-Tochter AGF einen großen Markt erschließen. Der Allianz passte die zweite Variante nicht - ein Zusammengehen von CL mit dem Konkurrenten BNP Paribas. Denn dadurch wäre ein Konzern mit deutlich geringerem Marktanteil im Privatkundengeschäft entstanden.

Der Allianz-Konzern könnte so einer der Gewinner der Pariser Bankenehe werden. AGF-Chef Jean-Philippe Thierry freut sich auch schon auf die "Aussichten einer Kooperation mit der neuen Bankengruppe". Einen Schub für ihr Geschäft kann die AGF auch gut gebrauchen: Denn bisher lahmt der Bankvertrieb in Frankreich. AGF macht derzeit ein Geschäft von nur rund 100 Mill. über CL. Und das lukrative Geschäft mit der Altersvorsorge wird derzeit gar nicht über den Bankschalter verkauft, lediglich Sachpolicen. Dazu kommt: Die Franzosen sind einer der Sorgenkinder der Allianz. Zuletzt wurden nach München rote Zahlen gemeldet.

Doch steht die Offerte der genossenschaftlichen CA-Finanzgruppe für CL womöglich noch auf tönernen Füßen. Finanzkreise in Paris verweisen auf die Rolle der Zwei-Drittel-Barkomponente an dem auf 17 Mrd. bezifferten Übernahmegebot. Ein Drittel der Summe kann CA mit Aktien zahlen. Wollen die bisherigen CL-Großaktionäre überwiegend Bares sehen, könnte die Struktur der Offerte kippen, wie ein Pariser Analyst vermutete.

Die Konstruktion der Offerte hat die Ratingagenturen auf den Plan gerufen. Standard & Poor's, Moody's und Fitch stellten die Schulden von Crédit Agricole unter kritische Beobachtung - mit der Gefahr einer Herabstufung.

Womöglich wird der Aktienanteil noch geringer. Denn die Bereitschaft insbesondere der alten Kernaktionäre von CL ist gering, sich schon drei Wochen vor dem Start der Offerte Mitte Januar auf eine Bezahlung in Aktien festzulegen. Zwar hat CA noch bis Juli 2003 ein Vorkaufsrecht auf die Pakete, die seit der CL-Privatisierung 1999 ihren Wert mehr als verdoppelt haben. Doch bedroht das Kursrisiko beim Aktientausch den Veräußerungsgewinn ihrer Pakete, den AGF mit 800 Mill. , die Commerzbank mit 400 Mill. und Spaniens BBVA und Italiens Banca Intesa mit je 300 Mill. angeben.

CA-Vorstandschef Jean Laurent und der Aufsichtsratsvorsitzende René Carron hatten am Montag behauptet, die Kernaktionäre hätten sich zur Andienung ihrer CL-Anteile gegen CA-Aktien verpflichtet. Die Commerzbank bestätigte gestern ihre Zusage - doch die Bank verlangt für ihre 3,9 % an CL zwei Drittel Bargeld.

Auch AGF hat sich Branchenkreisen zufolge nicht endgültig festgelegt, auf welche Währung sie sich einlassen will. Als wahrscheinlich gilt aber, dass die Allianz ihre CL-Anteile in eine Beteiligung an der neuen Gruppe tauscht. Davon sprach zumindest AGF-Chef Thierry am Montag. Und das würde auch in die Allianz-Strategie passen. Denn der Versicherer versucht in der Regel, mit kleineren Bankbeteiligung eine Vertriebskooperation abzusichern.

Wettbewerber Axa hatte seine 5,5 % schon vor zwei Jahren als Finanzbeteiligung deklariert. Ein Sprecher kommentierte die angebliche Andienungszusage nicht. Auch zur Frage Aktien oder Bargeld äußerte sich der Konzern nicht. Doch hat CA auch noch Probleme in den eigenen Reihen. So machen ihre Regionalkassen in Paris und in Lothringen heftig Front gegen den Deal. Alle übrigen 43 Regionalkassen wollen sich zwar am Deal beteiligen, aber ihre CA-Beteiligung von heute fast drei Viertel auf dann gut die Hälfte sinken lassen.

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