Finanzierung des geplanten Unternehmensumbaus
Drillisch will sich Kapital beschaffen

Der Mobilfunkanbieter Drillisch AG prüft mehrere Alternativen zur Kapitalbeschaffung, um den geplanten Umbau des Unternehmens im Hinblick auf das künftige UMTS-Mobilfunkgeschäft zu finanzieren. Auf der Technologiemesse CeBIT in Hannover sagten der Vorstandsprecher der Drillisch AG, Jürgen Hannappel, und der Vorstand der Drillisch-Tochter man wolle bis zum Start des UMTS-Mobilfunkgeschäfts in Deutschland zur Mitte kommenden Jahres ein "völlig neues Unternehmen aufstellen".

rtr HANNOVER. Für dieses Wachstum werde Kapital benötigt. Favorisiert wird eine Platzierung bei institutionellen Investoren. Ziel der Maßnahme sei auch, das handelbare Aktienvolumen zu erhöhen.

Die am Frankfurter Neuen Markt notierte Drillisch AG hatte am Freitag bekannt gegeben, dass der Umsatz im laufenden Jahr um mehr als ein Drittel auf eine halbe Milliarde DM steigen soll. Das mittlerweile auf die Bereiche Mobilfunk und Internet fokussierte Unternehmen strebt zudem eine Beteiligung an der Internetbank NetBank AG in Hamburg an und vereinbarte eine Kooperation zur gemeinsamen Vermarktung von Bankdienstleistungen für Mobilfunknutzer. Verstärkt will sich Drillisch dem Thema "Mobiles Internet" widmen und dafür Produkte entwickeln, die bei Mobilfunknetzbetreibern und Service-Providern vermarktet werden sollten. Auch die Vertriebswege für die Vermarktung von Mobilfunkverträgen sollen ausgeweitet werden. Den Umfang der geplanten Kapitalbeschaffung für dieses Wachstum wollte Drillisch noch nicht nennen.

Der UMTS-Mobilfunk, der langfristig vor allem als technische Plattform für Daten-Dienstleistungen genutzt werden wird, bietet nach Ansicht von Drillisch-Vorstandssprecher Hannappel bessere Möglichkeiten für Service Provider, am Mobilfunk mitzuverdienen. Service Provider, die bislang vor allem Mobilfunkverträge der Netzbetreiber auf eigene Rechnung vermarkten, könnten ihre Kreativität stärker in das Geschäft einbringen, sagte Hannappel. "Die sechs UMTS-Lizenznehmer in Deutschland werden nicht in der Lage sein, für kleinere Kundengruppen spezielle Dienstleistungen anzubieten. Deren Geschäft werden standardisierte Massenprodukte sein", sagte der Vorstandssprecher. Derzeit liefen Verhandlungen mit den Lizenznehmern. Nach positiven Signalen von zwei Anbietern wird einen erster Vertragsabschluss im Herbst dieses Jahres erwartet.

Positive Erwartungen

Drillisch sieht sich nach den Worten von Hannappel "nicht in der Position des Bittstellers". Neben den mehr als 500 000 Mobilfunkkunden habe man ein gutes Vertriebsnetz, das qualifizierte Beratung der Kunden sicherstelle, und eine vergleichsweise hohe Quote von 1,6 Mill. DM Jahresumsatz pro Mitarbeiter. Ein Vorteil von Drillisch sei es, dass die Anforderungen an den Vertrieb im UMTS-Geschäft wachsen würden. "Die Boxenschieberei von Prepaid-Handys wird abgelöst durch beratungsintensiven Verkauf", sagte Hannappel voraus.

Für das laufende Jahr sieht Drillisch gute Chancen, die Margen bei der Mobilfunk-Vermarktung zu steigern: "Unsere Erfahrung ist, dass Kunden bereit sind, wieder mehr Geld für die Geräte und Dienstleistungen zu bezahlen." Die vier derzeit in Deutschland aktiven Mobilfunk-Netzbetreiber hatten in den vergangenen Tagen signalisiert, dass sie die Subventionierung von Neukunden mit bis zu dreistellligen DM-Beträgen durch verbilligte Mobiltelefone und Gesprächsguthaben deutlich senken wollen. Hintergrund ist, dass der derzeit noch maßgeblich von der Sprachtelefonie geprägte Mobilfunkmarkt als nahezu gesättigt gilt. Kunden, die sich jetzt erstmals ein Mobiltelefon kaufen, telefonieren nach Aussagen aus der Branche nur sehr wenig und sind daher nur von untergeordnetem Interesse für die Anbieter.

Das von Drillisch geplante Wachstum wird allerdings im laufenden Jahr nach den Worten von Vorstandssprecher Hannappel auf das Ergebnis drücken. "Wir kommen an Investitionen in das Zukunftsgeschäft nicht vorbei. Deshalb gehe ich davon auf, dass das Ebitda in diesem Jahr nicht noch mal so ausfallen wird wie im Jahr 2000", sagte der Drillisch-Manager. Im vergangenen Jahr hatte Drillisch bei 367,4 Mill. DM Umsatz ein auf 23,3 Mill. DM mehr als verdoppeltes positiven Vorsteuerergebnis Ebitda erzielt. "Ich nehme zur Sicherung unseres zukünftigen Geschäfts Ergebniseinbußen in Kauf", sagte Hannappel.

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